Schrittweise Einführung Audi lässt sich mit A3-Onlinediensten Zeit

Seit Kurzem liefert Audi den neuen A3 aus. Dabei müssen Kunden auf Technik-Highlights warten, obwohl das Auto längst vom Band läuft. Denn zahlreiche Onlinedienste schaltet Audi erst Ende September frei.
Bildschirm im neuen Audi A3: Erst ab Ende September umfangreiche Onlinedienste verfügbar

Bildschirm im neuen Audi A3: Erst ab Ende September umfangreiche Onlinedienste verfügbar

Foto: Audi

Hamburg - Ein eigens gedrehtes 3 D-Video, die FC-Bayern-München-Fußballer Mario Gomez und Philipp Lahm live auf der Bühne: Der Neuauflage seines Kompaktwagen-Bestsellers A3 verpasste Audi auf dem Genfer Autosalon Anfang März den ganz großen Auftritt.

Von einer neuen Dimension sprach Rupert Stadler, als er mit Brimborium den neuen A3 enthüllte. Sparsam und zugleich sportlich soll die zweite Generation des Kompaktwagens werden. Auch auf längeren Autofahrten sollen die Fahrer nicht auf Unterhaltung und Informationen aus dem Internet verzichten müssen. Mit dem A3 werde ein "Zeitsprung nach vorne zum vernetzten Automobil" gelingen, kündigte der Audi-Chef an.

Zwar haben die Audi-Einkäufer für die technischen Grundlagen ganze Arbeit geleistet: Kunden, die das rund 2800 Euro teure Infotainmentpaket MMI Navigation Plus bestellen, können sich über hochauflösende 3D-Grafiken auf einem ausfahrbaren 7-Zoll-Flachbildschirm freuen. Die verbauten Chips zählen zum schnellsten und modernsten, was die Industrie derzeit zu bieten hat. Zudem hat Audi für den A3 ein Bediensystem entwickelt, mit dem sich Zieladressen per Buchstabenmalen auf einem kleinen Touchpad eingeben lassen. So etwas gibt es bislang nicht mal in der Oberklasse.

Doch bei speziell für das MMI aufbereiteten Internet-Inhalten müssen sich die ersten Käufer des A3 teils noch in Geduld üben. Über das Infotainmentsystem lassen sich eine Reihe von maßgeschneiderten Informationen online im Auto abrufen, die Audi unter dem Begriff "Audi Connect" bewirbt. Zum Verkaufsstart ist die Auswahl an innovativen Diensten noch eher gering: Derzeit funktionieren im neuen A3 nur jene Onlinedienste, die bereits in den größeren Modellen A8 und A6 verfügbar sind. Dazu gehören etwa die Straßenansicht von Reisezielen mittels Google Street View im Auto, eigens aufbereitete Wetterinformationen, Internet-Radiostationen oder Staudaten in Echtzeit.

Kaum Werbung für die neuen Onlinedienste

Dabei will Audi im neuen A3 gerade mit zusätzlichen Onlinediensten jüngere Kunden ködern, die sich ähnlich wie bei Smartphones als Apps in dem fest eingebauten Multimediasystem installieren lassen. Fahrer können sich so im Auto Facebook- oder Twitternachrichten vorlesen lassen, die billigsten Tankstellen in der Umgebung finden oder die Ankunftszeiten von Zügen und Flügen abfragen - und das ohne Blick auf das Handy-Display. Auch das Vorlesen und Diktieren von SMS-Nachrichten soll im Auto möglich sein.

Doch diese neuen Funktionen sollen erst Ende September freigeschaltet werden, wenn Audi den A3-Fünftürer offiziell vorgestellt. Zwar können dann auch die bisherigen Käufer der A3-Neuauflage die Dienste nutzen. Sie werden per Online-Update in die MMI-Systeme eingespielt. Doch die Verzögerung verwundert, da der A3 als Audis wichtigste Neuvorstellung in diesem Jahr gilt.

Audi erklärte gegenüber manager magazin online, dass die zeitliche Lücke zwischen Auslieferung und dem Start der neuen Onlinedienste von vorne herein geplant gewesen sei. "Wir führen alle diese Dienste ein, aber eben nicht auf einen Schlag", sagte ein Pressesprecher. Audis Technikvorsprung sieht er gewahrt, da bereits bei Auslieferung des A3 zahlreiche Dienste aus den Oberklassefahrzeugen erstmals in der Kompaktklasse verfügbar sind. Zudem werden die Dienste laut Audi so aufbereitet, dass der Fahrer sie mit geringstmöglicher Ablenkung bedienen kann. "Das sind eine ganze Menge Alleinstellungsmerkmale", so der Sprecher.

Offensiv kommuniziert haben die Ingolstädter den sukzessiven Start ihrer Onlinedienste nicht. So findet sich in der aktuellen A3-Verkaufbroschüre kein einziger Hinweis auf die neuen Infodienste. Auf einer Presseveranstaltung Mitte Mai haben die Ingolstädter die neuen Dienste jedoch ausführlich demonstriert - und es schien so, als würden die Online-Angebote zu Marktstart des A3 bereits verfügbar sein. In einem aktuellen Werbespot zeigt Audi zwar anschaulich die Bedienung des MMI-Systems via Touchpad, doch die neuen Info-Dienste kommen darin nicht vor.

Wettrennen um Onlinedienste in der Kompaktklasse

Mit dem Audi Connect-Projekt vertraute Personen deuteten gegenüber manager magazin online an, dass bei der Planung und Umsetzung nicht alles glatt lief. Das ist bei einem komplett neu entwickelten Fahrzeug nicht ungewöhnlich. Doch der zeitliche Druck war offenbar sehr hoch. "Audi hat versucht, in kürzester Zeit BMW nicht nur einzuholen, sondern gleich zu überholen", sagt ein Insider zu manager magazin online. "Dabei ist man ein wenig ins Straucheln geraten".

Das Ergebnis ist ein Onlinedienste-Angebot für den A3, das in der ersten Phase gerade mal mit der Konkurrenz gleich zieht. Zwar funktionieren Audis Onlinedienste mit Smartphones unterschiedlicher Hersteller - was die Ingolstädter von der Konkurrenz abhebt. Der bayerische Konkurrent BMW etwa setzt bei der Online-Integration noch vorrangig auf Apples iPhone.

Doch bereits heute bietet BMW für seine 1er-Serie Funktionen an, die im A3 teilweise erst ab Ende September verfügbar sein werden. So können sich 1er-Fahrer ebenfalls via Street View ein Bild von den Straßen am Zielort machen. Seit Anfang 2011 können BMW-Fahrer gegen einen Aufpreis von 150 Euro bestimmte iPhone-Apps in das Fahrzeug integrieren - und sich so etwa Facebook-Meldungen vorlesen lassen oder Webradio hören. Auch Kalendereinträge oder E-Mails können direkt im Autobildschirm abgerufen oder per Computerstimme vorgelesen werden. Ab Mitte 2013 soll das für BMW-Fahrer auch mit Android-Smartphones möglich sein. Eine Diktierfunktion mit Spracherkennung, die BMW kürzlich für sein Oberklasse-Modell vorgestellt hat, soll es künftig auch im 1er-BMW geben.

Mercedes setzt für seine neue A-Klasse, die im November zu den Händlern kommt, auf eine tiefgreifende Integration von Apples iPhone. Die wesentlichen Inhalte des Smartphones lassen sich auf dem Bildschirm im Innenraum darstellen, dank Apples Sprachsteuerung Siri können Fahrer ihr Telefon mittels gesprochenen Kommandos steuern - und sogar während der Fahrt E-Mails diktieren oder Termine anlegen.

Aufholjagd bei Spracherkennung

Auch Audi bietet im A3 für bestimmte Funktionen bei Navigation und Telefonie eine Spracherkennung an. Doch die in der ersten Phase angebotenen Onlinedienste für den A3 sind im Vergleich zur Konkurrenz nicht bahnbrechend. "Intern wissen die Leute, dass die Dienste kein Differenzierungsmerkmal sind", sagt einer, der das Audi Connect-Projekt gut kennt.

Einen Vorteil ihres Systems sehen die Ingolstädter in der Art und Weise, wie die Internetinhalte in das A3-Infotainmentsystem integriert werden. Anders als etwa Mercedes hat Audi dem A3 einen eigenen SIM-Kartenleser spendiert, der via UMTS und bald auch per LTE eine schnelle Internetverbindung aufbaut. Sämtliche Inhalte, die drahtlos in das Fahrzeug gesendet werden, werden in Audis Rechenzentren speziell formatiert. Davon verspricht sich Audi eine besonders fahrerverträgliche Aufbereitung der Daten. Zudem macht dieser Ansatz Audi unabhängiger von einzelnen Handyherstellern und -modellen, argumentieren die Ingolstädter.

Bei einer umfassenderen Sprachsteuerung aller Funktionen will Audi bald nachlegen - und Apples Spracherkennungsdienst Siri ebenfalls in ihre Fahrzeuge integrieren. Nach dem Launch der ersten neuen Online-Dienste Ende September sollen künftige Online-Services Schritt für Schritt eingeführt werden, verspricht Audi. Angedacht sind dabei Informationsdienste für freie Parkhäuser in der Umgebung, Börseninformationen oder eine Hotelsuche direkt vom Auto aus. Das wären dann Onlineangebote, die Audis Konkurrenz nicht bieten kann.

Fernsteuerung per Smartphone-App nicht vorgesehen

Doch bei einer technisch wichtigen Lösung hat Audi bislang wenig vorzuweisen: Der Entwicklung von Smartphone-Apps, über die sich Internetdienste an persönliche Vorlieben anpassen und manche Funktionen des Autos fernsteuern lassen.

Zwar bietet Audi eine App namens myAudi mobile Assistant an, die etwa die Suche nach Händlern und Tanstellen vereinfacht oder Smartphone-Besitzer zum Parkplatz ihres Wagens zurücklotst. Doch Konkurrent BMW bietet mit seiner iPhone-App "My BMW Remote" die Möglichkeit, das eigene Auto zu verriegeln - oder etwa die Klimaanlage aus der Ferne einzuschalten. Solche Fernbedienungsmöglichkeiten sind für den A3 laut Audi derzeit nicht geplant.

Audi hofft auf Zusatzgeschäft mit Bezahldiensten

Mit "Audi connect" bauen die Ingolstädter für die Internetdienste und künftigen Services eine eigene technische Infrastruktur auf. Davon verspricht sich Audi - neben besser aufbereiteten Inhalten - auch mehr Kontrolle über das mögliche Geschäft mit Bezahldiensten.

Doch dass dieses Geschäftsmodell nicht das einzig mögliche ist, zeigt sich auf dem US-Markt. Dort sind Onlinedienste im Auto bereits ein wichtiges Verkaufsargument der Händler.

Um in den USA rechtzeitig dabei zu sein, hat sich Mercedes vor einigen Monaten mit dem US-Spezialisten Hughes Telematics zusammengetan. Die Stuttgarter bieten so auf dem US-Markt ein Onlinepaket namens "mbrace" an. Gegen eine jährliche Pauschale können Kunden bestimmte Autofunktionen via Smartphone steuern, lokale Restauranttipps im Auto abfragen - oder vom Auto aus ein Callcenter anrufen, das Flüge oder Hotels für sie bucht. Die Erlöse aus dem Abo teilen sich Daimler und Hughes Telematics auf.

Kürzlich hat Hughes Telematics in den USA übrigens einen neuen Großkunden gewonnen: die Audi-Mutter Volkswagen .

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