Georg Thilenius Der Fluch der Gewinner

Die UMTS-Auktionen bieten enorme Chancen, aber auch Risiken. Anleger sollten sich auf Unternehmen konzentrieren, die auch ohne das teure Bieterverfahren von der Technologie profitieren, meint Georg Thilenius.

Hamburg - Die europäische Telekommunikationsbranche gehört zweifelsohne zu den Wachstumsbranchen auf Sicht von fünf bis zehn Jahren. Wachstumsträchtige Geschäftsfelder der Zukunft sind dabei die Übermittlung von Daten und der Mobilfunk, während die Umsätze im Gesprächsverkehr überwiegend stagnieren.

Investoren, die von diesem Wachstum profitieren wollen, kommen offensichtlich an einem Engagement in Telekommunikations-Unternehmen nicht vorbei!?

Die Lizenzen für Deutschland für den neuen UMTS-Standard (Universal Mobile Telecommunications Systems) im Mobilfunk, der eine multimediale Verwendung der Mobiltelefone ermöglicht, werden derzeit versteigert.

Telekom-Firmen, die bei dieser Versteigerung nicht zum Zuge kommen, werden schon in der nicht all zu fernen Zukunft ernstlich in ihrer Existenz gefährdet sein. Für die im Auktionsverfahren erfolgreichen Unternehmen bedeutet der Erwerb der Lizenzen dagegen sehr hohe Markteintritts-Barrieren gegenüber den Wettbewerbern.

Ein Engagement in die Aktien der am Auktionsverfahren beteiligten Unternehmen (Vodafone/Mannesmann, T-Mobil, E-Plus, Debitel, Mobilcom und Telefonica/Sonera) gleicht derzeit einem Roulettespiel. Da natürlich auch alle Beteiligten wissen, was auf dem Spiel steht, werden die Teilnehmer der UMTS-Auktion bereit sein, fast jeden Preis für die begehrten Lizenzen zu zahlen.

Genau da lauert die Gefahr für die Aktionäre. Es ist durchaus denkbar, dass einige Firmen, um ihre Marktstellung zu halten, einen völlig überhöhten Preis bezahlen. Der UMTS-Zuschlag könnte so für die Gewinner zum Fluch werden.

Investoren sollten bedenken, dass nicht nur die Aufwendungen für den Kauf der Lizenz, sondern auch der Ausbau der mobilen Netzwerktechnologie Milliarden verschlingen wird, die in Zukunft erst noch verdient werden müssen.

Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch, dass nicht genau vorhergesagt werden kann, inwieweit die Kunden den neuen digitalen Standard akzeptieren werden und vor allem, wie schnell die Verbreitung vor sich gehen wird.

Anleger, die an den Entwicklungen des Mobilfunkmarktes ohne übermäßiges Risiko teilhaben wollen, sollten sich daher auf Unternehmen konzentrieren, die auf jeden Fall von der UMTS-Technologie profitieren werden und zwar unabhängig vom Ausgang des Bieterverfahrens. Dazu gehören in erster Linie die Netzausrüster wie zum Beispiel Ericsson, Nokia, Siemens und Alcatel.

Da der neue digitale Standard auch neue Mobiltelefone erfordert, sollte man auch in diesem Segment auf die Marktführer setzen. Auch hier fallen wieder die Namen Nokia und Ericsson.

Interessant sind natürlich auch die Firmen, die Inhalte anbieten, und die vor allen Dingen in der Vergangenheit beim Kampf um Marktanteile im Internet bereits bewiesen haben, wie man sich durch geschickte Strategien eine günstige Marktposition verschafft. Erste Wahl sind hierbei AOL und Yahoo.

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