Telefónica Tritt Konzernchef Villalonga zurück?

Der in die Kritik geratene Präsident des spanischen Telekom-Konzerns, Juan Villalonga, ist offensichtlich kurz vor dem Absprung. Er hat mit seinem Arbeitgeber die Bedingungen für ein "ehrenhaftes Auscheiden" ausgehandelt.

Madrid - Die Wirtschaftszeitung "Cinco Dias" berichtet unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass Villalonga auf Anraten seiner Vertrauten und der Kernaktionäre über seinen Abgang pokert. Der Rücktritt werde spätestens auf der letzten Vorstandssitzung vor den Ferien am 26. Juli erwartet, könne aber auch schon am Freitag angekündigt werden, hieß es. Spaniens Wirtschaftsminister Rodrigo Rato habe sich persönlich in die Verhandlungen eingeschaltet.

Villalonga war zuletzt wegen des Vorwurfs angeblicher Insidergeschäfte mit Telefónica-Aktien in die Schlagzeilen geraten. Über das Geschäft hatte die Zeitung "El Mundo" berichtet. Die Börsenaufsicht leitete daraufhin eine Untersuchung ein, die noch nicht abgeschlossen ist.

Die Aktien des Unternehmens hatten zeitweise stark an Wert verloren. Laut "Cinco Dias" haben die Kernaktionäre - die Großbank BBVA und die Sparkasse La Caixa - sowie seine engsten Mitarbeiter Villalonga vor einer Woche davon überzeugt, dass seine Situation "unhaltbar" sei. Der Top-Manager, der seit drei Jahren an der Spitze von Spaniens größtem Unternehmen steht, habe daraufhin "das Handtuch geworfen".

Bereits vor einigen Wochen sei dem 47-Jährigen angeboten worden, den Chefsessel bei Telefónica zu räumen und dafür seinen Posten als Präsident des Internetanbieters Terra Lycos zu behalten. Villalonga sei in Gedanken aber schon woanders. Als Signal für den bevorstehenden Rücktritt wertete die Zeitung, dass der Firmenboss diese Woche nicht wie erwartet an der Eröffnung einer bedeutenden Kunstausstellung in Brasilien teilnahm, die größtenteils von Telefónica finanziert worden war. An der Eröffnung hatte sogar Spaniens König Juan Carlos teilgenommen.