Rechtschreibungs-Streit Verleger erwarten keine "FAZ"-Nachahmung

Großer Trubel um die neuen Schreibregeln: Werden andere Medien der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nachfolgen und wieder die alte Rechtschreibung anwenden? Die Verleger wiegeln derzeit noch ab.

Saarbrücken - Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) erwartet keine ähnlichen Schritte anderer Blätter. Die Sprecherin des BDZV, Anja Pasquay, sagte am Donnerstag im Saarländischen Rundfunk, sie glaube, dass die Entscheidung der "FAZ" ein Alleingang bleiben werde: "Mit Nachahmern rechne ich wirklich nicht."

Zwar sei auch ein Jahr nach Einführung der neuen Rechtschreibung in den Zeitungen "die Kritik aus den Zeitungshäusern sehr groß", sagte Pasquay. Dennoch herrsche bei den Blättern die Überzeugung, dass das, was an den Schulen gelehrt werde, sich letztlich im öffentlichen Bewusstsein verankern werde. Das müsse sich "auch in den Tageszeitungen widerspiegeln".

Deshalb hätten die Zeitungen "in den sauren Apfel gebissen" und die Reform mitgemacht.

Der Schritt der "FAZ" komme auch für die Zeitungsverleger überraschend, sagte Pasquay. Sie werde den weiteren Fortgang und die Reaktion anderer Zeitungen mit Spannung beobachten. "Wenn man sich vorstellt, dass alle Artikel, die aus den Agenturen kommen, jeweils neu geschrieben und zurückkorrigiert werden müssten, dann bedeutet das einen ungeheuren zusätzlichen Aufwand."

"FAZ" findet neue Regeln "kriminell"

In ihrer Donnerstags-Ausgabe begründet die "FAZ" ihre Rückkehr zu den alten Schreibregeln mit diversen Ungereimtheiten des neuen Systems. "Am peinlichsten ist die Getrenntschreibung", moniert das Blatt. So müsse sich Bundespräsident Rau sehr gewundert haben, als er Deutschland als "gastfreies" Land lobte und am nächsten Tag in den Zeitungen lesen mußte, er habe "Gast freies" Land gesagt.

"Nicht der Bundespräsident ist kriminell", folgert das Blatt in ungewohnter Schärfe, "sondern ein Teil der neuen Rechtschreibung."

Sachsen-Anhalt sieht "keinen Handlungsbedarf"

Inzwischen hat sich auch die sachsen-anhaltinische Landesregierung zum Streit um die Schreibregeln geäusert. Sie sieht keinen Handlungsbedarf. Die neue Rechtschreibung habe sich bewährt, etwa im Schulbereich, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums. Derzeit sei kein Grund erkennbar, wieder zur alten Schreibweise zurückzukehren.