Samstag, 19. Oktober 2019

Abschied vom Fondsgeschäft Wölbern plant milliardenschweren Immobilienverkauf

Blick auf Rotterdam: Viele Wölbern-Fonds haben in holländische Immobilien investiert

Es wird der letzte Deal im Privatkundengeschäft: Das Emissionshaus Wölbern Invest plant den Verkauf eines Immobilienportfolios im Wert von mehr als einer Milliarde Euro. Bis zu 30 Immobilienfonds auf einen Schlag sollen liquidiert werden, falls die Anleger bis Ende Mai zustimmen.

Hamburg - Das Hamburger Fondsemissionshaus Wölbern Invest will auf einen Schlag Immobilien im Wert von mehr als einer Milliarde Euro verkaufen. Das geht aus einer Präsentation des Unternehmens hervor, die manager magazin online vorliegt. Demnach sollen bis zu 30 Immobilienfonds von Wölbern auf diese Weise liquidiert werden, darunter mehr als zehn Hollandfonds sowie Fonds mit Investitionen in Österreich, Frankreich, Deutschland, Polen und England. Das Unternehmen wollte sich dazu gegenüber manager magazin online nicht äußern.

Der Präsentation zufolge soll mit dem Verkauf des Portfolios ein Erlös von rund 1,4 Milliarden Euro erzielt werden. Da es sich um ein attraktives Portfolio handele, werde ein Paketaufschlag erwartet, heißt es.

Das Vorhaben ist offenbar Teil eines radikalen Strategiewechsels im Hause Wölbern. Es sei laut den Unterlagen nach dem Megadeal kein Vertrieb geschlossener Fonds "an die breite Masse von Privatanlegern" mehr geplant. Der Hollandfonds 72 werde das letzte Produkt sein. Künftig will das Unternehmen demnach als "Assetmanager für professionelle Anleger, insbesondere im Segment der institutionellen Kunden" agieren.

Bis Ende Mai will Wölbern in den Fondsgesellschaften über den möglichen Verkauf abstimmen lassen. Dabei sei eine Teilnahme von 25 Prozent der Investoren an der Abstimmung erforderlich, die dann mit mindestens 75 Prozent zustimmen müssten. Bis zum vierten Quartal 2013, so die Planung, soll das Projekt umgesetzt werden.

Zum Hintergrund: Schon einmal erzielte das Emissionshaus Wölbern mit einem Immobilien-Portfolioverkauf einen Milliardenerlös. 2007 wurden auf einen Schlag 72 Objekte aus 46 Hollandfonds veräußert. Für die Anleger war der Deal seinerzeit nach Angaben des Unternehmens ein Erfolg. So seien im Durchschnitt über die Laufzeit der Fonds Rückflüsse von mehr als 150 Prozent der Einlage entstanden. Die jährliche Vorsteuerrendite erreichte mit der 2007er-Transaktion 8 Prozent, so Wölbern.

Ob der aktuelle Portfolioverkauf ein ähnlicher Erfolg wird, bleibt abzuwarten. Das Emissionshaus befindet sich seit einiger Zeit im Streit mit einigen Investoren wegen eines Anfang vergangenen Jahres eingeführten Liquiditätspools für mehrere Fonds. Mehrere Gerichtsentscheide gibt es bereits zu dem Thema. Zudem wird seitens der Anleger der Verdacht geäußert, Wölbern habe bereits vor Einführung des Pools Gelder unrechtmäßig aus Fonds entnommen. Wölbern hat diesen Verdacht gegenüber manager magazin online mehrfach zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt in dem Zusammenhang gegen Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte wegen des Verdachts der Untreue.

Wölbern Invest (früher Bankhaus Wölbern) zählte einst zu den führenden Emissionshäusern für geschlossene Immobilienfonds in Deutschland. Bis heute wurden unter dem Label Wölbern nach Angaben des Unternehmens mehr als 90 Fonds mit einem Eigenkapital von rund zwei Milliarden Euro und einem Investitionsvolumen von 3,5 Milliarden Euro auf den Markt gebracht.

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