Freitag, 19. April 2019

Girokonten Banken fürchten Transparenz beim Dispozins

Genau hinschauen: Über die Konditionen des Dispozins informieren Deutschlands Banken schlecht

Banken versprechen mehr Durchblick beim Dispozins, um einer Regulierung ihrer Geldmaschine zu entgehen. Die große Mehrheit der Institute hat aber kein Interesse an Transparenz, wie eine Studie zeigt. Denn dann müssten sie einen echten Vergleich fürchten.

Hamburg - Ein Dispokredit ist im Grunde eine komfortable Sache - kein Kreditantrag, kein Papierkram, einfach das Konto überziehen, Gehaltsnachweis genügt. Gut 30 Prozent der Bankkunden in Deutschland machen davon Gebrauch, 10 Prozent mehrmals im Jahr, zeigt eine Emnid-Umfrage. Ende Juli standen diese Kunden mit rund 40 Milliarden Euro bei ihrer Bank in der Kreide, berichtet die Bundesbank.

Für die Kreditinstitute ist das ein tolles Geschäft. Bei einem EZB-Leitzinssatz von 0,75 Prozent leihen sie sich das Geld so günstig wie nie auf dem Finanzmarkt. Ihren Dispo-Kunden aber knöpfen sie ein Vielfaches an Zinsen ab. Anfang September mussten Bankkunden im Schnitt 11,76 Prozent Überziehungszinsen berappen, sagt Stefanie Pallasch von "Finanztest". Wer das eingeräumte Limit überschreitet, zahlt oft noch einmal bis zu 5 Prozent obendrauf.

"Die Banken machen damit eine fantastische Marge, die erzielen sie sonst nirgendwo", sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Für Banken-Experte Frank-Christian-Pauli vom Bundesverband Verbrauchzentralen (Vzbv) kommen diese Zinssätze dagegen der höchstrichterlichen Definition von Wucher sehr nahe. Denn es sei willkürlich, wenn die Dispo-Zinsen nicht im gleichen Ausmaß fallen wie sie mit den Marktzinsen steigen. Auch sei der Umzug zu einer anderen Bank mit einem überzogenen Konto in der Regel nur zu schlechteren Konditionen möglich.

Vermeintlich hohe Ausfallrisiken - doch Ausfallquote ist gering

Banken rechtfertigen die hohen Sätze mit vermeintlich hohen Kosten und Ausfallrisiken des Dispo-Geschäfts. Eine wissenschaftliche Studie im Auftrag von des Bundesverbraucherministeriums hat die Argumente widerlegt: Die Ausfallquote bei Dispo-Krediten sei mit 0,2 Prozent im Schnitt sogar viel niedriger als bei Konsumentenkrediten (2,5 Prozent). Zudem hätte sich der Bearbeitungs- und Verwaltungsaufwand für die Kredite in den vergangenen Jahren nicht erhöht, berichten die Forscher unter anderem des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)

Dass Banken dennoch so hohe Überziehungszinsen verlangen können, lässt sich auf ein weitgehendes Marktversagen zurückführen. Während bei Konsumenten-, Raten- oder Immobilienkrediten der Preiswettbewerb halbwegs funktioniert, fehlt er beim Dispozins.

Auch Verbraucherschützer räumen ein, dass Konsumenten ihre Kontowahl nur im geringen Ausmaß von den Preisen und Preisanpassungen bei Überziehungskrediten abhängig machen. Gleichwohl verlangen sie eine gesetzliche Deckelung der Überziehungszinsen beim Girokonto.

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