Steuerreform Volkswirte loben Verabschiedung

Volkswirte sprechen von einem positiven Signal für Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Das nun verabschiedete Gesetzeswerk sei jedoch erst der Anfang. Für einen nachhaltigen Aufschwung müssten weitere Schritte folgen.

Frankfurt am Main - Die Billigung der Steuerreform durch den Deutschen Bundesrat ist von Analysten begrüßt worden, hat an den Finanzmärkten jedoch nur verhaltene Reaktionen ausgelöst. Der Euro konnte sich nur vorübergehend leicht verbessern, am Rentenmarkt drehte der Euro-Bund-Future sogar leicht ins Minus.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) notierte unter seinem Tageshoch fest. Am Markt sei bereits am Vormittag mit einer Zustimmung des Bundesrates zur Steuerreform gerechnet worden, hieß es. Volkswirte sprachen von einem positiven Signal für Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt. Auch wenn noch weitere Schritte folgen müssten, sei die Reform ein Schritt in die richtige Richtung.

Dax notiert fest im Plus

Der Dax wurde nach Angaben von Händlern durch Gewinnmitnahmen etwas gedrückt, das Börsenbarometer blieb aber weiterhin mit über 1,80 Prozent im Plus. Bereits am Vormittag sei mit einer Zustimmung des Bundesrates zu dem Reformvorhaben gerechnet worden, hieß es. Dies habe vor allem die Finanzwerte begünstigt. Die großen Banken und Versicherungen hatten mit deutlichen Kursgewinnen von knapp vier bis fünf Prozent im Plus gelegen.

Der Euro hatte sich im Verlauf der Bundesratsdebatte leicht verteuert, als sich abzuzeichnen begann, dass die Reform den Rat passieren wird. Die Gemeinschaftswährung stieg zwischenzeitlich auf 0,9370 Dollar, ein Bruch der Marke von 0,94 Dollar war nach Angaben von Händlern jedoch nicht im Bereich der Möglichkeiten.

Mit dem erneuten Abrutschen des Euro auf Kurse um 0,9340 Dollar drehten am Rentenmarkt auch die richtungweisenden Zinsfutures leicht ins Minus. Der Euro-Bund-Future, der in der Spitze 15 Ticks auf 105,16 Punkte zulegen konnte, notierte am Mittag im Gefolge des erneut schwächelnden Euro wieder leicht unter 105 Punkten.

Stärkeres Wirtschaftswachstum wird erwartet

Volkswirte europäischer Banken lobten die Steuerreform und ihr Passieren im Bundesrat. Ulrich Beckmann von Deutsche Bank Research sprach von einer Reform die diesen Namen wirklich verdiene. Es gebe substanzielle Verbesserungen. Alle würden besser gestellt. "Wir rechnen als Folge des Entschlusses mit einem noch stärkeren Wirtschaftswachstum als bisher von uns prognostiziert", sagte Beckmann. "Dies wird sich auch positiv auf den Arbeitsmarkt in Deutschland auswirken. Ende 2002 können wir eine Arbeitslosenzahl von 3,3 Millionen sehen."

Thorsten Polleit von ABN Amro sagte, die Reform gehe in die richtige Richtung. Allerdings sei sie lediglich ein Anfang. "Um einen nachhaltigen Effekt auf das Wachstum und den Arbeitsmarkt zu erzielen, braucht man ein gewichtigeres Programm." Auch aus diesem Grund werde der Euro vermutlich nicht deutlich aufgewertet werden.

Neben den insgesamt positiven Signalen für die deutsche Wirtschaft werde aber auch Europa von der Entscheidung profitieren, hieß es weiter. "Insgesamt steigt jetzt der Druck auf andere Länder Europas, ihre Reformen zu beschleunigen", sagte Christel Aranda-Hassel, von CSFB in London. Europa müsse den Prozess der Strukturreformen vorantreiben.