Euro-Mitgliedsstaat Moody's stuft Sloweniens Bonität drastisch ab

Neuer Nackenschlag für die Euro-Zone: Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des Mitgliedslandes Slowenien um drei Stufen gesenkt. Manche Ökonomen erwarten, dass Slowenien zumindest Hilfe für seine angeschlagenen Banken beantragen wird.
Beschauliches Ljubljana: Die Idylle in Sloweniens Hauptstadt täuscht. Vor allem die Banken des Landes haben Probleme

Beschauliches Ljubljana: Die Idylle in Sloweniens Hauptstadt täuscht. Vor allem die Banken des Landes haben Probleme

Foto: TMN

New York - Die Bewertung sei von "A2" auf "Baa2" verringert worden, teilte Moody's mit. Damit ist das Land nach Einschätzung der Experten nur noch zwei Stufen oberhalb des "Ramsch"-Status angesiedelt. Ab der Einstufung "Ba1" werden Anleihen nicht mehr als Investment empfohlen, sondern gelten als spekulative Anlage. Weitere Abstufungen sind möglich, da die Agentur den Ausblick auf "Negativ" beließ.

Als Hauptgrund nannten die Experten die faulen Kredite slowenischer Banken in Milliardenhöhe, für die der Steuerzahler wird geradestehen müssen. Zudem führt Moody's für die Herabstufung die jüngst massiv gestiegenen Renditen slowenischer Staatsanleihen an.

Die slowenische Regierung habe mit höheren Refinanzierungskosten und einem beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten zu kämpfen, während die einheimischen Banken immer stärker auf Liquidität seitens der EZB angewiesen seien. Schließlich verschärfe das schwache Wirtschaftswachstum die Budgetsituation.

Experten erwarten Hilfsantrag für angeschlagene Banken

Konkret bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die drei größten Banken des Landes, Nova Ljubljanska Banka (NLB), Nova Kreditna banka Maribor (NKBM) und Abanka Vipa eine staatliche Kapitalspritze im Umfang von 2 bis 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) benötigen werden. Abgesehen davon bekomme die Regierung des Budgetdefizit nicht in den Griff, es dürfte im gegenwärtigen Jahr trotz strikter Sparmaßnahmen mit 3,5 Prozent des BIP wieder über der Maastricht-Grenze liegen.

Wirtschaftsexperten rechnen nicht mehr damit, dass Slowenien seine Finanzprobleme aus eigener Kraft in den Griff bekommt. So betonte der angesehene slowenische Ökonom Joze P. Damijan kürzlich, dass Slowenien nur noch die Wahl habe, ob es als Ganzes unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfe oder nach dem Vorbild Spaniens zunächst nur um EU-Bankenhilfe ersuche. Damijan schätzt die faulen Kredite bei den slowenischen Banken auf sechs bis acht Milliarden Euro.

Die Bereinigung dieser Altlasten würde das slowenische Budgetdefizit auf 20 bis 28 Prozent des BIP explodieren lassen, die Renditen slowenischer Staatsanleihen würden dann auf mehr als 12 Prozent steigen. "Das sind Zinsen, die kein Staat mittelfristig finanzieren kann, erst recht nicht langfristig. Slowenien müsste in diesem Fall nach dem Beispiel Griechenlands, Irlands, Spaniens und Portugals um EU-Hilfe bitten."

rei/dpa-afx
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