Donnerstag, 22. August 2019

Anlagegurus Leuchtturm für alle

Warren Buffett: Nicht ein Händchen für den Pingpongschläger

Es gibt gute Investoren - und Investoren von Weltruf. Warren Buffett ist ein Beispiel, immerhin ist er seit Jahrzehnten als Aktienanleger erfolgreich. Selten wurde auf seine Worte so gehört wie in der aktuellen Krise.

Hamburg - Die Welt der Investoren ist eine verschrobene. Es geht um Zahlen, um Kennziffern, um Relationen. Menschen finden erst in zweiter Linie statt. Und doch sind es Menschen, an denen sich andere orientieren.

Denn einige haben so etwas wie eine Leuchtturmfunktion. So wie die Seeleute früher nach den Leuchtfeuern ausschauten, blicken Anlegen heute zu den Koryphäen des Fachs auf. Warren Buffett ist so ein Beispiel. Immer, wenn sich der Mai jährt, pilgern Zehntausende nach Nebraska, stehen in der Dämmerung vor dem Konferenzzentrum, bis dessen Türen öffnen - und sie Buffett auf der Hauptversammlung seines Innvestmentvehikels Berkshire Hathaway sprechen hören können.

Es sind Hausfrauen ebenso wie Hedgefondsmanager. Alle suchen sie nach Erkentnissen, die Buffett regelmäßig liefert. "Er kommuniziert gut und gerne", sagt Fondsmanager und Vermögensverwalter Hendrik Leber von Acatis auf Anfrage. Er selbst war bei vielen dieser Treffen dabei. "Und er teilt seine Erfolgsrezepte freigiebig mit allen, die zuhören möchten - das ist ungewöhnlich. Außerdem gibt er einen großen Teil seines Vermögens für gute Zwecke aus, ohne dies mit seinem Namen oder Ego zu verbinden - das is selbstlos."

Mischung aus Popkonzert und Gottesdienst

Eine Mischung aus Popkonzert und Gottesdienst, die von seinen Anhängern daher "Woodstock für Kapitalisten" genannt wird. Auf den Stühlen liegen schon einmal Lollies der Firma See's Candy, einer Beteiligung von Berkshire Hathyaway. Daneben der Hinweis, mit dem Verzehr doch bitte zu warten, bis Buffett dazu auffordert - und nicht den des Nachbarn zu verspeisen. Man mag darüber lächeln.

Doch die Erfolge von Warren Buffett als Anleger überstrahlen solche Schrulligkeiten bei Weitem. Das Vermögen des Investors wurde Mitte 2006 auf rund 43 Milliarden Dollar geschätzt, kurz danach spendete er einen großen Teil an verschiedene Stiftungen. Außerdem ist Buffett Freund offener Worte - Finanzderivate beispielsweise bezeichnete er als "Massenvernichtungswaffen".

Buffett selbst nennt eine andere Ikone als Vorbild.

Benjamin Graham gilt als der geistige Vater der Value-Anlage. Jede Anlage, so sein Credo, sollte mit einem Sicherheitsabschlag gekauft werden. Damit verlören auch Börsenschwankungen ihren Schrecken. Im Gegenteil - wer Aktien in einer Krisenphase kauft, der kann sie mit Gewinn verkaufen, auch wenn die Börse nicht gerade eine Phase des Hochflugs erlebt.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung