Opel "Situation immer noch nicht günstig"

Firmen-Chef Robert Hendry will den angeschlagenen Autobauer mit neuen Modellen aus der Krise führen. Große Hoffnungen ruhen auf dem neuen Corsa und dem Van Agila. Das Händlernetz soll halbiert werden.

München/Berlin - "Die Situation ist immer noch nicht günstig für uns. Im vierten Quartal wollen wir aber wieder einen Marktanteil zwischen 13 und 13,5 Prozent erreichen", sagte Opel-Vertriebsvorstand Andrej Barcak am Wochenende.

Im Gesamtjahr will der Hersteller im Inland mit dem Schlussspurt in den letzten Monaten noch auf einen Marktanteil zwischen 12,7 und 12,9 Prozent kommen, sagte Barcak. Firmen-Vize Wolfgang Strinz zufolge peilt Opel langfristig wieder das "natürliche Niveau von 15 bis 17 Prozent Marktanteil" an.

Große Hoffnungen auf neuem Corsa

Bis dieses ehrgeizige Ziel erreicht werden kann, hat der kriselnde Authersteller noch einen weiten Weg vor sich: In den ersten sieben Monaten ging der Anteil bei den Neuzulassungen auf 12,2 Prozent zurück. 1999 sank der Marktanteil von 14,3 auf 13,8 Prozent.

Die derzeit allgemein schwache Autokonjunktur schade insbesondere den Massenherstellern wie Opel, sagte Strinz. Ein Teil der Probleme sei jedoch hausgemacht. So habe man zu spät auf die hohe Nachfrage nach Dieselfahrzeugen reagiert. Mittlerweile seien die Kapazitäten aber aufgestockt worden.

Händlernetz wird halbiert

Die Einbußen bei Marktanteilen und Zulassungen führte er auch auf das Auslaufen des alten Modells des Opel Corsa zurück. Nun setzt Opel große Hoffnungen auf den neuen Corsa. Auch der neue Micro-Van Agila soll den Absatz ab Herbst beflügeln.

"Die ersten Anzeichen sind sehr erfreulich." Von der Allianz der Konzernmutter General Motors mit Fiat verspricht sich Opel Synergien unter anderem beim Einkauf.

Barcak kündigte zudem eine Ausdünnung des Händlernetzes an. Von den derzeit 1000 Händlern solle nur etwa die Hälfte bleiben. Die flächendeckende Versorgung der Kunden werde aber gewährleistet.

Betriebsrat: Produkt-Offensive verschlafen

Auch der Opel-Betriebsrats-Chef Klaus Franz führt die aktuellen Umsatzeinbußen auf hauseigene Probleme zurück. "Andere europäische Automobilhersteller brannten als Antwort auf die japanische Herausforderung ein Produktfeuerwerk für den europäischen Markt ab.

Das haben wir verschlafen", sagte Franz in einem Interview mit der Berliner "taz". Er fürchtet einen "gnadenlosen Verdrängungswettbewerb". In Westeuropa werde es in Zukunft keinen echten Zuwachs mehr bei den Fahrzeugen geben.

In den vergangenen Monaten hatte Opel für zahlreiche Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Die Allianz des Mutterkonzerns General Motors (GM) mit Fiat sorgte für Unruhe und Arbeitsniederlegungen bei den Beschäftigten.

Zudem wurde 1999 trotz eines Rekordumsatzes von 32 Milliarden Mark wieder ein operativer Verlust in Höhe von 225 Millionen Mark verzeichnet. Gerüchte über die Ablösung von Vorstandschef Robert Hendry machen die Runde.