Neuemissionen Kritik an Banken und Deutscher Börse

Private Anleger werden am Neuen Markt zunehmend über den Tisch gezogen. Die Qualität der Neuemissionen hat nach Ansicht der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre stark nachgelassen.

Frankfurt am Main - Angesichts hoher Kursverluste und sinkender Dividende haben Aktionärsschützer zur Vorsicht bei Investitionen am Neuen Markt geraten. Immer mehr Börsengänge würden trotz des derzeit schwierigen Umfeldes in den Markt gedrückt, kritisierte Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK).

Die Folge seien hohe Kursverluste für die Anleger. Die `katastrophale Emissionsqualität" ziehe sich durch alle begleitenden Bankhäuser, sagte Vorstandsmitglied Markus Straub. Auch die Deutsche Börse nehme keine genauere Prüfung der Kandidaten für den Neuen Markt vor.

Viele Firmen notieren unter ihrem Ausgabepreis

Nach Angaben der SdK notierte im ersten Halbjahr gerade einmal knapp die Hälfte der 98 neu am Neuen Markt aufgenommenen Firmen über dem Ausgabepreise. Zahlreiche Börsengänge bescherten den Anlegern sogar hohe Zeichnungsverluste.

So habe beispielsweise der erste Kurs von Mediascape um 4,26 Prozent unter dem Ausgabepreise gelegen, aktuell verzeichne die Aktie ein Minus von rund 53 Prozent. Für die Anleger sei dies eine Katastrophe, sagte Straub. Er riet den Investoren daher, nicht blind dem guten Namen der begleitenden Bankhäusern zu vertrauen.

Qualität der Neuemissionen lässt nach

Zudem sollte man sich sehr genau über den Börsenkandidaten informieren. Dies scheitere allerdings häufig daran, dass wichtige Informationen, beispielsweise der Emissionsprospekt, erst zu spät veröffentlicht würden.

Der Deutschen Börse warf die SdK vor, die anfänglich diskutierten strengen Zulassungsvoraussetzungen für den Neuen Markt seien offenbar zu Gunsten des quantitativen Wachstums geopfert worden.

Am Neuen Markt werden kaum Dividenden gezahlt

Auch bei den Dividenden der am Neuen Markt notierten Unternehmen sieht es nach Angaben der SdK eher düster aus. Am Neuen Markt hätten im vergangenen Jahr knapp 80 Prozent der Firmen keine Dividende gezahlt. Insgesamt schütten die Gesellschaften von Nemax-50 und Nemax-All-Share rund 62 Millionen Euro (rund 120 Millionen Mark) aus, gerade einmal so viel wie die M-Dax-Firma SKW Trostberg ihren Anteilseigner zu Gute kommen ließ.

Von Wachstumsbörse könne hinsichtlich der Erträge also keine Rede sein, kritisierte Herbert Hansen von der SdK.

Dax-Unternehmen zahlen die höchsten Dividenden

Insgesamt erhöhten die an den deutschen Börsen notierten Unternehmen im vergangenen Jahr den Angaben zufolge ihre Gewinnausschüttung um rund zehn Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Von den insgesamt 849 Firmen zahlten 25,9 Prozent mehr Dividende. Schwergewichte waren die Dax-Unternehmen, auf sie entfielen 66 Prozent des insgesamt ausgeschütteten Geldes.

Sie zahlten im Schnitt mit 0,36 Euro je Aktie im Nennwert von einem Euro den Angaben zufolge auch die höchste Dividende. Die im M-Dax und S-Max vertretenen Firmen erhöhten ihre Ausschüttung um jeweils fünf Cent auf 0,23 beziehungsweise 0,22 Euro je Aktie.

Insgesamt stieg die Dividendensumme der Dax-, M-Dax- und S-Max-Gesellschaften 1999 um 8,2 Prozent. Am Neuen Markt ging sie dagegen um 27 Prozent zurück.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.