Anlagestrategie Japan - die alten Rezepte funktionieren nicht

Die neue japanische Regierung will mit alten Rezepten das Land aus der Krise führen. Die Rechnung des kreditfinanzierten Booms ging aber schon in der Vergangenheit nicht auf. Investoren sollten wachsam sein.
Milliarden für die Konjunktur: Japans neue Regierung will mit der größten Konjunkturspritze seit Jahren das Land aus der Rezession reißen

Milliarden für die Konjunktur: Japans neue Regierung will mit der größten Konjunkturspritze seit Jahren das Land aus der Rezession reißen

Foto: YURIKO NAKAO/ REUTERS

Vor drei Jahren ist die jahrzehntelang regierende Liberaldemokratische Partei in Japan abgewählt worden. Die Wähler hatten offensichtlich genug von den ewigen und nicht eingehaltenen Versprechungen, die Wirtschaft des Landes wieder auf gesunde Beine zu stellen und die hohen Schulden des Staates abzubauen. Die langjährige Oppositionspartei, die daraufhin an die Regierung kam, konnte ein solches Versprechen jedoch auch nicht einlösen. In der jüngsten Wahl Ende 2012 wurden dann wieder die Liberaldemokraten gewählt.

Die Rezepte zur Ankurbelung der Wirtschaft sind jedoch die alten. Die neue Regierung möchte umgerechnet weitere 100 Milliarden Euro leihen. Japan ist allerdings schon heute das Land mit der höchsten Staatsverschuldung in der Welt. Das Land ist mit dem Doppelten der jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet. Dies vergleicht sich mit Werten zwischen 80 und 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in den Industrieländern Europas und der USA. Seit vielen Jahren finanziert Japan seinen Haushalt fast zur Hälfte mit neuen Schulden.

Die Antwort der Märkte auf diese Politik war vorhersehbar: Der Yen schwächt sich ab, die Aktienkurse steigen. An Japan interessierte Anleger sollten sich jedoch daran erinnern, dass wir diese Musik schon oft gehört haben.

Durch einen kreditfinanzierten Boom stieg der Nikkei von den siebziger Jahren bis 1989 auf 39.000 Punkte. Bis Anfang 2009 fiel er dann ziemlich genau 19 Jahre und viele kreditfinanzierte Konjunkturprogramme später auf ein Niveau bei 7000 Punkten. Seither schwankt der Index zwischen etwa 8000 und 11.000 Punkten.

Der kurzfristigen Wirkung folgte ein umso kräftigerer Rückschlag

Die 19 Jahre vom Beginn des Abstiegs 1989 bis zu dessen vorläufigem Ende 2009 waren eine muntere Folge von Konjunkturprogrammen. Der kurzfristigen Wirkung folgte dann ein umso kräftigerer Kursrückschlag. Zurzeit notiert der Nikkei  etwa auf der Höhe von 1983 oder auf der Höhe von 2002. Die wesentlichen Indizes in Europa und USA sind demgegenüber aufgrund soliderer Finanzpolitik in den vergangenen Jahren gut vorangekommen und notieren in der Nähe der Höchststände von 2007.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die alten Rezepte, die in den vergangenen 20 Jahren nicht funktioniert haben, auch diesmal nach hinten losgehen werden. Es ist denkbar, dass der Nikkei und auch die großen Exportwerte noch eine Weile weiter steigen werden. Der Absturz danach, etwa in der nächsten Abschwächung der Weltwirtschaft, dürfte dann umso gründlicher ausfallen.

Investoren sind nach unserer Meinung gut beraten, andere Länder zu bevorzugen. Wer Japanisch spricht und täglich alle Nachrichten verfolgen und schnell reagieren kann, kann einen Einsatz auf einige Monate wagen. Alle anderen finden bessere Alternativen in Europa und USA.