Deutsche Telekom Umsatz rauf, Gewinn runter

Konzern-Chef Ron Sommer hat die Erwartungen nicht erfüllt. Die vorgelegten Halbjahreszahlen überzeugen die Analysten nicht.

Bonn - Nur Anteilsverkäufe bescherten der Deutschen Telekom einen kräftigen Gewinnanstieg. Ohne deren Berücksichtigung reduzierte sich der Überschuss der Deutschen Telekom im ersten Halbjahr um rund ein Viertel.

"Auf vergleichbarer Basis hat sich der Nettogewinn der Deutschen Telekom abgeschwächt und liegt unter unseren Erwartungen", kommentierte Theo Kitz, Telekom-Analyst bei Merck Finck.

Am Morgen hatte der Bonner Konzern für das erste Halbjahr 2000 einen Gewinn auf vergleichbarer Basis von 0,7 Milliarden Euro nach 0,95 Milliarden Euro im Vorjahr vermeldet.

Mit Neuerwerbungen und Verkäufen verzeichnete die Telekom ein deutliches Gewinn-Plus von 353 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Allein die Erlöse aus dem Verkauf von Global One an France Télécom steuerten einen positiven Ergebniseffekt von 2,9 Milliarden Euro bei.

Positiv wirkten sich auch die Erlöse aus dem Börsengang des Telekom-Ablegers T-Online aus. Der Umsatz der Telekom erhöhte sich um 2,5 Milliarden Euro auf 19,3 Milliarden Euro.

Telekom auf "Marktperformer" zurückgestuft

Kitz räumte ein, dass der Nettogewinn für Analysteneinschätzungen nicht so interessant sei. Wichtiger sei das Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (EBIT), das im August präsentiert werden soll.

"Wir haben den Wert von Outperformer auf Marketperformer zurückgestuft", sagte Kitz und begründete dies mit dem Kauf des amerikanischen Mobilfunkanbieters VoiceStream für 50,7 Milliarden Dollar. Durch die gestiegenen Goodwill-Abschreibungen und die größere Aktienanzahl erwartet der Experte einen geringeren Gewinn in den kommenden Jahren.

Analysten enttäuscht

Auch der Telekommunikationsanalyst Joeri Sels vom Bankhaus Julius Bär sieht bei der Telekom eine Abschwächung. Nach Bereinigung mache das Unternehmen Verluste, kommentierte der Analyst die Zahlen.

Für Robert Halver von Delbrück Asset Management liegen die Zahlen ebenfalls unter den Erwartungen. In der Branche gehe es jedoch derzeit kurzfristig weniger um Gewinne, sondern um die Positionierung am internationalen Telekommunikationsmarkt, räumte der Analyst ein. Diese Meinung vertritt auch Roland Pfänder, Analyst bei der Frankfurter BHF-Bank. Die Telekom müsse sich erstmals in den USA positionieren.