Märkte Dax geht mit Verlust ins Wochenende

Die Furcht vor einem Rückschlag für die US-Wirtschaft setzt dem Dax zu. Auch der Euro verliert deutlich. Investoren fürchten, dass der Schuldenstreit in den USA die Wachstumsaussichten des Landes erheblichen gefährden können. Titel der Deutschen Bank geraten kräftig unter Verkaufsdruck.
Börse in Frankfurt: Sorgenvoller Blick gen New York

Börse in Frankfurt: Sorgenvoller Blick gen New York

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Aus Angst vor einem konjunkturellen Rückschlag für die US-Wirtschaft haben europäische Anleger am Freitag die Finger von Aktien gelassen. Für Verunsicherung sorgten unter anderem die ab Mitternacht drohenden drastischen Kürzungen im US-Haushalt. Die trüben Konjunkturaussichten für Europa und die schwierige Regierungsbildung in Italien lasteten zusätzlich auf der Stimmung.

Die Etatkürzungen beeinträchtigten nicht nur das Wachstum in den USA, sondern auch im Rest der Welt, warnte ein Börsianer. "Die Märkte haben dies angesichts der Ereignisse in Italien fast aus den Augen verloren." Sollten Demokraten und Republikaner im Kongress sich nicht in letzter Minute einigen, wird der US-Haushalt nach der Rasenmäher-Methode um 85 Milliarden Dollar gekürzt - die Hälfte davon entfällt auf das Verteidigungsressort.

US-Konjunkturdaten stützen - Dax begrenzt Verluste

Der deutsche Leitindex Dax  notierte zum Handelsschluss auf Xetra noch 0,3 Prozent im Minus bei 7718 Zählern, nachdem er zuvor auf bis zu 7627 Punkte abgerutscht war.

Auch die US-Börsen verringerten ihre Abschläge: Der Dow Jones  notierte fast unverändert, der S&P 500 lag noch 0,1 Prozent schwächer.

Vor dem Hintergrund der drohenden Ausgabenkürzungen in den USA sei die Verbesserung des Einkaufsmanagerindex für die Industrie positiv zu werten, urteilte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. "Ein Abgleiten in eine Rezession ist nach den jüngsten Daten aus den USA auf jeden Fall nicht zu befürchten."

Euro so billig wie zuletzt Mitte Dezember

Am Devisenmarkt verbilligte sich der Euro  zeitweise auf bis zu 1,2985 Dollar und war damit so billig wie zuletzt Mitte Dezember. Ein Grund für die Talfahrt ist der weiterhin auf eine Rezession deutende Konjunkturindex der europäischen Einkaufsmanager. Zudem stieg die Arbeitslosenquote der Eurozone im Januar auf ein Rekordhoch von 11,9 Prozent. Daneben spielten das politische Patt in Italien und die Spekulationen um ein Abrücken des Krisen-Staates von seinem Reform- und Sparkurs eine wichtige Rolle.

"Wir sollten uns nichts vormachen", warnte Arne Lohmann Rasmussen, Chef-Devisenanalyst der Danske Bank. "Die Lage in Italien könnte richtig schlimm werden." Dem Sieger der Parlamentswahl und Chef des italienischen Mitte-Links-Bündnisses, Pier Luigi Bersani, fehlt die Mehrheit im Senat, der Gesetze blockieren kann. Er will daher eine Minderheitsregierung bilden. Vor diesem Hintergrund rutschte der Leitindex der Mailänder Börse überdurchschnittlich stark um 1,9 Prozent ab.

Aktien der Deutschen Bank unter Verkaufsdruck

Unter den Einzelwerten sprangen vor allem die Aktien der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) ins Auge. Die Titel brachen nach einer Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs zeitweilig um mehr als 6 Prozent auf unter 33 Euro ein. Von den europäischen Instituten dürfte die Deutsche Bank am stärksten unter den schärferen Kapitalanforderungen in den USA leiden, urteilten die Analysten.

Um die Anforderungen zu erfüllen, müssten die Frankfurter mehr als 13 Milliarden Dollar an ihren US-Ableger überweisen. Das würde die Kapitaldecke der Deutschen Bank außerhalb der USA deutlich schmälern und könnte den Druck erhöhen, sich frisches Kapital besorgen zu müssen.

Die Deutsche Bank hatte Ende Januar erklärt, über eine Verkleinerung des US-Geschäfts nachzudenken. Frisches Kapital werde aber nicht benötigt, hatte Finanzchef Stefan Krause damals betont.

Darüber hinaus will die italienische Bank Monte dei Paschi die Deutsche Bank verklagen, weil sie mit Derivate-Geschäften 730 Millionen Euro Verlust gemacht hat. Monte Paschi verloren in Mailand 1,4 Prozent. Unter Verkaufsdruck geriet auch das britische Geldhaus Lloyds . Wegen milliardenschwerer Rückstellungen zur Entschädigung von Käufern umstrittener Finanzprodukte blieb das mit Steuergeldern gerettete Institut 2012 in den roten Zahlen. Lloyds-Aktien bildeten mit einem Minus von 8,2 Prozent das Schlusslicht im Londoner Auswahlindex FTSE.

Ermittlungen des Kartellamts belasten Thyssen

Bei ThyssenKrupp (Kurswerte anzeigen) sorgten die Ermittlungen wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen für Kursverluste. Die Aktien gaben zuletzt noch um rund 3,4 Prozent nach. Das Bundeskartellamt hat laut Unternehmensangaben am Donnerstag die Geschäftsräume von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg durchsucht. Es geht demnach um den Verdacht illegaler Absprachen bei Stahl für die Autobranche.

Die neuesten Nachrichten zeigten, wie nötig die Durchsetzung einer neuen Unternehmenskultur sei, schrieb Equinet-Analyst Stefan Freudenreich. Diese hatte Unternehmenschef Heinrich Hiesinger nach jüngsten Korruptionsvorwürfen und Kartellverstößen angekündigt. Wegen verbotener Absprachen von Schienenherstellern hatte der Konzern erst im vergangenen Jahr ein Bußgeld von rund 100 Millionen Euro zahlen müssen. Auch jetzt könnten sich mögliche Schadenersatzzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe ergeben, erklärte Freudenreich. Betroffen von den Ermittlungen sind auch ArcelorMittal und Voestalpine. Die Aktien notierten 2,6 und 1,8 Prozent schwächer.

rei/la/dpa-afx