Air France Concorde abgestürzt

Eine Concorde ist in der Nähe des Pariser Flughafens Roissy abgestürzt. Wrackteile setzten ein Hotel in Brand. Die 100 Passagiere vor allem einer deutschen Reisegruppe, die neun Besatzungsmitglieder und vier Hotelgäste überlebten das Unglück nicht.

Paris - Eine geplante Traumreise in die Karibik und nach Südamerika endete für wenigstens 47 deutsche und 53 Urlauber anderer Nationalitäten mit dem Tod: Sie kamen am Dienstag beim Absturz einer Concorde in der Nähe von Paris ums Leben.

Mit ihnen starben neun Besatzungsmitglieder und vier Gäste eines Hotels, auf das die brennende Maschine stürzte. Der Flug Nummer AF4590 hatte als Ziel New York.

Dort wartete auf die Deutschen das Kreuzfahrtschiff "MS Deutschland" der Reederei Peter Deilmann in Neustadt in Holstein, die die Concorde von Air France gechartert hatte.

Die "Deutschland" startet planmässig am Mittwoch vormittag zu einer 16tägigen Karibik- und Panama-Kreuzfahrt zu Preisen zwischen 8.200 bis 22.000 Mark. Ziel ist die Stadt Manta in Kolumbien.

Bei Passagieren handelte es sich nach Angaben des französischen Innenministeriums um 97 Erwachsene und drei Minderjährige. Neben Deutschen seien auch Dänen und Amerikaner an Bord gewesen, teilte Air France mit.

Einer Sprecherin Deilmanns zufolge kamen die Passagiere aus allen Teilen der Bundesrepublik.

Die Urlauber hätten sich in Paris gesammelt, um zusammen nach New York zu fliegen. Es war der erste Absturz einer Concorde, die seit 1976 kommerziell genutzt wird.

Die Maschine stürzte um 16.44 Uhr, nur wenige Minuten nach dem Start vom Flughafen Charles de Gaulle in Roissy, auf ein Hotel in der Gemeinde Gonesse.

Augenzeugen berichteten, dass ein Triebwerk gebrannt habe. Nach dem Absturz ging die vollgetankte Maschine in Flammen auf; über Gonesse hing noch nach Stunden eine dunkle Rauchwolke.

Von der Concorde blieb kaum etwas übrig, auch der Teil des Hotels, auf das das Flugzeug stürzte, wurde stark beschädigt.

Fast 200 Feuerwehrleute und Rettungsleute und noch einmal so viele Polizisten, darunter auch Spezialeinheiten, waren an der Unglücksstelle.

Offenbar hatte die Concorde nach dem Start Schwierigkeiten, die nötige Höhe zu erreichen. Er habe eine Rauchfahne aus einem der beiden linken Triebwerke der Maschine kommen sehen, sagte Sid Hare, Pilot von Federal Express, der zu diesem Zeitpunkt in einem Hotel wenige Kilometer vom Flughafen entfernt war.

"Es flog 30 Meter über uns, der ganze hintere Teil stand in Flammen", berichtete Frederic Savery, der nahe der Absturzstelle auf der Autobahn unterwegs war. "Wir sahen, dass es abdrehte. Aber wir haben nichts gehört, als es herunterstürzte. Plötzlich war alles schwarz, wir hielten an und riefen die Feuerwehr."

Voraussichtlich werden alle Concorde-Flüge in den nächsten Wochen abgesagt. Die Maschinen, die selbst von französischen Staatspräsidenten genutzt werden, sind im Gegensatz zu normalen Verkehrsflugzeugen bei Starts sehr anfällig.

Sie verbrauchen zudem sehr viel mehr Sprit als normale Jets - die abgestürzte Concorde war vollgetankt.

Bundeskanzler Schröder sagte alle Termine ab. Eine Regierungssprecherin erklärte in Berlin, der Kanzler spreche den Angehörigen der mehr als 100 ums Leben gekommenen Menschen sein tiefes Mitgefühl aus. Der Kanzler ließ sich über alle Einzelheiten des Unglücks informieren. Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein.

Der französische Premierminister Lionel Jospin, Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot und Innenminister Jean-Pierre Chevenement begaben sich zur Unglücksstelle. Auch US-Präsident Bill Clinton kondolierte den Angehörigen. Die Feuerwehr und Air France richteten vor Ort ein Krisenzentrum ein.

Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta erklärte, die Concorde habe offenbar einen Triebwerksschaden gehabt. Die vier Triebwerke seien 23 Jahre alt gewesen, hieß es.