UMTS-Zwischenbilanz "Verfahren läuft dynamischer als in Großbritannien"

Nach zaghaftem Start ist die UMTS-Auktion in Fahrt gekommen. Am Freitag wurde die 12-Milliarden Mark-Grenze überschritten; bis Mittwoch dürften sich die Gebote auf mehr als 20 Milliarden Mark summieren.

Mainz - Am Freitag wurden erstmals Einzelgebote von mehr als einer Milliarde Mark abgegeben, wobei erneut MobilCom den Vorreiter spielte. Später zogen im Rahmen des weiterhin dominierenden Vorangehens in Mindestschritten die Deutsche Telekom und E-Plus-Hutchison nach.

Zuletzt hatte MobilCom am Donnerstag mit der Erhöhung auf je 801 Millionen Mark für zwei Pakete für Aufsehen gesorgt. Entthront wurden die Schleswiger dann am Freitagvormittag von der Stuttgarter debitel AG, die 500.000 Mark mehr bot. Das ließ MobilCom nicht auf sich sitzen: Runde 61 brachte am Nachmittag den Sprung über die Hürde von einer Milliarde Mark für einen Frequenzblock.

Durch den neuerlichen MobilCom-Vorstoß am Freitag erhöhte sich die Gesamtsumme auf mehr als zehn Milliarden Mark, nachdem sie am Morgen noch bei rund 8,3 Milliarden Mark gelegen hatte. Zum Schluss des Auktionstages wurden in der 66. Runde 12,33 Milliarden Mark erreicht.

Das Verfahren lief inzwischen deutlich dynamischer als in Großbritannien, wie Beobachter anmerkten. Dort wurde die jetzige Rundenzahl aus Mainz erst nach zweieinhalb Wochen erreicht. Auch die Gesamtsumme belief sich damals bei den Briten erst auf 14 Milliarden Mark.

Scheuerle rechnet mit relativ kurzer Auktion

Der Präsident der Regulierungsbehörde, Klaus-Dieter Scheurle, sagte, er rechne für Montag mit dem Erreichen der 15-Milliarden-Marke. Die Grenze von 20 Milliarden Mark dürfte nach Ansicht von Beobachtern vor Ort am Mittwoch überschritten werden.

Scheurle zog ein positives Fazit der ersten Auktionswoche. Die Technik habe reibungslos funktioniert. Der Verlauf zeige, dass das "Allokationsprinzip" volkswirtschaftlich richtig angewandt werde. Die Auktion werde eher lang als kurz werden. Auf einen Zeitraum wollte sich Scheurle aber nicht festlegen.

Der Behördenpräsident, der die Auktion leitet, fügte hinzu, er rechne nicht mehr mit störenden Einflüssen wie den Interview-Äußerungen von MobilCom-Chef Gerhard Schmid, die zu Spekulationen über mögliche verbotene Absprachen mit debitel geführt hatten.

Bei italienischer Auktion gibt es einen Bereinigungsprozess

Die Liste der Interessenten an der UMTS-Auktion in Italien zeigt nach Ansicht von Beobachtern einen Bereinigungsprozess auf. Deutlich werde, dass die Finanzkraft eines Bieters mehr Gewicht habe als das Prestige, das sich aus der Nähe zu prominenten Politikern ableite, hieß es zum Ausstieg von e.Biscom und AEM sowie Pirelli aus dem Subkonsortium Dix.it.

Laut Analysten dürfte eine Lizenz zwischen drei Milliarden und sechs Miliarden Euro kosten. Dieser Preis werde auch durch noch erfolgende Zu- und Abgänge kleiner Bieter, die sich zu Konsortien und Subkonsortien zusammenschließen, nicht beeinflusst.

Ohnehin würden große Telekommunikationsunternehmen mit einer soliden Kunden- und Finanzbasis wie Omnitel Pronto Italia oder Telecom Italia Mobile (TIM) die Szene beherrschen, hieß es.

Bislang haben sechs Gruppen ihre Teilnahme an der Auktion angekündigt. TIM sowie die von Vodafone kontrollierte Omnitel treten als Einzelunternehmen an. Daneben bewerben sich die Konsortien Wind (France Telecom Enel), Blu (Autostrade, Banca Nazionale del Lavoro, Italgas, Mediaset, Palatinus), IPSE (Unterkonsortium Dix.it, die spanische Telefonica, Acea, Fiat).

Der sechste Bieter ist das Konsortium Andala, das bisher zu 58 Prozent von Tiscali kontrolliert wird.

Hat Andala der Telekom einen Korb gegeben?

Angeblich sollen mehr als 50 Prozent der Andala-Anteile an Hutchison Whampoa aus Hongkong veräußert werden. Um einen Einstieg bei soll sich auch die Deutsche Telekom bemüht haben, die seit dem Verlassen des Wind-Konsortiums vorigen Monat nicht mehr in Italien präsent ist.

Die "Financial Times" hatte gemeldet, die Telekom gehe in Italien wohl leer aus. Dazu sagte ein Unternehmenssprecher, man werde verantwortlich gemacht für "verlorene Schlachten, die man nie geschlagen hat". Die Presse sei derzeit ein "guter Nährboden für Gerüchte."

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