Samstag, 7. Dezember 2019

Richtlinie AIFM Alle Fonds über einen Kamm geschert

Neue Richtlinie: Fonds und Fondsgesellschaften sollen sich europaweit einem neuen Regelwerk unterziehen

Für riskantere Investmentfonds sollen künftig einheitliche und strengere Regeln gelten. Doch AIFM schert viele Fonds über einen Kamm, malt Schwarz-Weiß und lässt viel Spielraum für nationale Alleingänge, kritisiert die Branche. In Deutschland nutzt sie bereits Schlupflöcher.

Frankfurt am Main/London - Immobilienfonds, Hedgefonds und Private-Equity-Fonds haben eigentlich nicht viel gemeinsam. Allein: Sie alle zählen zu den renditestärkeren, aber eben auch riskanteren Anlagen und sollen deshalb in Europa ab dem Sommer einheitlichen und strengeren Spielregeln unterliegen.

Das Hauptziel: Die häufig als "Schattenbanken" bezeichneten Fonds sollen transparenter werden. Die EU macht mit ihrer Richtlinie für Alternative Investmentfonds-Manager (AIFM) einen ersten Schritt hin zur Regulierung des billionenschweren Sektors, der bislang weitgehend durch das Raster der Aufseher gefallen ist, aber für große Verwerfungen an den Märkten sorgen kann.

Doch ein Allheilmittel ist das neue Regelwerk nicht, es kann bestenfalls den Weg weisen. Denn es malt Schwarz-Weiß und lässt zu viel Spielraum für nationale Alleingänge.

"AIFM wird den Sektor ein Stück weit transparenter machen. Das ist grundsätzlich gut und etwas, woran sich die Branche gewöhnen muss", sagt Mats Persson von der Londoner Denkfabrik Open Europe. Das sei aber auch schon alles. Das Regelwerk kranke daran, dass es grundverschiedene Anlagevehikel über einen Kamm schere. Am Ende werde jeder ein bisschen, aber keiner wirklich effizient reguliert. "Eine britische Investmentgesellschaft ist etwas ganz anderes als ein Private-Equity-Fonds in Deutschland."

Profianleger bevormundet, Privatanleger ausgesperrt

Die EU hatte Ende 2010 beschlossen, eine Art "Pass" für Anbieter Alternativer Investmentfonds einzuführen und ihnen genauer auf die Finger zu schauen. Die Mitgliedstaaten sind jetzt dabei, die Richtlinie in nationales Recht zu gießen - auch in Deutschland wird sich in Kürze das Kabinett damit befassen.

Nur Investmenthäuser, die für ihre Fonds ein striktes Risiko- und Liquiditätsmanagement nachweisen, eine externe Verwahrstelle als Treuhänder für Kundengelder einschalten, Hebelfinanzierungen offenlegen und regelmäßig Risiko- und Geschäftsberichte veröffentlichen, sollen eine AIFM-Zulassung bekommen. Erstmals gibt es dann europaweite Standards. AIFM soll quasi zum Sicherheitsprädikat werden.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung