Dresdner/Commerzbank Fusionsgespräche an Bewertungsfragen gescheitert

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate ist die Verlobung zweier deutscher Großbanken geplatzt. Ursache waren vor allem Bewertungsfragen.

Frankfurt am Main - Dies bestätigte unterdessen Dresdner Bank-Chef Bernd Fahrholz. Bei der strategischen Ausrichtung sei dagegen Einvernehmen erzielt worden.

Die Commerzbank erklärte, ein Konzept, das den Interessen aller Beteiligten Rechnung trage, erscheine nicht erreichbar.

Beide Banken kündigten an, ihren strategischen Weg fortzusetzen. Erst im Frühjahr war die Fusion von Deutscher und Dresdner Bank geplatzt.

Alles habe sich seit dem gestrigen Dienstag aufgebaut, erklärte Fahrholz. Nach einem letzten Telefonat mit Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen am Mittwochmorgen habe man sich entschieden, den Abbruch der Verhandlungen bekannt zu geben.

Die Dresdner Bank werde jetzt unbeirrt ihre Strategie zur europäischen Beraterbank umsetzen, die sich auf bestimmte Kundengruppen, Produkte und Regionen konzentriere. Die Entscheidung zur Schaffung weitgehend selbstständiger Unternehmensbereiche sei gefallen. Das Restrukturierungsprogramm, das eine Reduzierung der Filialen um rund 300 in drei Jahren vorsehe, sei auf dem Weg. Bis Ende des Jahres sollten etwa 50 Stellen geschlossen werden.

Die Commerzbank kündigte an, den eigenen Weg in Selbstständigkeit weiter zu gehen. In erster Linie werde sie sich um eine Stärkung ihrer europäischen Bindungen bemühen. Das Kreditinstitut hatte für das erste Halbjahr 2000 ein Rekordergebnis ausgewiesen.

Kohlhaussen bedauerte, dass offenbar ein wirklicher Mehrwert einer Fusion nicht zu erreichen sei und damit die Chance zu einer Konsolidierung im inländischen Bankensektor nicht realisiert werden könne. "Wir werden im Interesse unserer Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter nun die ausgesprochen positive Entwicklung der letzten Jahre aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln vorantreiben", sagte Kohlhaussen weiter.

Fahrholz erklärte, ein Zusammenschluss der beiden Kreditinstitute hätte der Dresdner Bank die Chance eröffnet, ihre Ziele in einem größeren Verbund zu verwirklichen. Deshalb habe man das Gesprächsangebot der Commerzbank angenommen.

"Kein Kommentar", hatte noch am frühen Mittwoch morgen die Antwort der Dresdner Bank auf Zeitungsberichte gelautet, die ein Ende der Fusionsgespräche sahen. Den Berichten zufolge soll Fahrholz mit der Forderung einer Bewertung von nahe 60 Prozent bei der Allianz, die knapp 22 Prozent der Aktien der Dresdner Bank hält, Zustimmung bekommen haben.

Demgegenüber wollte die Commerzbank, wie bisher hierzu zu hören war, ein "Pooling of Interests" und damit eine Bewertung nahe Parität. Vor diesem Hintergrund kam es bereits am Dienstag nachmittag an der Börse zu Gerüchten über ein mögliches Ende der Gespräche zwischen beiden Banken, wegen dieser auseinanderlaufenden Einschätzungen in der Bewertungsfrage im Falle einer Fusion.

Dresdner verzeichnet Rückgang bei Vorsteuergewinn

Im ersten Halbjahr verzeichnete die Dresdner Bank wegen der Aufwendungen von 478 Millionen Euro (rund 932,1 Millionen Mark) für die im Frühjahr geplatzte Fusion mit der Deutschen Bank und Rückstellungen für Restrukturierungen von 250 Millionen Euro einen Rückgang des Vorsteuergewinns um 19,8 Prozent auf 706 Millionen Euro. Nach Steuern verringerte sich der Gewinn um 17,2 Prozent auf 420 Millionen Euro.

Ohne diese Sonderfaktoren habe der Vorsteuergewinn dagegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 63 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro zugelegt, erklärte Fahrholz. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern sei auf 15 Prozent gestiegen. Dies entspreche der Zielvorstellung für das Jahr 2003.


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