FBI Schnüffelsystem beunruhigt Internet-Provider

Ein neues FBI-System kann Millionen von E-Mails pro Sekunde auf Botschaften von Verdächtigen in Kriminalfällen durchsuchen. Theoretisch könnte die US-Regierung damit die gesamte Daten-Kommunikation der Websurfer aushorchen.

Princeton - Das System heißt Carnivore, "Fleischfresser" - wegen seiner Fähigkeit, "das Fleisch" aus einer ansonsten unüberschaubaren Datenmenge heraus zu filtern, berichtet die Online-Ausgabe des "Wall Street Journal". Vor zwei Wochen hat das FBI das System einer Expertenrunde aus der IT-Industrie in Washington vorgestellt, heißt es in dem Bericht.

Angeblich ermöglicht Carnivore den Ermittlern, das Ziel eines "Lauschangriffs" so zu bestimmen, dass nur die E-Mail und Datenkommunikation einer ganz bestimmten Person aus Millionen anderer Botschaften herausgefiltert wird.

Das System beunruhigt dem Bericht zufolge Internet Provider, denn Carnivore wird bei seinem Einsatz direkt in die Netze der Unternehmen eingeklinkt. Das gäbe der US-Regierung theoretisch die Möglichkeit, die gesamte Datenkommunikation der Internet-Nutzer - von E-Mail bis hin zu Online-Banktransaktionen - zu überwachen.

Davon abgesehen beunruhigt die Internet Provider die Vorstellung, fremde Software in ihre Systeme eingespielt zu bekommen. Derzeit verfügt das FBI über 20 Carnivore-Systeme, sagte Marc Thomas, Chef der Cyber Technology Section an der FBI-Akademie in Quantico im Gespräch mit "WSJ Interactive".

In der Regel wird das System in einem verschlossenen Käfig im Gebäude des Internet Providers untergebracht. FBI-Agenten überprüfen dann täglich die so gewonnenen Daten.

In den letzten 18 Monaten habe das FBI Carnivore für den "Objektschutz" ebenso wie für die Jagd auf Hacker und Maßnahmen zur Bekämpfung von Terrorismus und Drogenhandel verwendet. Es sei in weniger als 100 Fällen eingesetzt worden, hieß es.

Die FBI-Experten räumten dem Bericht zufolge ein, dass die Überwachungsmöglichkeiten von "Carnivore" durch starke Verschlüsselungstechnologien eingeschränkt werden können. Die E-Mail-Botschaften könnten dann zwar nach wie vor abgefangen werden, aber die Ermittler, die sie lesen wollten, seien dann davon abhängig, wie gut sie verschlüsselt wurden, sagte Software-Fachmann Thomas.

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