Personalberater Die Fallen der Kopfjäger

Um Kandidaten zu ködern, wechseln manche Headhunter ihre Identität. Sie geben sich als Vertreter angesehener Institutionen aus, um Firmen besser aushorchen zu können. manager-magazin.de schildert einen derartigen Vorwurf gegen eine Personalberaterin.

München - Karin Böll fühlt sich arg getäuscht. Die Inhaberin der Lizenzagentur Böll Concept hat genug Probleme, gute Mitarbeiter zu finden und zu halten - und nun hat ihr eine Personalberaterin noch übel mitgespielt. Die Frau habe sich in einem Anruf als Mitarbeiterin der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing (BAW) vorgestellt, sagt Böll, und sie zu Teilnehmern für eine Seminarveranstaltung befragt.

Böll habe der angeblichen BAW-Frau die Profile ihrer Mitarbeiter geschildert und sogar zwei potenzielle Referenten empfohlen. Mit einem habe die Anruferin dann auch umgehend Kontakt aufgenommen, wettert die Agenturchefin, allerdings unter Nennung ihrer wahren Identität: Die angebliche Akademie-Mitarbeiterin entpuppte sich als Personalberaterin, die den Böll-Concept-Mann abwerben wollte. Klicken Sie hier zur ausführlichen Geschichte

Personalberater erzählen häufig "Cover Stories"

Die der Trickserei bezichtigte Beraterin heißt Suzan-Nadine Fettweis; sie arbeitet bei der Münchener Beratungsfirma Leaders-Trust International. Fettweis bestätigt gegenüber manager magazin online, dass es üblich sei, in Unternehmen "Cover Stories" zu erzählen. Dabei versteckt sich der Berater hinter einer erfundenen Identität oder fragt sich mit Vorwänden zu den gesuchten Kandidaten durch.

"Einige Firmen sind etwas verschlossen", erklärt die Beraterin, und wer sich schon beim Anruf in der Firmenzentrale als Headhunter outet, wird kaum bis zum Chef durchgestellt. Somit müsse ein Personalberater "bestimmte Techniken" (Fettweis) anwenden, um den richtigen Ansprechpartner finden zu können.

Sie persönlich mache "so etwas allerdings nicht", streitet Suzan-Nadine Fettweis den von Böll geschilderten Vorgang ab; und im Übrigen sei sie nicht befugt, über Betriebsinterna Auskunft zu geben.

Ihr Vorgesetzter, Leaders-Trust-Geschäftsführer M. Jon Nedelcu, will den konkreten Fall ebenfalls nicht bestätigen. Er gibt aber zu, dass entsprechende Etikettenschwindel-Aktionen bei Personalberatern "absolut branchenüblich" seien - ähnlich wie bei Versicherungsvertretern, Vermögensverwaltern oder Anlageberatern.

Selbst der Name des Unternehmensberater-Verbandes BDU wurde schon missbraucht

"Das scheint eine neue Masche zu sein", glaubt Christoph Weyrather, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Bonn. Immer wieder verschanzen sich Headhunter hinter den Namen angesehener Institutionen, um so die Betriebe auszuhorchen und geeignete Kandidaten ausfindig machen zu können. Die angerufenen Mitarbeiter rücken die erbetenen Informationen unbefangen heraus, da sie der entsprechenden Institution vertrauen.

Sogar der Name des BDU selbst wurde neulich für einen Etikettenschwindel missbraucht, erinnert sich Weyrather: Eine angebliche BDU-Mitarbeiterin rief bei Consulting-Firmen an, weil sie Referenten für ein Seminar zum Thema "Organisationsberatung" suchte.

BAW wird sich möglicherweise wehren

Ein solches Verhalten wäre mit den Richtlinien des BDU nicht vereinbar, sagt Weyrather. Die 490 Mitglieder des Unternehmensverbandes haben sich auf einen strengen Ehrenkodex verpflichtet. Würde ein BDU-Mitglied bei Mogeleien erwischt, müsste es sich möglicherweise vor dem Ehrenrat verantworten. Im Extremfall wäre mit einem Rauswurf zu rechnen.

Leaders-Trust-Frau Fettweis bräuchte derlei Sanktionen nicht zu fürchten: Ihr Unternehmen ist kein BDU-Mitglied.

Seitens der BAW droht dem Beratungsunternehmen dagegen Ärger. Akademie-Präsident Heinrich Pöhlein ist nicht begeistert, als er von dem angeblichen Beratertrick hört. "Unverschämt und unlauter" findet Pöhlein die Verwendung des BAW-Labels für die Zwecke des Headhuntings, und er will gegebenenfalls "in aller Form" dagegen vorgehen.

Oliver Fischer

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