Dresdner/Commerzbank Bank-Chefs vor Scherbenhaufen

Das erneute Scheitern eines weltweit beäugten Eheversuchs zweier Geldhäuser hat den Finanzplatz Deutschland an den Rand der Lächerlichkeit geführt. Im Mittelpunkt der Kritik stehen die verantwortlichen Konzern-Lenker, allen voran Dresdner-Chef Bernd Fahrholz.

Frankfurt am Main - Die drei Frankfurter Großbanken stehen mitten in einem großen Scherbenhaufen. Die Dresdner Bank musste bereits zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Monaten ein weltweit beäugtes Fusionsabenteuer absagen. Deutsche, Dresdner und Commerzbank - und mit ihnen Deutschland als Finanzplatz - haben nach den Fusions-Debakeln weltweit an Glaubwürdigkeit verloren.

Wie schon bei dem geplatzen Verlobungs-Versuch zwischen Dresdner und Deutscher Bank fiel den verantwortlichen Konzern-Lenkern Bernd Fahrholz (Dresdner) und Martin Kohlhaussen (Commerzbank) nichts besseres ein, als unmittelbar nach den geplatzten Sondierungsgesprächen das Hohe Lied des Alleingangs zu singen.

Die Dresdner Bank suchte zwar noch am Dienstag mit positiven Nachrichten gegen zu steuern. Doch dass das Institut mit Investionen von 1,8 Milliarden Mark das Internet-Banking massiv stärken will, ging im global vernommen Knall der geplatzen Fusion vollkommen unter.

Dresdner-Chef Fahrholz angeschlagen

Angeschlagen ist vor allem der neue Vorstandssprecher der Dresdner Bank. Fahrholz war unmittelbar nach der gescheiterten Eheanbahnung mit der Deutschen Bank an die Spitze gerückt, nachdem Bernhard Walter die Konsequenzen ziehen musste und zurück trat.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt erteilte Fahrholz neuerlichen Fusionsverhandlungen noch eine klare Absage: Wachstum im Alleingang, Konzentration auf Europa und zügiger Ausbau des zukunftsträchtigen Internet-Geschäfts, lautete seine Botschaft auf der Hauptversammlung am 19. Mai.

Exakt einen Monat später galt diese Strategie nicht mehr. Am 19. Juni gaben die Vorstände der Dresdner und der Commerzbank erstmals Gespräche über ein mögliches Zusammengehen bekannt. Verwunderung löste dies auch deshalb aus, weil Cobank-Chef Martin Kohlhaussen zuvor mehrfach mit Nachdruck und Ironie gegen die grassierende "Fusionitis" in der eigenen Branche gewettert hatte.

Auch inhaltlich wurden in der Bankenwelt mehrheitlich Zweifel an dem Sinn einer innerdeutschen Ehe der Frankfurter Nachbarn geäußert. Viel zu viel Überschneidungen, beide mit einem teuren Filialnetz in Deutschland und große Schwächen im Ausland, lauteten die Einwände.

Da konnte die Münchner HypoVereinsbank am Montag ein plausibles Konzept präsentieren. Zusammen mit der Bank Austria wollen die Bayern zu Marktführern in den aufstrebenden mittel- und osteuropäischen Staaten werden. Das Ausmaß der Überschneidungen ist gering, und das Markenzeichen Bank Austria bleibt erhalten.

In beiden Frankfurter Entlobungsfällen sorgte Streit über die Bewertung der Mitgift für das frühe Ende der Beziehungen. Schon die Liaison Deutsche/Dresdner wurde zunächst als Fusion unter Gleichen angepriesen. Schnell wurde den Managern der grünen Beraterbank aber klar, dass sie vom Branchenführer übernommen werden sollten. Lediglich die grüne Farbe sollte im Namen "Deutsche Bank" an die 127-jährige Tradition erinnern.

Neue Übernahme-Gerüchte vorprogrammiert

Nun stritten auch Dresdner und Commerzbank über den Wert ihren Häuser. Commerzbank-Chef Kohlhaussen pochte ebenfalls auf einen Zusammenschluss unter Gleichen. Zwar ist die gelbe Bank mit einer Bilanzsumme von rund 415 Milliarden Euro kleiner als die grüne Konkurrenz, sie konnte aber im ersten Halbjahr einen Gewinn vor Steuern von 1,9 Milliarden Euro (3,7 Milliarden Mark) erzielen.

Die Dresdner Bank kam Ende Juni auf eine Bilanzsumme von 441 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben aber auf Grund hoher Sonderbelastungen aus dem Fusionsdebakel mit der Deutschen Bank nur 706 Millionen Euro übrig. Dafür konnte Dresdner-Vorstand Fahrholz neben den stillen Reserven von sechs Milliarden Euro auf die Börsenkurse verweisen, die in den vergangenen Tagen zu Lasten der Commerzbank auseinander liefen.

Da beide Banken aber nach wie vor ihre Defizite in den europäischen Nachbarländern ausgleichen müssen, um auf dem Kontinent eine wichtige Rolle zu spielen, werden die Gerüchte über neue Verhandlungen und Fusionsabsichten sicher bald neue Nahrung finden. Dafür dürfte schon der Commerzbank-Großaktionär Cobra sorgen, der sein 17-Prozent-Paket wie warme Semmeln ausländischen Interessenten offeriert.


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