Amazon Umsatz und Verlust gesteigert

Der Online-Einzelhändler ist tiefer in die Verlustzone gerutscht. Analysten befürchten, dass die vorgelegten Zahlen die Internetwerte am Neuen Markt belasten könnten.

Seattle - Der US-Online-Einzelhändler Amazon ist im zweiten Quartal dieses Jahres bei einem deutlich gestiegenen Umsatz tiefer in die Verlustzone gerutscht.

Der Betriebsverlust auf vergleichbarer Basis ohne Sondereinflüsse sei auf 89 (Vorjahr 67) Millionen Dollar gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Dies entspreche einem Verlust von 0,33 (0,26) Dollar je Aktie. Damit fiel das Ergebnis noch etwas besser aus als von Analysten erwartet.

Das Ergebnis könnte nach Händlerangaben möglicherweise auch die Internetwerte am Neuen Markt in Frankfurt belasten. An der Wall Street gaben Amazon im nachbörslichen Handel deutlich ab.

Amazon ist Gradmesser der Branche

Analysten hatten im Durchschnitt einen Verlust von 0,35 Dollar je Aktie vorhergesagt. Der Netto-Umsatz stieg den Angaben zufolge auf 577,9 (314,4) Millionen Dollar. Amazon.com ist einer der führenden Online-Einzelhändler der Welt; seine Geschäftszahlen gelten als Gradmesser für die Entwicklung der gesamten Branche.

Im nachbörslichen Handel gaben die Amazon-Aktien gegenüber dem Mittwoch-Schlusskurs von 36-1/16 Dollar acht Prozent auf unter 32 Dollar ab. Die Aktie war bereits zuvor immer stärker unter Druck geraten.

Probleme häufen sich

Viele Investoren und Analysten bezweifeln, dass das Unternehmen bald die Gewinnzone erreiche. Im vergangenen Monat hatte die Investmentbank Lehman Brothers gar die Kreditwürdigkeit von Amazon in Frage gestellt.

Kurz vor der Bekanntgabe der Geschäftszahlen hatten sich weitere für Amazon schlechte Nachrichten gehäuft: Am Dienstag trat President und Chief Operating Officer Joseph Galli nach 13 Monaten im Amt zurück, um künftig den Internet-Dienstleister VerticalNet zu führen.

Die Investmenthäuser Lehman und Banc of America Securities stuften am Dienstag und Mittwoch die Aktie zurück. Und Stunden vor Veröffentlichung der Quartalszahlen stürzte dann auch noch die Web-Site des Online-Einzelhändlers für 40 Minuten ab.

Der Umsatz in den drei Monaten von April bis Juni lag den am Mittwoch veröffentlichten Daten zufolge knapp über jenem im Auftaktquartal (574 Millionen Dollar). Der Verlust belief sich auf 15 Prozent des Umsatzes, nach 21 Prozent in der Vorjahresperiode.

Das Unternehmen erwarte weiterhin, dass der vergleichbare Betriebsverlust bis zum vierten Quartal dieses Jahres nur noch einen einstelligen Prozentsatz des Umsatzes ausmache, sagte Amazon-Finanzchef Warren Jenson. Den Nettoverlust gab das Unternehmen mit 115,7 (Vorjahr 82,8) Millionen Dollar an.

Im Kerngeschäft mit Büchern, Musik und Videos sowie DVDs habe das Unternehmen im zweiten Quartal einen Pro-forma-Betriebsgewinn von zehn Millionen Dollar erwirtschaftet, nach einem Fehlbetrag von elf Millionen Dollar im Vorjahr, teilte Amazon weiter mit. Im Minus lagen dagegen neuere Sparten wie der Handel mit Küchengeräten und Gartenmöbeln.