Fondsinitiator Wölbern Invest kämpft gegen eigene Kunden

Über 1000 Anleger liegen inzwischen mit dem Emissionshaus Wölbern Invest über Kreuz, vor allem wegen des Cashpools für ihre Fonds. Ein prominenter Investor erzielte jetzt vor Gericht einen weiteren wichtigen Etappensieg. Ungemach droht dem Fondshaus zudem von anderer Seite.
Justitia im Gericht: Die Richter in Hamburg entschieden für die Anleger und gegen Wölbern Invest

Justitia im Gericht: Die Richter in Hamburg entschieden für die Anleger und gegen Wölbern Invest

Foto: DPA

Hamburg - Erfolg für die Anleger im Streit um den geplanten Liquiditätspool für Immobilienfonds von Wölbern Invest: Das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg erklärte kürzlich den Anfang Februar dieses Jahres gefassten Beschluss zur Einführung des Pools für den Wölbern-Immobilienfonds Holland 65 für nichtig (Az. 11 U 100/12).

Im Konflikt zwischen den Wölbern-Anlegern und dem Emissionshaus um den Liquiditätspool ist dies soweit bekannt das erste rechtskräftige Urteil in einem Hauptsacheverfahren durch ein Oberlandesgericht. Zuvor hatte bereits das Landgericht Hamburg in mindestens drei Fällen rechtskräftig für die Anleger entschieden. Zudem gab es zahlreiche einstweilige Verfügungen (EV) gegen die Durchführung des Pools. Auch für den Fonds Holland 65 hatte das OLG Hamburg Anfang Juni eine solche EV erlassen (Az. 11 U 71/12).

Zum Hintergrund: Wölbern hatte Anfang 2012 die rund 27.000 Anleger von 24 Immobilienfonds darüber abstimmen lassen, ob die freien Mittel der Fonds künftig per Liquiditätsmanagementsystem verwaltet werden sollen. Die Fonds, so die Darstellung Wölberns, sollten sich mit dem Teil ihrer Gelder, der nicht in Immobilien gebunden ist, untereinander Kredite geben. So sollte sich die Lage aller beteiligten Gesellschaften verbessern.

Nach Angaben Wölberns, das sich seit 2006 in der Hand des Arztes und Investors Heinrich Maria Schulte befindet, stimmten 23 von 24 Fonds für die zunächst probeweise Einführung des Cashpools. Gleichzeitig regte sich jedoch in Anlegerkreisen Widerstand. Wölbern habe in der Beschlussvorlage nicht ausreichend über den geplanten Pool und die möglichen Konsequenzen informiert, so das Argument der Kritiker.

Ein fachkundiger Kläger

Zum Beispiel sei Anlegern nichts mitgeteilt worden über die offensichtliche Verschlechterung des Chancen-Risiko-Profils der Fonds, die an einem solchen Pool teilnehmen. Schließlich, so die Kritiker, sei es deutlich riskanter, freie Mittel als Darlehen an möglicherweise schwächelnde Beteiligungsgesellschaften zu vergeben, als diese Gelder auf festverzinste Konten zu legen.

Um den Pool trotz erfolgter Abstimmung noch zu stoppen, wurden daher in mehreren Fällen Gerichte eingeschaltet.

Bemerkenswert im vorliegenden Fall ist, dass es sich bei dem Kläger nicht um einen Privatanleger handelt, sondern um das Emissionshaus Deutsche Fonds Holding (DFH) - also um einen unmittelbaren Konkurrenten Wölberns und zudem einen professionellen Investor und Fondskenner. Die DFH wurde Anfang der 90er Jahre gegründet und hat seither eigenen Angaben zufolge 60 geschlossene Publikumsfonds mit einem Investitionsvolumen von 13,2 Milliarden Euro realisiert.

Weder die DFH noch deren Anwälte wollten sich gegenüber manager magazin online zum vorliegenden Urteil äußern. Tatsächlich beschränkt sich der Streit der Fondshäuser allerdings nicht auf diesen einen Fall. Nach Informationen von manager magazin online hat die DFH insgesamt einen siebenstelligen Betrag aus eigenen Dachfonds in vier Immobilienfonds von Wölbern investiert, nämlich in die Gesellschaften Holland 65, 67, 68 und 69. Auch für die Fonds 67, 68 und 69 erwirkte die DFH vor Monaten einstweilige Verfügungen gegen die Durchführung des Cashpools.

Zudem handelt es sich bei diesen drei Fonds um die erwähnten Fälle, in denen das Landgericht Hamburg dem Kläger, der DFH, auch im Hauptsacheverfahren Recht gab. Die Urteile wurden rechtskräftig, nachdem Wölbern eine bereits eingelegte Berufung zurückgezogen hatte. Bei weiteren Fonds, bei denen andere Anleger gegen den Pool opponieren, stehen endgültige Gerichtsentscheide noch aus.

Protokoll einer "Horrorveranstaltung"

Das Emissionshaus Wölbern Invest gibt gegenüber manager magazin online in Reaktion auf das Urteil des OLG Hamburg an, es sollten "keine weiteren Rechtstreitigkeiten geführt werden". Stattdessen sei damit begonnen worden, "durch offene Kommunikation im Austausch mit den Anlegern Einigkeit über die Führung der Fonds zu erzielen". Insbesondere, so Wölbern, werde in den betroffenen Fondsgesellschaften die Einrichtung eines Beirates angestrebt.

Das klingt wie eine Kehrtwende. Schilderungen von Wölbern-Anlegern sowie deren Anwälten gegenüber manager magazin online über den Verlauf der zahlreichen Konflikte in der jüngeren Vergangenheit lassen allerdings Zweifel daran aufkommen. Insgesamt hat sich inzwischen ein Netzwerk aus einer vierstelligen Zahl von Anlegern gebildet. Darunter befindet sich auch der langjährige Chef des Bankhauses Wölbern, Ove Franz, sowie zahlreiche ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens. Zum Teil wird bereits geklagt oder es werden Anwälte konsultiert, zum Teil informieren sich die Betroffenen mittels umfangreichen Mailinglisten über das Geschehen. Zahlreiche Kanzleien sind ebenfalls involviert.

Auch eine außerordentliche Gesellschafterversammlung des Wölbern-Fonds Österreich 04 im August dieses Jahres ließ kaum ein Einlenken des Emissionshauses erkennen - eher im Gegenteil. Ein inoffizielles Protokoll, das manager magazin online aus Anlegerkreisen erhielt, lässt erahnen, dass es auf dem Treffen überaus turbulent zugegangen sein muss. In dem Schreiben ist die Rede von einer "Horrorveranstaltung".

Schon der Beginn habe sich demnach um vier Stunden verzögert, während derer sich die Geschäftsleitung "incl. eines ganzen Heeres von Juristen" in einem separaten Bereich aufgehalten habe. Die Folge: Viele Anleger mussten die Versammlung vor dem eigentlichen Ende verlassen, um andere Termine einhalten zu können.

Protokoll einer "Horrorveranstaltung"

"Die Art und Weise der Organisation (...), die wiederholte Unkenntnis von Fakten und das Unvermögen des Podiums, konkrete Fragen (...) zu beantworten, (...) haben uns sehr irritiert", schreibt der Autor, der aus Vorsicht anonym bleiben will. Für besonderen Unmut sorgte dem Schreiben zufolge auch eine von Seiten der Geschäftsführung sowie der Treuhandgesellschaft betriebene Abwahl zweier Fondsbeiräte sowie die Wahl von zwei neuen Personen in dieses Amt.

Der aktuelle Richterspruch des OLG Hamburg dagegen nährt die Hoffnung unter den Anlegern auf weitere Erfolge. "Da nicht anzunehmen ist, dass sich das OLG Hamburg selbst wiederspricht, sehen wir dem Ausgang aller noch anhängigen Verfahren mit großer Zuversicht entgegen", sagt einer der Investoren zu manager magazin online. Nach seiner Rechnung könnten am Ende möglicherweise lediglich fünf bis sieben Fonds übrig bleiben, die am Pool teilnehmen.

Auch Rechtsanwalt Dirk Rykena von der Kanzlei Tute & Rykena in Hamburg, der eigenen Angaben zufolge Wölbern-Anleger aus vier Fonds vertritt, wertet das Urteil "als Zeichen dafür, dass auch die bei uns geführten Verfahren positiv ausgehen werden".

Matthias Gröpper schließlich, Anwalt von Gröpper Köpke Rechtsanwälte, Hamburg, sagt, das OLG habe in der mündlichen Verhandlung "entscheidend darauf abgestellt", dass das Informationsschreiben der Fondsgeschäftsführung zur Beschlussumlage "völlig unzureichend und teilweise irreführend" gewesen sei. "Deshalb war der Beschluss rechtswidrig", so Gröpper, der eigenen Angaben zufolge mehr als 350 Wölbern-Anleger vertritt. "Und das gilt für alle anderen Fonds, weil die Geschäftsführung in allen anderen Fällen inhaltlich identische Schreiben versendet."

Bankhaus Wölbern warnt Anleger von Wölbern Invest

Das ist allerdings nicht die einzige Front, an der Wölbern gegen die eigenen Kunden kämpft. Es gibt Indizien dafür, dass sich Wölbern Invest in Liquiditätsschwierigkeiten befindet. In diesen Tagen anstehende Fondsausschüttungen etwa stehen offenbar auf der Kippe oder werden bereits gestrichen.

So erhielt manager magazin online Ende vergangener Woche ein Schreiben der Treuhandgesellschaft an die Anleger des Wölbern-Fonds Deutschland 01, mit dem diese in dieser Woche über die "sofortige Aussetzung der weiteren Auszahlungen" informiert werden. Demnach wird die verbleibende Ausschüttung für 2011 sowie die komplette Ausschüttung für 2012 bei diesem Fonds vorerst ausfallen. Zudem wurden für viele Fonds noch keine Geschäftsberichte für das Jahr 2011 aufgestellt, was nach Ansicht von Anlegern längst hätte geschehen müssen.

Nach wie vor beschäftigt der Verdacht die Anleger, das Emissionshaus habe bereits vor Beschluss des Cashpools Gelder aus Fonds für fremde Zwecke entnommen. Wölbern Invest weist das zurück, die Investoren ließen sich bislang aber nicht überzeugen.

Auch auf der Gesellschafterversammlung des Fonds Österreich 04 im August erhielten die Investoren keine Klarheit zu diesem Punkt. Ohnehin gehörte das Treffen zu den seltenen Gelegenheiten, bei denen sich Wölbern-Anleger persönlich kennenlernen können. Denn ungeachtet der Beteuerung gegenüber manager magazin online ermöglicht das Emissionshaus kaum eine Kommunikation der Anleger untereinander. Gesellschaftertreffen finden selten statt, und die Adressen der Anleger wurden bislang nicht an Mitinvestoren weitergegeben. Die Gesellschafter mehrerer Fonds versuchen daher nun, die Auskunft über die Kontaktdaten ihrer Mitzeichner einzuklagen.

Erneuter Konflikt zwischen Wölbern und Wölbern

Sollte die erwünschte Transparenz schließlich hergestellt sein, so könnte das nach Ansicht von Anwalt Gröpper für die Verantwortlichen bei Wölbern unangenehm werden. "Wenn die Fondsgeschäftsführungen tatsächlich bereits Gelder an andere Fonds verliehen haben, wäre das eine Veruntreuung", sagt er.

Damit jedoch nicht genug. Auch der Zwist zwischen Wölbern Invest und dem Bankhaus Wölbern, dessen Teil das Emissionshaus bis 2009 war, flammt wieder auf. Vor einiger Zeit wurde bekannt, dass Wölbern Invest nach dem Cashpool bereits an einer weiteren Innovation arbeitet. Geplant ist offenbar die Emission festverzinslicher Wertpapiere, die den Anlegern zum Tausch gegen deren Fondsanteile angeboten werden sollen.

Noch liegt kein fertiges Konzept auf dem Tisch, da regt sich bereits Widerstand - und zwar ausgerechnet beim Bankhaus Wölbern. Dessen Stiftung machte auch schon gegen den Cashpool Front. Zudem stritten die Bank und das Fondshaus vor Jahresfrist mit harten juristischen Bandagen um eine Millionensumme, wie manager magazin online berichtete.

Anfang Oktober nun verschickte das Bankhaus ein Schreiben an jene Anleger von Wölbern-Fonds, die ihre Anteile einst per Kredit bei dem Institut finanziert hatten. Nach Ansicht von Beteiligten ging der Brief an tausende Investoren.

"Es war der Presse zu entnehmen, dass es bei der Wölbern-Invest-Gruppe Überlegungen gibt, die Immobilienfonds in eine neue gesellschaftsrechtliche Struktur einzubringen und die Kommanditanteile durch eine Anleihe oder ähnliche Schuldtitel zu ersetzen", hieß es in dem Schreiben, das manager magazin online vorliegt. "Dies stellt eine Beeinträchtigung wenn nicht gar den Entzug der zu unseren Gunsten vertraglich vereinbarten Sicherheit dar."

Das Bankhaus Wölbern weist darauf hin, dass die betroffenen Anleger ohne das OK des Kreditgebers einer solchen Veränderung "nicht zustimmen dürften". Der Brief klingt nicht so, als wäre die Bank geneigt, diese Zustimmung zu erteilen.

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