T-Online Wie gewonnen, so zerronnen

Der Aktienkurs nähert sich dem Emissionspreis. Unternehmens-Chef Wolfgang Keuntje kämpft mit Problemen: Die Popularität seiner Homepage sinkt, die internationale Expansion ist ins Stocken geraten.

Frankfurt am Main - Diese Woche hat der T-Online-Kurs nach einem langen Abwärtstrend an der Börse seinen vorläufigen Tiefststand erreicht. Die Aktie fiel zeitweise um mehr als sechs Prozent und notiert derzeit nur noch zwei Euro über dem Emissionspreis von 27 Euro im Frühjahr dieses Jahres.

Der Internet-Service-Provider ist im Stimmungstief der Technologie- und Internetwerte gefangen. Die gegenwärtige Marktposition des Unternehmens verschärft die Lage noch.

Der Vorsprung schrumpft

Zwar ist T-Online noch immer die beliebteste Homepage in Deutschland, doch der Abstand zu den Konkurrenten schrumpft. Während die Internet-Betreiber Yahoo und Lycos im ersten Halbjahr die Popularität steigern konnten, hat die Telekom-Tochter an Reichweite eingebüßt.

Trotz voller Kriegskasse noch keine Übernahme

Erschwerend kommt hinzu, dass T-Online-Chef Wolfgang Keuntje die internationale Expansionsstrategie nicht umsetzen kann.

Mehrfach wurden Übernahme-Kandidaten präsentiert, doch die rund drei Milliarden Euro, die als Akquisitionswährung aus dem Börsengang generiert wurden, blieben bislang ungenutzt. Damit ist das Unternehmen weiterhin praktisch nur auf dem deutschen Markt präsent.

Eine Erholung der Aktie scheint zumindest kurzfristig nicht möglich. Im Gegenteil: Bei einer Neugewichtung der deutschen Indizes könnte der Wert weiter verlieren. Wenn dem Streubesitz eine stärkere Bedeutung zukommen sollte, wird der Status von T-Online geschwächt. Das drückt den Kurs. Derzeit hält die Telekom noch 80 Prozent der Aktien.

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