Donnerstag, 19. September 2019

Geldanlage Selbst ist der Mann

Börsianer: Anlageentscheidung in eigener Regie sollte man bei diesem Beruf voraussetzen können

Geld gewinnbringend anzulegen, ist heute schwerer denn je. Und doch sind die Anleger besser gewappnet als früher. Und erzielen damit sogar bessere Ergebnisse, belegt eine Studie.

Hamburg - Mach es zu Deinem Projekt, dröhnt die Werbung für eine große Baumarktkette. Und so strömen die Menschen in die Hallen von Obi, Hagebaumarkt & Co., durchstöbern Regale nach Torx-Schrauben und fingern an Motorsägen herum. Ihr Selbstvertrauen in die eigenen handwerklichen Fähigkeiten ist grenzenlos.

Es scheint so, als würde etwas davon auch auf die Geldanlage überschwappen. Finanzprofis beobachten eine entsprechende Änderung - und eine Studie unterstreicht den Nutzen von dieser Entwicklung.

"Das Kundenverhalten hat sich in punkto eigener Geldanlagen stark verändert", beobachtet zum Beispiel Dieter Jurgeit, Vorstand der PSD-Bank. "Bei einfachen, selbsterklärenden Geldanlagen wie Tagesgeld oder Sparanlagen haben sich inzwischen gut 60 Prozent unserer Kunden zu Selbstentscheidern entwickelt. Diese Produkte werden dann vermehrt über das Internet direkt abgeschlossen.

Bei beratungsintensiveren Produkten wie Fonds- oder Altersrenten wird zwar auch intensiv vorab recherchiert, für die Anlageentscheidung wird anschließend aber der qualifizierte Rat des Bankberaters gesucht. Oliver Heller vom Familiy Office A/ventum nickt: "Eine bestimmte Zielgruppe hat ihr Finanzwissen inzwischen spürbar verbessert und lässt sich nichts mehr vormachen." Gut? Zumindest besser als bislang.

Selbstentscheider haben höhere Zielrenditen

Denn Selbstentscheider, so eine Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin, haben nicht nur höhere Zielrenditen als jene Kunden, die sich beraten lassen. Sie erreichen ihre Ziele auch eher, haben die Wissenschaftler um Jens Kleine, Professor an der Steinbeis-Universität, herausgefunden. Sehr häufig würden sie ihre Zielrendite erreichen, sagen 13,1 Prozent der Befragten. Bei Beratungskunden schwankt diese Größe zwischen 3,4 und 7,9 Prozent. Und "häufig" sei das bei 38,1 Prozent der Selbstentscheider der Fall. Bei Beratungskunden schwankt diese Zahl zwischen 11,8 und 35,3 Prozent. Zu diesen Ergebnissen trägt auch das höhere Wissen und Interesse an Finanzthemen bei, so die Wissenschaftler.

Alles gut also? Nein. Denn die Informationsflut kann den potentiellen Anleger nicht nur tragen, sondern auch ertränken. "Aktuell sieht man das beispielsweise im Fall 'Riester'", sagt Stefan Hölscher von der Stubenrauch & Hölscher Fondsberatung. "Selbst wenn man unterstellt, dass 80 Prozent der Produkte am Markt den Anforderungen nicht genügen sollten, so wird dem Kunden medial suggeriert, Riester sei schlecht oder es bringe nichts, auch wenn das zwei paar Schuhe sind. Auch in bestimmten Internetforen, in denen potenzielle Anleger Fragen stellen, kann Information teilweise eher schaden, weil die Antworten sehr oft fachlich ungenügend sind oder eventuell nur Behauptungen weitergetragen werden. Insgesamt führt mehr Information leider nicht immer zu mehr Wissen, aber häufig zu einer stärkeren Emotionalisierung gegenüber Assetklassen, Märkten oder auch Produkten."

Wird sich das je ändern? Vermutlich nicht. Denn was die Menschen interessiert, darum kümmern sie sich auch. Seien es Autos, seien es Bohrmaschinen. Doch begreifen die Anleger, dass die Beschäftigung mit der Geldanlage ähnlich wie die Steuerklärung unumgänglich ist, wäre schon viel gewonnen. Ein Schritt dahin scheint gemacht.

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