Kommentar Wie Königskinder

Sie kommen einfach nicht zusammen, die deutschen Grossbanken. Zwar drängt die wirtschaftliche Realität die Institute zu einem Zusammenschluss. Doch Eitelkeit verhindert das Manöver. Ein Blick nach München könnte helfen.

Hamburg - Nun bleiben sie also solo, die Dresdner Bank, die Deutsche Bank und die Commerzbank. Mit dürren Worten verkündeten die beiden jüngsten Fusionskandidaten das Ende ihrer Gespräche.

Dresdner-Bank-Sprecher Bernd Fahrholz hat es also auch nicht besser gemacht als sein Vorgänger. Der hatte die Fusion mit der Deutschen Bank kurzfristig abgeblasen, weil es Streitereien um die hauseigene Investmentbank gab. Letztlich stand allerdings die Frage im Vordergrund: Wer übernimmt hier wen?

Nun geht es wieder um die Bewertung. Wenn deutsche Grossbanken über eine Fusion verhandeln, dann soll bitte schön keiner das Gesicht verlieren. Ein Zusammenschluss unter Gleichen muss aus Sicht der beteiligten Manager schon sein.

Und damit der Schein so schön gewahrt bleibt, werden erst einmal die Führungsgremien des geplanten neuen Instituts besetzt. Ob Dresdner und Deutsche oder Dresdner und Commerzbank - stets wurde die Besetzung des Vorstands von Anfang an festgeklopft. Schön paritätisch, versteht sich.

Wenn dann die Börse einen Strich durch dieses Gleichmaß macht, kommt es regelmässig zum Bruch. Es ist nun mal so, dass die vier deutschen Grossbanken nicht exakt gleich gross sind. Es geht daher nicht, dass beliebige Kombinationen immer in einen "Zusammenschluss unter Gleichen" münden.

Die Hypovereinsbank in München hat das gezeigt. Auch hier scheiterte ein beabsichtigter Zusammenschluss unter Gleichen. Allerdings zog Albrecht Schmidt die Fusion durch. Und jetzt übernimmt er die Bank Austria.

Die Hypovereinsbank wächst. Die deutschen Grossbanken müssen sich ihre Partner offenbar im Ausland suchen. Und wenn sie nicht aufpassen, werden sie von potenten Käufern im Ausland einfach geschluckt. Das wars dann mit der Eitelkeit.

Martin Zeißler