DaimlerChrysler Aggressive Kurspflege

Der Verfechter des Shareholder-Value bläst zum Angriff: DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp will es der "New Economy" zeigen und den Aktienkurs hochtreiben. Fraglich bleibt, ob er auch Investoren und Anleger überzeugen kann.

Stuttgart - "Der Aktienkurs muss und wird sich positiv entwickeln!" DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp wurde etwas lauter, als er am Mittwoch in Stuttgart vor Wirtschaftsjournalisten aus aller Welt seiner Unzufriedenheit mit dem Aktienkurs des deutsch-amerikanischen Autokonzerns Ausdruck verlieh.

Ob die Börse sich die Schrempp-Worte tatsächlich zu Herzen nimmt, scheint zweifelhaft. Autoaktien dürften - frei nach nach Liedermacher Franz Josef Degenhardt - auch in nächster Zeit zu den "Schmuddelkindern" gehören, mit denen man besser nicht spielt.

Analysten bleiben unbeeindruckt

Weder die besten Produkte noch die modernste Technologie und die weltweite regionale Präsenz, die Schrempp auf der Halbjahreskonferenz als das große Plus von DaimlerChrysler beschwor, haben die Analysten und Investoren bislang beeindruckt. Die DaimlerChrysler-Aktie dümpelt weiter auf niedrigem Niveau - dort, wo sich auch die Papiere von VW oder BMW befinden.

Wenn sie auch vieles trennt - die Lenker der deutschen Automobil-Hersteller könnten ein gemeinsames Klagelied über die misstrauischen Anleger singen. Dabei ist die Lage eigentlich gar nicht so schlecht - vor allem für exportorientierte Autobauer, die ein exklusiveres Segment als die Massenhersteller bedienen.

Autobauer melden Rekordzahlen

Zwar muss sich der deutsche Markt für einige Zeit auf einen strukturell bedingten Rückgang einrichten, was aber durch prächtige Exportzahlen mehr als wettgemacht wird.

Audi-Chef Franz Josef Paefgen kündigte ein Rekordjahr an, Mercedes-Mann Jürgen Hubbert konnten am Mittwoch weitere satte Zuwachsraten verkünden und eine Modelloffensive verkünden. Auch für VW und BMW erwarten die Analysten gute Zahlen.

DaimlerChryslers Sorgenkind heißt Nordamerika

Mit einiger Skepsis wird allerdings die Lage auf dem weltgrößten Automobilmarkt Nordamerika betrachtet. Und dies betrifft besonders DaimlerChrysler, das dort mehr als 40 Prozent des Umsatzes erlöst.

Dieser Markt ist heiß umkämpft, etwa 2000 Dollar Rabatt pro Fahrzeug sind nicht unnormal. Das drückt auf die Margen, was die Chrysler Group mit einem Rückgang des Betriebsergebnisses von zwölf Prozent im zweiten Quartal schmerzhaft fühlen musste.

Im dritten Quartal werde die Marge nochmals heruntergehen, wurde vorsorglich angekündigt. Auch in Europa wird der Markt nicht ewig so aufnahmefähig bleiben.

Das Interesse gilt dem Aktienmarkt

Schlechte Zeiten also für DaimlerChrysler? Da sollte man den Kämpfer Schrempp nicht unterschätzen. Er scheint fest entschlossen, ein strammes Kostensenkungsprogramm durchzuziehen; da lacht normalerweise das Investorenherz.

Wichtiger aber wird sein, ob die optimistischen Prognosen des Chrysler-Statthalters James Holden Realität werden. Der hat für 2001 einen höheren Marktanteil und bessere Margen für Chrysler angekündigt. Sollte das DaimlerChrysler-Management dies schaffen, könnten sich die Aktien wieder in eine andere Richtung bewegen.

Und schließlich gilt der Ehrgeiz Schrempps und aller kompetenter Autobauer, es der "New Economy" mal so richtig zu zeigen - nach dem Motto: Wir sind keine Blechbieger, sondern entwickeln elektronische Lösungen, die das Autofahren revolutionieren werden. Hier werde man bald Aufsehen erregende Lösungen präsentieren, kündigen DaimlerChrysler-Manager an.