Neuemissionen Anleger mit vernichtender Kritik

Riesen-Frust bei privaten Investoren. Zwei Drittel der Anleger halten die Vergabe-Praxis bei der Ausgabe neuer Aktien für nicht gerecht und ebenso wenig durchschaubar. Das soll sich jetzt ändern.

Hamburg - Private Investoren stellen Börsen-Aspiranten und Konsortial-Banken eine schlechtes Zeugnis aus. Knapp zwei Drittel der Anleger halten die gängige Vergabe-Verfahren bei Neuemissionen für ungerecht.

Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die von der Commerzbank in Auftrag gegeben wurde. Als weitere Kritikpunkte ermittelte der Meinungsforscher Emnid: Zwei von drei Befragten halten den gängigen Ablauf vor Börsengängen für zu kompliziert. Ebenso vielen fehlen Informationen zum Emissions-Kandidaten.

Die vernichtende Kritik der Anleger schlägt sich im Zeichnungsverhalten nieder. Zwar möchte jeder dritte neue Aktien zeichnen. Doch nur 7,5 Prozent der Befragten haben es bereits getan und dabei im Regelfall auch eine Zuteilung erhalten. Weitere 10,5 Prozent haben es versucht, sind aber meist leer ausgegangen. 19,2 Prozent haben noch nie neue Aktien geordert, können sich dies aber vorstellen.

Hoffnung auf steil steigende Kurse

Die Studie zeigt auch, warum Neuemissionen so beliebt sind. 55 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen glauben an schnelle Kursgewinne. Und: Jüngere Menschen sind eher von rapidem Wertzuwachs überzeugt als ältere.

Die Kritik an den Zuteilungsverfahren ist zumindest bei erfolgreichen Börsengängen berechtigt. Im März dieses Jahres hatten mehr als fünf Millionen private Anleger Infineon geordert. Nur jeder sechste erhielt überhaupt Papiere - aber auch dann bei weitem nicht alle, die bestellt waren. Wer zum Zuge kam, durfte sich trotzdem freuen: Der Wertzuwachs seit der Ausgabe beträgt derzeit rund 140 Prozent.

Finanzminister Hans Eichel (SPD) hat bislang nur halbherzig auf die Kritik der Anleger reagiert. Seit dem 1. Juli ist zwar das Wertpapierhandelsgesetz um die "Grundsätze für die Zuteilung von Aktienemissionen an Privatanleger" ergänzt worden. Es sieht strengere Kontrollen vor und soll für mehr Transparenz bei der Vergabe sorgen. Wer gegen die neuen Zuteilungsgrundsätze  verstößt, braucht allerdings wie bisher keine Strafen zu fürchten. Die Beachtung der Regeln ist freiwillig.

Harald Grimm/je

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