Index-Neugewichtung KarstadtQuelle und Adidas müssen zittern

KarstadtQuelle und Adidas-Salomon könnten ihren Status als Dax-Unternehmen verlieren, wenn die Zusammenstellung des Index überprüft wird. MLP gilt als aussichtsreichster Nachfolger.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse wird am Dienstag ihre Aktienindizes überprüfen. Die Börsenvertreter beraten turnusgemäß einmal im Jahr mit dem überwiegend aus Analysten bestehenden Arbeitskreis Aktienindizes darüber, welche Unternehmen aus einem Index absteigen müssen - und welche dafür aufsteigen.

In der anstehenden Sitzung wird auch das wichtigste deutsche Kursbarometer, der Deutsche Aktienindex (Dax), überprüft. Der Finanzdienstleister MLP kann sich die größten Hoffnungen auf eine Aufnahme machen, während Adidas Salomon und KarstadtQuelle abstiegsgefährdet sind.

Auch für den M-Dax und den Neuer-Markt-Index Nemax-50 deuten sich mehrere Auswechslungen an. Möglicherweise wird die Börse auch über eine Änderung der Berechnung der Marktkapitalisierung beraten.

Neuregelung gilt ab September

In den Dax aufsteigen können Firmen, die beim Börsenumsatz und der Marktkapitalisierung zu den 35 größten Aktiengesellschaften Deutschlands zählen. Konzerne, die entweder beim Börsenwert oder beim Umsatzvolumen nicht mehr zu der Top 35 zählen, droht der Rausschmiss.

Bemessungsgrundlage ist eine von der Deutschen Börse nach Börsenwert und Umsatz erstellte Rangliste der Gesellschaften. Die Richtlinien für die Aufnahme oder den Verbleib im Dax sind aber "Kann"-Regeln, so dass ein Austausch nicht zwingend ist. Sollte es Auf- und Absteiger geben, wird die Neuregelung im September gültig.

Adidas und Karstadt unter Druck

MLP belegt auf der Rangliste der Deutschen Börse bei der Marktkapitalisierung mit gut 11,4 Milliarden Euro den 20. Platz und beim Börsenumsatz mit rund 2,5 Milliarden Euro die 30. Stelle und ist damit klarer Favorit für eine Aufnahme in den Kreis der 30 größten deutschen Konzerne.

Dagegen rangieren KarstadtQuelle und Adidas-Salomon zwar beim Aktienumsatz unter den ersten 35, sie sind aber bei der Marktkapitalisierung stark geschrumpft. Adidas bringt nur 2,6 Milliarden Euro auf die Waage und belegt damit Platz 47, KarstadtQuelle rangiert mit einem Börsenwert von knapp vier Milliarden Euro nur an 36. Stelle.

Die Sitzung der Deutschen Börse warf ihre Schatten bereits im Vorfeld auf die Aktien der betroffenen Konzerne. Während Adidas-Salomon seit Monatsbeginn rund sechs Prozent auf zuletzt 54,50 Euro nachgaben, legten MLP im gleichen Zeitraum um rund 20 Euro auf 152 Euro zu.

KarstadtQuelle-Aktien befanden sich in den vergangenen Wochen auf Zickzack-Kurs, der per Saldo zu keiner wesentlichen Veränderung des Kurses führte.

Streubesitz könnte stärker gewichtet werden

Möglicherweise berät die Börse am Dienstag auch über eine Änderung der Berechnungsmethode des Börsenwerts von Firmen. Experten rechnen damit, dass zur Ermittlung der Marktkapitalisierung einer Gesellschaft künftig nicht mehr das ganze Kapital, sondern nur noch der im Streubesitz ("Freefloat") befindliche Aktienanteil heran gezogen wird. Dies hätte zur Folge, dass Firmen mit einem hohen Festbesitzanteil deutlich an Börsenwert einbüßen.

Konzerne, deren Aktien zur überwiegenden Mehrheit im Umlauf sind, könnten dagegen in einem Index auf einen Schlag mehr Gewicht erhalten. Beobachter erwarteten, dass auf der Sitzung der Börse die Weichen für eine neue Berechnungsmethode gestellt würden.

Telekom und Allianz verlieren bei Neuberechnung

Bei den Dax-Titeln würden auch Deutsche Telekom und Allianz zu den Verlierern einer Umstellung auf die Freefloat-Kapitalisierung gehören. Die Papiere beider Konzerne liegen je rund zur Hälfte in festen Händen.

Auch Infineon, Degussa-Hüls und Münchener Rück wären betroffen. Aufgewertet würde dagegen Siemens, deren Aktien zu fast 94 Prozent im Umlauf sind. Einen hohen Streubesitz weisen zudem noch DaimlerChrysler, Bayer und Adidas-Salomon auf.

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