Lehman Brothers Analysten raten deutsche Bankentitel zu "untergewichten"

"Deprimierenden Aussichten für Anleger" sieht das US-Investmenthaus für die vier im Dax gelisteten Großbanken. Lediglich die Deutsche Bank erhält von den Analysten gute Noten.

London - In einer Studie zum deutschen Bankensektor stuft Lehman Brothers den Gesamtsektor mit "Untergewichten" ein.

Das US-Investmenthaus sieht allerdings sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Instituten:

Die Deutsche Bank wird mit "Outperform", die Dresdner Bank und die Commerzbank mit "Neutral" und die HypoVereinsbank mit "Underperform" eingestuft. Sollten die Fusions-Gespräche zwischen Dresdner Bank und Commerzbank scheitern, werde auch die Commerzbank auf "Underperform" gestuft, so die Analysten.

Grund für die negative Sektor-Einschätzung sind die "deprimierenden Aussichten für Anleger", so Lehman. Trotz der Zersplitterung werde der deutsche Bankenmarkt nicht vom Branchentrend der "Gesundschrumpfung" profitieren können.

Die Gewinne im Bankensektor werden den Lehman-Analysten zufolge hauptsächlich vom Investment-Banking erzielt. Hier sei bei keiner Bank außer bei der Deutschen Bank abzusehen, dass das derzeitige Gewinn-Niveau aufrecht erhalten werden könne. Positive Einflüsse aus der Steuerreform seien unterdessen eingepreist. Hier sei nur noch entscheidend, wie die Banken ihre Erlöse aus dem Verkauf von Beteiligungen verwenden werden.

Die Fusion von Dresdner und Commerzbank wird von Lehman Brothers sehr skeptisch beurteilt. Es sei nicht ersichtlich, wie hier Wert erzeugt werden soll. Die Fusion bringe keine Vorteile für das neue Institut, weder auf heimischer noch europäischer Ebene und ebenso nicht für das wichtige Geschäftsfeld Investment-Banking.

Für Commerzbank-Aktionäre folge zusätzlich eine Verwässerung ihres Gewinns pro Aktie. Auch preise der Markt bereits das bestmögliche Ergebnis der Fusion mit ein, so dass ein Scheitern der Gespräche zwangsläufig zu einer Überbewertung der Commerzbank-Aktien und der Einstufung mit "Underperform" führe.

Umgekehrt könne sich ein Scheitern positiv für die derzeit eher "billige" Dresdner Bank auswirken, so dass die Aktie dann auf "Trading Buy" eingestuft werden würde.

Die Position der Deutschen Bank wird von Lehman als "superior" bezeichnet. Grund dafür sei die gelungene Zusammensetzung der Gewinne und das starke Investment-Banking. Sobald die konkrete Form der Steuerreform feststehe, könne die Deutsche Bank ihre Erlöse aus dem Verkauf der Beteiligungen dazu nutzen, Aktien-Rückkaufprogramme zu starten. In Folge dessen stufen die Analysten die Aktie als ihre "bevorzugte Aktie" ein.

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