Telefónica Abschied mit 60 Millionen Mark versüßt

Mit einem wahrhaft goldenen Handschlag in Höhe von 60 Millionen Mark hat sich der Chef des spanischen Telekom-Riesen verabschiedet. Er war umstritten wie kaum ein Manager in Spanien: "Sonnyboy" oder "Superman"?

Madrid - Villalonga trat - wie erwartet - am Mittwoch abend nach der Sitzung des Verwaltungsrates zurück. Nach Presseberichten soll er mit den Großaktionären vereinbart haben, dass er für die freiwillige Niederlegung seines Amtes eine Entschädigung in einer Größenordnung von fünf Milliarden Peseten (60 Millionen Mark) erhält.

Supermanager - oder selbstherrlicher Machtmensch?

Für die einen ist Juan Villalonga ein Supermanager, der auch bei Millionen-Deals nicht lange zögert und mit seiner Entschlusskraft der Konkurrenz immer um eine Nasenlänge voraus ist. Die anderen betrachten Spaniens bekanntesten Unternehmenschef als einen selbstherrlichen Machtmenschen, dem die Erfolge zu Kopf gestiegen sind.

Der 47-jährige Präsident des Telekom-Konzerns Telefónica, dessen Rücktritt am Mittwoch erwartet wurde, lässt in der spanischen Geschäftswelt niemanden kalt.

Vom Staatsbetrieb zum wagemutigsten Telekom-Konzern

In seiner vierjährigen Amtszeit verwandelte Villalonga das schläfrige, einst staatseigene Monopolunternehmen in einen rasch expandierenden Konzern, der wie im Sturm beträchtliche Weltmarktanteile eroberte.

Er machte Telefónica zum Marktführer in Lateinamerika und verhalf dem Konzern zu dem Ruf, eines der rührigsten und wagemutigsten Telekom-Unternehmen der Branche zu sein. Der Börsenwert stieg in vier Jahren auf das Siebenfache.

In der sich rasch entwickelnden Telekom- und Internet-Branche schien Villalonga mit seiner Tatkraft und seinen spontanen Entscheidungen der richtige Mann am richtigen Platz zu sein. Aber einige seiner Blitzbeschlüsse gingen auch nach hinten los.

Bangemann wird seinen umstrittenen Job wohl nicht mehr antreten

Dazu gehörte die Verpflichtung des früheren EU-Kommissars Martin Bangemann, die die Telefónica später auf Grund internationaler Proteste zurückstellen musste. "Nun wird Bangemann möglicherweise nie mehr in den Verwaltungsrat der Telefónica einziehen", schrieb das Wirtschaftsblatt "Expansion".

Villalonga, dem Sonnyboy der spanischen Wirtschaft, blies in den vergangenen Monaten zunehmend der Wind ins Gesicht. Der Konzernchef überwarf sich mit der spanischen Regierung und vor allem seinem einstigen Schulfreund, dem Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar.

Fusionieren - oder lieber Vater werden?

Sein Vorhaben einer Fusion der Telefónica mit dem niederländischen Anbieter KPN scheiterte - zum Teil am Widerstand der Regierung.

Während in Madrid die Fusion mit KPN platzte, weilte der Telefónica-Chef in Miami im US-Bundesstaat Florida und wohnte der Geburt seiner Tochter bei.

Zwar reagierte die Klatschpresse begeistert darüber, dass der Firmenboss sich von einer menschlichen Seite zeigte. Aber die Aktionäre sollen von der Abwesenheit des Konzernchefs weniger erfreut gewesen sein.

Die Presseberichte, wonach Villalonga bei einem privaten Aktienkauf von Insider-Informationen profitiert haben soll, brachten das Fass zum Überlaufen.

Der Regierungschef ist nur "Nummer zwei"

Von seinen Gegnern musste der Telefónica-Chef sich häufig vorhalten lassen, dass er den Posten beim Ex-Staatsbetrieb nur als ein "amigo" von Aznar erhalten habe.

Er selbst soll dazu gesagt haben: "Es stimmt, dass wir Freunde und Klassenkameraden waren. Aber man darf eines nicht vergessen: Ich war immer die Nummer eins."