Disney Will Daten-Missbrauch verhindern

Der Entertainment-Riese will seiner Pleite-Tochter Toysmart.com aus der Patsche helfen. Diese steht wegen des geplanten Verkaufs von Kundendaten unter Anklage.

Boston - Die US-Aufsichtsbehörde Federal Trade Commission (FTC) hat am Mittwoch Anklage gegen Toysmart.com erhoben, weil der bankrotte Online-Spielzeughändler seine Kundendaten verhökern will.

Disney kündigte darauf hin an, die zum Verkauf angebotene Toysmart-Kundenliste erwerben zu wollen. Das soll ein Missbrauch der vertraulichen Nutzer-Daten verhindern, hieß es weiter.

Toysmart hatte im Mai seine Online-Pforten schließen müssen und seitdem versucht, die gesammelten Kunden-Informationen öffentlich zu verkaufen.

Die geplante Datenweitergabe hatte die Federal Trade Commission aufs Parkett, die auf die Verpflichtung zur Geheimhaltung persönlicher Kundendaten pocht und die Disney-Tochter verklagte. Toysmart hatte seinen Kunden sogar besonders sorgsamen Umgang mit persönlichen Informationen versprochen und mit dem Privacy-Gütesiegel "Trust-e" geworben.

Disney selbst ist nicht von der Anklage betroffen, der Unterhaltungs-Multi möchte aber dennoch mit der Behörde zusammenarbeiten, um die vertrauliche Behandlung der Daten zu gewährleisten. "Sollten wir die gerichtliche Ermächtigung zum Erwerb der Kundenliste erhalten, werden wir die Daten kaufen und nicht weitergeben", erklärte ein Sprecher des Konzerns.

Auch gegen das Sensations-Pleite-Unternehmen Boo.com waren jüngst Vorwürfe wegen Datenmissbrauchs erhoben worden. Die Online-Boutique hatte ihre Kundendaten jedoch bereits zu Geld gemacht, bevor die FTC ihre Ermittlungen aufnehmen konnte.

Jochen A. Siegle, Miami

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