Pleitefonds Riesenverlust für Anleger bei Schiffsverkäufen

Einer Analyse zufolge verloren Fondsanleger 2012 bei Notverkäufen von Schiffen vermutlich mehr als eine Milliarde Euro. Nach Abzug der Bankschulden blieb vom Verkaufserlös schlicht nichts übrig. Das Risiko der Banken in der Schifffahrt alarmiert bereits die Bundesbank.
Tankerhavarie bei Spanien: Anlegern bereitet die Schifffahrt derzeit wenig Freude

Tankerhavarie bei Spanien: Anlegern bereitet die Schifffahrt derzeit wenig Freude

Foto: A2609 epa efe Ragel/ dpa

Hamburg - Anleger von Schiffsfonds haben derzeit wenig zu lachen. Einer aktuellen Untersuchung zufolge verloren sie allein im vergangenen Jahr bis zu mehr als eine Milliarde Euro durch unvorteilhafte Schiffsverkäufe.

86 Fondsschiffe wurden im Jahr 2012 zumeist auf Druck von Banken verkauft, ermittelte die Analysegesellschaft Deutsche Fondsresearch. 1,2 Milliarden Euro hatten Privatinvestoren in den Jahren zuvor an Eigenkapital in diese Schiffe investiert - Geld, von dem sie nach der Veräußerung nun in den weitaus meisten Fällen nichts mehr wiedersehen dürften.

"Angesichts der schwachen Schiffsmärkte und der niedrigen Schiffspreise derzeit reichen die Verkaufserlöse in der Regel nur, um die noch ausstehenden Bankschulden zu begleichen", erläutert Nils Lorentzen, Geschäftsführer Deutsche Fondsresearch. "Für die Investoren bleibt daher vom Verkaufserlös meist nichts übrig. Sie verlieren damit ihr komplettes eingezahltes Eigenkapital."

Zwar haben einige Schiffe im Laufe der Jahre bereits Ausschüttungen geleistet, die dem Verlust theoretisch gegengerechnet werden können. Dabei handelt es sich jedoch zum Großteil um die planmäßige Verzinsung des eingesetzten Geldes. Zudem müssen viele Anleger insolventer Schiffsfonds damit rechnen, dass sie die Ausschüttungen wieder zurückzahlen müssen, weil es sich dabei rechtlich betrachtet um Auszahlungen des Eigenkapitals handelte.

Banken drängen auf Verkäufe

Zum Hintergrund: Die Schifffahrt befindet sich in weiten Teilen seit Jahren in einer schweren Krise, viele Fonds sind in Schieflage geraten. Immer öfter kommt es vor, dass die finanzierenden Banken die Geduld verlieren und auf einen Verkauf der Schiffe drängen, um zumindest ihre Kreditmittel so gut es geht zu sichern. Angesichts niedriger Schiffspreise bleibt bei solchen Notverkäufen nach der Entschuldung allerdings in der Regel nicht mehr viel vom Erlös übrig - die Anleger gehen daher meist leer aus.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Verkäufe nach Angaben der Deutschen Fondsresearch enorm angestiegen. Aus lediglich 25 Veräußerungen im Jahr 2011 wurden 2012 insgesamt 86. Zum Großteil (71 Prozent) handelt es sich dabei um Containerschiffe, gefolgt von Massengutfrachtern (sogenanne Bulker) und Mehrzweckfrachtern.

Nach Einschätzung der Deutschen Fondsresearch wird sich die Zahl der Zwangsverkäufe im laufenden Jahr sogar noch erhöhen. Das deuten bereits gefasste Verkaufsbeschlüsse an, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.

Bundesbank warnt vor Risiken

Ob es den Banken gelingt, sich durch derartige Verkäufe auf die sichere Seite zu bringen, erscheint indes fraglich. Die Bundesbank jedenfalls warnt vor den Folgen der Schifffahrtskrise für das Kreditgeschäft der Banken. "Ohne Zweifel handelt es sich dabei um ein beträchtliches regionales und sektorales Risiko im Bankensektor", sagte Bundesbankvorstandsmitglied Andreas Dombret am Montag laut Redemanuskript in Hamburg.

Die Finanzierung der Schifffahrt in Deutschland sei in "schweres Fahrwasser geraten". Die Branche leidet unter Überkapazitäten und der Flaute im Welthandel. Mitte 2012 hatten die wichtigsten Schiffsfinanziers der Branche laut Bundesbank etwas mehr als 100 Milliarden Euro geliehen.

Die Bankenaufsicht analysiere die betroffenen Institute seit einiger Zeit "besonders aufmerksam", sagte Dombret. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat kürzlich eine Prüfung der größten Schiffsfinanzierer angestoßen. Darunter sind die Landesbanken HSH Nordbank und NordLB sowie die Commerzbank.

Dem deutschen Bankensystem habe bislang die robuste Konjunktur geholfen, die Lasten aus den Problemgeschäftsfeldern wie der Schiffsfinanzierung aufzufangen, sagte Dombret. "Nun darf den vom aktuellen Niedrigzinsumfeld begünstigten Anreizen, Bilanzbereinigungen zu vertagen, nicht nachgegeben werden."

Ein Schlaglicht auf die brisante Lage hatte die Entscheidung der Commerzbank geworfen, sich komplett aus der Schiffsfinanzierung zurückzuziehen. Faule Kredite an die Branche sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Risikovorsorge in der internen "Bad Bank" der Commerzbank 2012 auf 1,4 Milliarden von 903 Millionen Euro angeschwollen ist.

mit rtr
Mehr lesen über