Deutsche Bank Rekordergebnis, doch Analysten sind enttäuscht

Konzern-Chef Rolf Breuer hat ein Rekordergebnis vorgelegt. Die Erwartungen der Analysten wurden jedoch nicht ganz erfüllt. Hohe Erfolgsboni für die Investmentbanker trüben die Bilanz. An der Börse verlor der Wert kräftig.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank hat im ersten Halbjahr 2000 deutlich mehr verdient als im Vorjahr, musste aber in einigen Positionen eine Verlangsamung des Ertragswachstums zum ersten Quartal hinnehmen.

Die Ergebnisse haben die Erwartungen der Analysten nur bedingt getroffen. Die Vor- und Nachsteuerergebnisse seien gut, die operativen Erträge lagen jedoch unter den Prognosen.

An der Börse verlor die Aktie über 2,50 Prozent und notierte am Vormittag bei 95 Euro. Gerüchte um einen verhaltenen Ergebnisausblick für das Gesamtjahr belasteten einem Händler zufolge den Kurs ebenfalls.

Verhaltener Optimismus bei den Analysten

Analysten äußerten sich bedingt positiv zu den Zahlen. Mit Blick auf das Vor- und Nachsteuerergebnis habe die Bank die Erwartungen nur knapp übertroffen, sagte Georg Kanders von der WestLB.

"Bei den operativen Erträgen wie Handels- und Zinsergebnis sind die Zahlen nicht ganz so gut ausgefallen wie erhofft. Im wesentlichen halten sich die Abweichungen aber in Grenzen", fügte er hinzu.

Kanders sieht derzeit keinen Anlass, nach den jüngsten Kurssteigerungen seine Einstufung von "Neutral" für die Deutsche Bank zu verbessern oder die Gewinnschätzung zu erhöhen.

"Bei dem nicht ganz so starken operativen Erträgen muss man den Anstieg in den Verwaltungsaufwendungen als ein bisschen negativ einschätzen", gab er zu bedenken.

Erfolgsboni trüben Handelsergebnis

Auch Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin sprach trotz der Schwankungen bei den Handelsaktivitäten von starken Zahlen. "Der Provisionsüberschuss war höher als erwartet, doch das Handelsergebnis war schon etwas enttäuschend", sagte Plenk.

Bei einer globalen Investmentbank dürften dieser Ertragsposten nicht so starken Schwankungen unterworfen sein, fügte er hinzu.

Wie schon in den vergangenen Quartalen resultiere der Anstieg der Verwaltungsaufwendungen in erster Linie aus den Erfolgsboni, die das Institut den Angestellten im Investmentbanking zahle. Plenk stuft die Deutsche weiterhin auf "Kaufen".

Die Ergebnisse seien ein Beleg dafür, dass das Fusionsdebakel mit der Dresdner Bank der Deutschen nicht geschadet habe und allenfalls das Image etwas angekratzt habe.

Deutlicher Gewinn aus Allianz-Veräußerungen

Der Gewinn vor Steuern ist, so die Bank, in den ersten sechs Monaten um 118,8 Prozent auf 4,885 (2,233) Milliarden Euro gestiegen. Der Gewinn nach Steuern stieg um 114,6 Prozent auf 3,777 (1,760) Milliarden Euro.

Die Bank erzielte einen steuerfreien Gewinn von mehr als zwei Milliarden Euro aus dem Abbau ihrer Beteiligung an der Allianz. Die Verwaltungsaufwendungen stiegen deutlich.

Einen steuerfreien Gewinn von mehr als zwei Milliarden Euro erreichte die Bank allein durch den Abbau ihrer Allianz-Beteiligung um 2,9 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent Anfang Juni.

Das Handelsergebnis erhöhte sich den Angaben zufolge im ersten Halbjahr auf 3,844 (2,194) Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss hingegen konnte nur um 2,5 Prozent auf 3,135 (3,060) Milliarden Euro gesteigert werden.

Zinsergebnis fiel etwas leichter aus

Im zweiten Quartal allein belief sich das Handelsergebnis auf 1,387 Milliarden Euro und blieb damit deutlich hinter dem Rekordwert der ersten drei Monaten von 2,457 Milliarden Euro zurück.

Das Zinsergebnis im zweiten Quartal war mit 1,543 Milliarden Euro etwas niedriger als im ersten Quartal mit 1,59 Milliarden Euro.

Die Verwaltungsaufwendungen stiegen im ersten Halbjahr stark an auf 10,28 (6,30) Milliarden Euro.

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