Kirch New Media "Die Größten sollen mit ins Boot"

Medien-Mogul Leo Kirch drängt in den E-Commerce. Mit der Multimedia-Tochter Kirch New Media steigt er in den Web-Handel mit Sportartikeln und Reisen ein. KNM-Vorstand Marcus Englert (Bild) präzisiert gegenüber manager magazin online die ehrgeizigen Pläne.

München/Hamburg - Grundsätzlich sind zwei Varianten des Handels geplant, sagt Englert, der im KNM-Vorstand die Felder "Produkt + Markt" verantwortet. Zum einen will er großen Handelsunternehmen Inhalte verkaufen, mit denen diese ihre Onlineverkäufe ankurbeln können.

Ein Sportartikelhändler könnte beispielsweise Sport-News, Statistiken oder bewegte Bilder erwerben, sagt Englert, und diese in sein Internetangebot integrieren.

Zum anderen könnte sich der Händler aber auch in die geplante Kirchsche Entertainment-Plattform einklinken, erklärt der KNM-Manager. In diesem Falle müsste er für jeden online verkauften Turnschuh oder Fußball eine Provision zahlen.

Vor wenigen Tagen hatte Kirch New Media (KNM) ihre Internetpläne in Grundrissen vorgestellt. Die Multimedia-Firma der Kirch-Gruppe will mit einem dreistelligen Millionenbetrag ein Entertainment-Portal aufbauen, über das Inhalte der Kirch-Sender Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1 und N24 sowie der Sport-Page sport1.de abrufbar sind.

Auch vom E-Commerce war die Rede - und von Verhandlungen, die KNM derzeit mit KarstadtQuelle führt. Aus dem konkreten Handelsgeschäft will sich die Kirch-Firma aber auf jeden Fall heraushalten, stellt Englert gegenüber manager magazin online klar: "Wir verlassen uns lieber auf die vorhandene Markenpower und Abwicklungskompetenz großer Handelsunternehmen."

Neben dem Sportartikelhandel ist aus Sicht des KNM-Managers unter anderem der Vertrieb von Kleidung, Büchern und Reisen viel versprechend. Auch in den Web-Handel mit Lizenzprodukten möchte er einsteigen. Immerhin bieten die Filme aus den Kirch-Archiven jede Menge Vermarktungsmöglichkeiten, von der Bruce-Willis-Baseball-Mütze bis zum T-Shirt mit einem Konterfei von George Clooney.

Auswahl der Handelspartner begrenzt

Mit wem er konkret über was verhandelt, will Englert nicht verraten. Er wolle mit den "ganz großen Marken" zusammenarbeiten und könne sich im Buch-Bereich die Kooperation mit einem reinen Internetunternehmen vorstellen. Damit sind seine Auswahlmöglichkeiten begrenzt.

So gibt es im virtuellen Buchhandel nur wenige große Namen wie BOL, Buch.de oder insbesondere Amazon.de. Auch im Sporthandel existieren nicht allzu viele wirklich namhafte Anbieter. KarstadtQuelle verfügt mit Karstadt-Sport über eine starke Marke mit Internet-Ambitionen; nach Schätzung des designierten KarstadtQuelle-Chefs Wolfgang Urban könnte das Unternehmen mit dem Webverkauf von Sportartikeln binnen fünf Jahren eine halbe Milliarde Mark Umsatz machen.

Daneben bietet sich der Otto-Versand an; er drängt mit Macht ins Netz und verfügt mit Sport-Scheck über einen starken Namen. Schließlich ist die Metro ein denkbarer Partner für Kirch New Media. Der Handelsriese bietet allerdings erst wenig Sportartikel im Internet an; unter den Adressen Sportarena.de und Kaufhof.de lassen sich lediglich einige Fitness-Artikel und Fahrrad-Zubehörteile bestellen.

Als Reise-Vertriebspartner ist ebenfalls KarstadtQuelle mit C&N ein möglicher Kandidat; noch wahrscheinlicher ist aber eine Zusammenarbeit mit der Rewe-Tochter ITS. Immerhin wird die Rewe-Gruppe künftig direkt an KirchMedia und damit indirekt auch an Kirch New Media beteiligt sein. Zudem wird Rewe-Chef Hans Reischl im Aufsichtsrat der aus Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N24 entstehenden Pro Sieben Sat 1 Media AG sitzen.

Potenzielle Merchandising-Partner müssen keinen großen Namen haben

Weniger übersichtlich ist die Palette der möglichen Vertreiber von Filmlizenzprodukten. Potenzielle KNM-Partner sollen neben dem Vertrieb auch die Produktentwicklung übernehmen und die komplizierten rechtlichen Fragen klären, sagt Englert.

Wie schwierig die Lösung nutzungsrechtlicher Fragen ist, zeigen die Verhandlungen, die die Kirch-Gruppe derzeit mit der Firma EM.TV führt. Beide Unternehmen konnten sich bislang nicht über die Onlinenutzung von Filmen und Serien der gemeinsamen Kinderprogrammfirma Junior ("Pippi Langstrumpf") einigen.

Immerhin müssen potenzielle Merchandisingartikel-Vermarktungspartner des Kirch-Unternehmens keinen bekannten Namen haben. Als Dachmarke für diesen Produktbereich soll der Markenname des Kirch-Portals herhalten, der allerdings noch nicht feststeht. "Im Bereich des Film-Merchandising vermittelt der Name Kirch die notwendige Glaubwürdigkeit", erklärt Englert.

Der Kirch-New-Media-Manager muß sich mit der Suche geeigneter Partner beeilen. Zwar soll das Internet-Angebot erst im Frühjahr 2001 für die breite Öffentlichkeit nutzbar sein. Eine "Beta-Version" der neuen E-Commerce-Funktionen soll jedoch bereits im November "stehen".

Oliver Fischer