UMTS Schon wieder eine neue Allianz

Drei Telekom-Konzerne haben eine Allianz zum Aufbau des Mobilfunk-Geschäfts der dritten Generation in Europa vereinbart: NTT Docomo, KPN mit seiner deutschen Tochter E-Plus und der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa.

London - Die Allianz soll sich auf Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Belgien sowie möglicherweise Italien erstrecken, teilte Hutchison in Hongkong mit. Die niederländische KPN und die japanische NTT würden sich an einer britischen Hutchison-Tochter beteiligen, die bereits eine UMTS-Mobilfunklizenz erworben hat. Gemeinsam wollen die Konzerne auch in den anderen Ländern für UMTS-Lizenzen bieten.

Im ersten Schritt der Kooperation verkauft Hutchison 35 Prozent seiner britischen Mobilfunk-Tochter 3G Hutchison UK Holding an die KPN Telecom und NTT Docomo für umgerechnet 6,3 Milliarden Mark. NTT Docomo will für einen 20-Prozent-Anteil an der 3G Hutchison umgerechnet 3,6 Milliarden Mark zahlen, während KPN 15 Prozent für umgerechnet 1,8 Milliarden Mark erwirbt. Die Erlöse sollen nach Angaben von Hutchison-Chef Li Ka Shing in die Entwicklung der UMTS-Mobilfunknetze fließen.

Auslöser der Zusammenarbeit ist nach Einschätzung von Analysten der hohe Aufwand für den Kauf von UMTS-Lizenzen und den anschließenden Aufbau der Netze dafür. Durch UMTS sollen Mobiltelefone voll multimedia- und internetfähig werden. In Großbritannien waren im April fünf UMTS-Lizenzen für umgerechnet rund 75 Milliarden Mark verkauft worden. Die Hutchison-Tochter 3G hatte sich dabei für etwa 14 Milliarden Mark eine Lizenz gesichert.

E-Plus pokert jetzt nicht mehr allein

Im Rahmen der Allianz wollen Hutchison und die deutsche KPN-Mobilfunktochter E-Plus ein gemeinsames Unternehmen gründen. Das neue Konsortium "E-Plus Hutchison" solle dann an der Ende Juli beginnenden Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland teilnehmen. Bei Erwerb einer Lizenz sei dann der gemeinsame Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes für den neuen Standard geplant. Anschließend wollen beide Partner konkurrierende Dienstleistungen hierfür anbieten. E-Plus zog seine eigenständige Bewerbung für eine deutsche UMTS-Lizenz zurück, um mit Hutchison zu bieten.

In Frankreich wollen die drei Partner ebenfalls bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen zusammenarbeiten. Gespräche mit möglichen französischen Partnern darüber laufen. In Belgien wollen Hutchison und KPN ein Bieterkonsortium für die dortige Lizenzversteigerung bilden. In Erwägung gezogen wird auch die Teilnahme an der UMTS-Auktion in Italien. KPN-Vorstand Drechsel sagte: "Angesichts unserer Angriffslust wäre ich überrascht, wenn wir in diesem Markt nicht daran teilnehmen würden."

NTT Docomo hatte bereits im vergangenen Monat für fünf Milliarden Euro 15 Prozent der Anteile von KPN Mobile erworben. Nicht zuletzt nach der Bildung der neuen europäischen Mobilfunkallianz erwarten einige Analysten, dass die Erlöse aus den UMTS-Auktionen in Deutschland und in den Niederlanden um etwa die Hälfte niedriger ausfallen könnten als erwartet. Das Investmenthaus Bear Stearns geht nun von UMTS-Lizenzkosten von etwas mehr als 80 Milliarden Euro für die Betreiber in ganz Europa aus. Zuvor hatten Analysten mit Gesamtkosten bis zu einer Größenordnung von 170 Milliarden Euro gerechnet.

Aktionäre reagieren nicht euphorisch

Die Aktien von Hutchison legten im Anschluss an die Ankündigung an der Börse in Hongkong deutlich zu und schlossen den Handel um 4,5 Prozent fester bei 115,00 Hongkong-Dollar. Die KPN-Aktie büßte dagegen bis zum Nachmittag 2,5 Prozent auf 48,67 Euro ein. Die Aktie von NTT Docomo gewann in Tokio 1,6 Prozent an Wert.

Analysten begrüßten den Schritt, kritisierten aber den hohen Kaufpreis für KPN und NTT Docomo für die Anteile an der Hutchison-Tochter. Dadurch werde die von 3G erworbene Lizenz ein Drittel höher bewertet als der Preis gewesen sei.

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