Kurssprung nach Zahlen Infineon-Aktie steigt mehr als 10 Prozent

Infineon muss sparen und kappt dafür seine Investitionen - im Grunde eine schlechte Nachricht. Überraschend steigende Umsätze und dass der Konzern seine Prognose bestätigt, stimmen die Investoren aber versöhnlich. Die Aktie zieht kräftig an.
Infineon Dresden: Chips für die Autoindustrie und Sicherheitschips sind gefragt

Infineon Dresden: Chips für die Autoindustrie und Sicherheitschips sind gefragt

Foto: Infineon

München - Die Aussicht auf einen Sparkurs bei Infineon hat die Anleger am Dienstag doch noch bei den Aktien des Halbleiterkonzerns zugreifen lassen. Die Papiere setzten sich mit einem Plus von zeitweilig mehr als 10 Prozent an die Spitze des Dax , nachdem sie im fühen Handel zunächst deutlich im Minus gelegen hatten. Mit 6,10 Euro markierte die Aktie den höchsten Stand seit mehr als fünf Wochen.

"Nach der ersten Enttäuschung über den Gewinnrückgang setzen die Anleger nun offenbar auf den angekündigten Sparkurs des Konzerns", sagte ein Börsianer. Infineon  hatte bei der Vorlage der Zahlen mitgeteilt, die Investitionen würden im kommenden Geschäftsjahr (ab Oktober) "deutlich reduziert". Ihre Hoffnungen richteten die Investoren zudem auf das vierte Quartal. "Die Anleger setzen darauf, dass das nächste Quartal besser als bislang gedacht ausfallen könnte", sagte ein Händler.

Infineon hat seinen Investitionsplan für das kommende Geschäftsjahr gekappt und will damit in der Euro-Schuldenkrise seine schrumpfende Marge stabilisieren. Unter anderem Abschreibungen und Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei Autochips hatten im vergangenen dritten Geschäftsquartal (Ende Juni) den Überschuss unerwartet kräftig einbrechen lassen.

Der Umsatz blieb hingegen stabil, teilte das Unternehmen mit. Den Ende Juni gesenkten Ausblick für den Rest des Jahres bestätigte der Vorstand. "Wo wir sparen können, sparen wir jetzt", sagte der wegen einer Krankheit Ende September scheidende Vorstandschef Peter Bauer. So will Infineon seine Margen auch bei verhaltener Umsatzentwicklung sichern.

Seit Juli der Konzern keine neuen Mitarbeiter mehr ein. Zudem wurden eigentlich für das kommende Geschäftsjahr geplante Investitionen "deutlich reduziert" und dürften im Jahresvergleich "deutlich sinken." Der Vorstand prüfe zudem "zusätzliche Maßnahmen", hieß es. Weitere Details nannte das Unternehmen nicht. Zugleich wolle Infineon aber auch weiterhin auf eine steigende Nachfrage vorbereitet sein. "In den Bereichen Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit sind die positiven Trends weiterhin intakt", sagte Bauer.

Nachfrage der Autobauer nach Chips auf hohem Niveau

Der Gewinn im mit Abstand wichtigsten Geschäft mit Autochips litt zwar deutlich unter höheren Ausgaben für Fertigung, Forschung und Entwicklung, dafür stieg der Umsatz noch leicht. Deutsche und koreanische Autobauer hätten weiterhin auf einem hohen Niveau nachgefragt. Auch Japan und Nordamerika hätten sich freundlich entwickelt. Für das laufende vierte Quartal rechnet Infineon mit einem "saisonalen Rückgang". Infineon hilft es, dass gerade bei den teureren hochklassigen deutschen Automodellen viele Chips verbaut werden.

Bei Chips für das elektronische Energiemanagement sieht Infineon eine schwächere Nachfrage bei dem eigentlich boomenden Segment der Smartphones. Zudem werde Mobilfunkinfrastruktur weniger nachgefragt.

Die größte Dynamik nach oben gab es bei den Sicherheitschips, wie sie etwa in Ausweisen, Reisepässen oder Bezahl-Karten stecken. Das Ergebnis des Segments legte von 14 auf 18 Millionen Euro zu. Der Umsatz werde im laufenden Quartal aber leicht zurückgehen.

Konzerumsatz steigt überraschend an

Der Konzernumsatz zwischen April und Juni stieg überraschend von 986 Millionen Euro im Vorquartal noch leicht auf 990 Millionen Euro. Bei Halbleiterherstellern ist wegen der schwankenden Preise der Vergleich mit dem Vorquartal üblich.

Das wichtige Segmentergebnis, das die betriebliche Entwicklung widerspiegeln soll, fiel von 144 Millionen auf 126 Millionen Euro. Die Marge fiel damit von 14,6 auf 12,7 Prozent. Im Durchschnitt will Infineon bei dieser Kennzahl eigentlich 15 Prozent erreichen.

Unter dem Strich schrumpfte der Gewinn von 111 Millionen im Vorquartal auf 82 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem weniger starken Einbruch gerechnet.

Schuldenkrise: Bedeutung Europas nimmt ab

Der Umsatzanteil Europas schrumpfte im Vergleich zum Vorquartal um 4 Prozentpunkte auf 43 Prozent. Auch die Bedeutung des Heimatmarktes sank: Deutschland steht nur noch für 22 Prozent der Erlöse und damit zwei Prozentpunkte tiefer. Die Kunden in den asiatischen Ländern wurden hingegen noch wichtiger für die Münchner.

An der gesenkten Umsatz- und Gewinnprognose hielt Infineon fest. Demnach erwartet der Konzern im Geschäftsjahr 2011/2012 (Ende September) einen Umsatzrückgang von 4,0 Milliarden auf annähernd 3,8 Milliarden Euro und einen Gewinnrückgang von 789 Millionen auf eine Größenordnung von etwa 500 Millionen Euro. Für das laufende vierte Quartal rechnen die Münchner mit im Vergleich zum Vorquartal etwa konstanten oder leicht rückläufigen Umsätzen und einer Marge von etwa 12 Prozent.

rei/dpa/rtr
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