UMTS Teure Lizenzen verhindern den Fortschritt

Nach dem enttäuschenden Ergebnis der Lizenz-Auktion in den Niederlanden werden auch für die deutsche Versteigerung weniger Einnahmen erwartet. Teure Lizenzen verhindern die schnelle Einführung der Technik, meinen Kritiker.

Berlin - Angesichts des unsicheren Marktpotenzials für den neuen Mobilfunkstandard und eines zu erwarteten geringen Bieterwettbewerbs könnte das Ergebnis der Auktion für den Bundesfinanzminister enttäuschend ausfallen, schreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem jüngsten Wochenbericht.

Selbst die für den Bundeshaushalt eingeplanten 20 Milliarden Mark seien nach dem Bewerberrückgang und der sich abzeichnenden Konstellation fraglich.

Insgesamt sei das Ende Juli beginnende Auktionsverfahren unbefriedigend. Für künftige Lizenzvergaben sollten effizientere und einheitliche Vergabepraktiken in Europa angestrebt werden.

So könnten Zugangsbeschränkungen und Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden. Auch sollte die Frequenzvergabe nicht vorrangig unter fiskalischen Gesichtspunkten erfolgen.

Überhöhte Lizenzgebühren seien bedenklich, da sie die Verbreitung innovativer Technologien behinderten.

UMTS ist der zukünftige Mobilfunkstandard der 3. Generation, der in Deutschland und Europa ab 2002 den bisherigen GSM-Standard ablösen soll. Er erlaubt extrem schnelle Datenübertragung, so dass Bilder annähernd in Fernsehqualität übermittelt werden können und so Multimediaanwendungen über einen mobilen Internetzugang möglich sind.

Die deutschen UMTS-Lizenzen werden ab 31. Juli versteigert. Nach hohen Erlösen aus der Versteigerung britischer Lizenzen waren anfangs für Deutschland anfangs Beträge von bis zu 120 Milliarden Mark für möglich gehalten worden.

Der Investitionsaufwand für den Aufbau eines UMTS-Netzes wird laut DIW von der Deutschen Telekom auf bis zu acht Milliarden Mark geschätzt. Neue Betreiber müssten sogar mit etwa zehn Milliarde Mark rechnen.

Skeptisch äußert sich das DIW zum UMTS-Marktpotenzial: "Für die derzeit und wohl auch noch längere Zeit dominierende Mobiltelefonie wird UMTS nicht gebraucht."

Der Dienst werde voraussichtlich auch nach 2005 nicht flächendeckend verfügbar sein. Zurzeit sei auch das Interesse an datenintensiven Mobilfunkanwendungen gering, schreibt das DIW mit Blick auf die niedrige Zahl von WAP-Handynutzern.

Für Deutschland sei keine explosionsartige Nachfrage nach UMTS- Mobilfunkdiensten zu erwarten. Der Nutzwert werde auch gemindert, da eine Kommunikation zwischen verschiedenen Mobilfunkstandards beschränkt möglich sei.

"Es dürfte also keineswegs ein leichtes Geschäft für die UMTS-Lizenznehmer werden, rasch die Lizenz- und Investitionskosten zu amortisieren", meint das DIW.