Allianz Aktionäre fordern Stellungnahme zu Bankenfusion

Ärger bei der Hauptversammlung: Aktionärsvertreter haben Konzern-Chef Henning Schulte-Noelle scharf kritisiert. Er soll sein Schweigen zu einer möglichen Fusion von Dresdner und Commerzbank brechen.

München - "Sie sind sicher alles andere als ein reiner Zuschauer, Herr Schulte-Noelle", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bei der Allianz-Hauptversammlung am Mittwoch. Der Konzern-Chef hatte zuvor angekündigt, die Fusionsgespräche auch weiter nicht zu kommentieren. Gleichzeitig warnte er vor einer Verzögerung der Steuerreform.

Auch die geplatzte Fusion von Deutscher und Dresdner Bank, von der die Allianz stark profitiert hätte, wurde von den Aktionärsvertretern kritisiert. "Bis jetzt war das Wort der Allianz Gesetz", erklärte Bergdolt. Alle Beteiligten hätten durch das Scheitern Schaden genommen.

Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre sagte: "Man kann kaum glauben, dass Sie sich so zurückgehalten haben, wie Sie behaupten, Herr Schulte-Noelle."

Schulte-Noelle mahnt Verabschiedung der Steuerreform an

Schulte-Noelle betonte, eine Fusion von Dresdner Bank, an der die Allianz knapp 22 Prozent hält, und Commerzbank müsse dem Interesse der Aktionäre gerecht werden. "Wir werden uns hierzu erst dann eine abschließende Meinung bilden, wenn wir alle denkbaren Optionen im einzelnen kennen und sie auf Realisierungsfähigkeit und Wertschaffungspotential überprüft haben."

Bis dahin werde die Allianz Gerüchte weiter nicht kommentieren. An gemeinsamen Verhandlungen sei der Konzern bisher nicht beteiligt gewesen.

Zugleich kündigte er an, dass der Versicherungsriese den Streubesitz-Anteil von derzeit über 50 Prozent erhöhen wolle.

Schulte-Noelle appellierte an die Parteien, die Steuerreform nicht zu zerreden oder zu verschleppen. Sie sei dringend erforderlich, um die Steuersätze auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau zu senken. Ohne die rasche Verabschiedung der Reform drohe dem Standort Deutschland nach innen und außen immenser Schaden.

Die geplante Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne sei steuersystematisch richtig, da nur beim vorgesehenen Halbeinkünfteverfahren Mehrfachbelastungen von Unternehmensgewinnen vermieden würden. Zudem sei sie ein "wesentlicher Anreiz zur längst überfälligen Entflechtung der Beteiligungsstrukturen in Deutschland".

Der Vorstands-Chef bekräftigte, dass sich der Versicherungsriese in Zukunft auf die Kerngeschäftsfelder Versicherung, Vorsorge und Vermögensverwaltung konzentrieren wolle. Im laufenden Geschäftsjahr plant die Allianz eine Ergebnissteigerung von zehn Prozent auf etwa 2,2 Milliarden Euro und eine Umsatzsteigerung von vier Prozent auf 56 Milliarden Euro.

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