KarstadtQuelle Will sich Urban bei Metro bedienen?

Während noch spekuliert wird, ob die Metro ihre SB-Häuser an Wal-Mart oder Tesco verkauft, macht sich Karstadt-Warenhaus-Chef Wolfgang Urban schon Gedanken über den verbleibenden Rest. Er will Kaufhof und angeblich Media-Saturn übernehmen.

Essen - Urban lasse Pläne ausarbeiten, die letztlich auf die Zerschlagung und Übernahme der Metro-Tochter Kaufhof und einen Kauf oder einen Mehrheitserwerb des Metro-Elektronikhändlers Media-Saturn durch KarstadtQuelle hinauslaufen.

Das behaupten enge Vertraute aus dem Umfeld des Karstadt-Chefs sowie ein Manager der Wal-Mart-Zentrale in Wuppertal. Demnach hat Urban zwei Arbeitsgruppen gebildet, die seit eineinhalb Monaten Übernahme-Szenarien ausbrüten. In den Gruppen sind nur ganz wenige Top-Manager der Karstadt-Konzernstrategie eingebunden, heißt es. Urban hat angeblich nicht einmal KarstadtQuelle-Chef Walter Deuss eingeweiht.

Das erste Projekt sieht angeblich vor, dass die Karstadt Warenhaus AG sich ein Dutzend gut laufende Großstadt-Kaufhäuser einverleibt; auf Urbans Wunschliste stehen unter anderem die Galeria-Kaufhof-Einkaufstempel am Berliner Alexanderplatz, an der Hohen Straße in Köln und an der Düsseldorfer Königsallee. Zusätzlich würde der Karstadt-Chef gern 20 bis 30 Kaufhof-Häuser in Mittelzentren und anderen Großstädten übernehmen (s.Liste).

Für weniger rentable Häuser ist kein Platz im Konzept: Wenn es nach dem Wunsch von Urban geht, wird die Metro 30 bis 60 Prozent der wenig rentablen Kaufhof-Filialen an die Metro/Deutsche-Bank-Tochter Divaco veräußern. Und den renditeschwachen Karstadt-Häusern und einigen großen Hertie-Filialen, die den feinen Galeria-Häusern zu dicht auf die Pelle rücken, droht das Aus: Urban will angeblich sogar das Hertie-Haus auf der Frankfurter Zeil schließen lassen.

Noch völlig ungeklärt ist scheinbar die Frage, ob Kaufhof-Immobilien in den Besitz der Essener wandern: Die Metro hat erst kürzlich ihre Immobilien in einer eigenständigen Gesellschaft gebündelt. Wahrscheinlich müßte die Karstadt Warenhaus AG daher die Häuser und Grundstücke weiterhin von der Metro AG (oder einer Metro-Tochter) mieten.

Das Projekt wäre aus Experten- und Börsensicht durchaus sinnvoll. Die Metro päppelt seit Jahren ihre Warenhaus-Tochter Kaufhof für eine Hochzeit auf. Das Kaufhof-Management unter Lovro Mandac, Wolfgang Kraus und Hans-Peter Lendzion hat es geschafft, die Umsatzrendite von etwa einem Prozent mehr als zu verdreifachen.

Das neue Galeria-Konzept von Kaufhof und ein ebenfalls neues Themenhaus-Konzept von Karstadt weisen zudem Parallelen auf. Die Häuser von Kaufhof und Karstadt gleichen sich äußerlich immer stärker an. Überdies soll die Arbeitsgruppe von Urban angeblich herausgefunden haben, dass das Kartellamt für den Deal grünes Licht geben würde, falls in einigen Städten Auflagen erfüllt würden. Beispielsweise müßten bestimmte Häuser verkauft oder geschlossen werden.

Urban hat seine Rechnung ohne den Wirt gemacht

Das zweite Projekt sieht den Kauf oder den Mehrheitserwerb der lukrativen Media-Saturn-Gruppe der Metro durch KarstadtQuelle vor.

Urban versucht derzeit angeblich die Schickedanz-Familie für das Projekt zu erwärmen. Sie hält 47,7 Prozent an KarstadtQuelle und füllt derzeit durch den Verkauf der Entrium-Direktbank ihre Kassen. Urbans Kaufargument: Karstadt kann eine internationalisierbare Elektronik-Sparte gut gebrauchen; sie könnte beim Internet-Handel mit Tonträgern mit der Konzerntochter World of Music (WOM) fusioniert werden.

Bislang scheint Urban seine Rechnung allerdings ohne den Wirt gemacht zu haben: Er müßte seine Projekte bei seinem Vorgesetzten Deuss und vor allem bei der Metro durchsetzen. Das dürfte nicht einfach werden. Der KarstadtQuelle-Chef Deuss läßt Urban erfahrungsgemäß auflaufen; er weiß, dass dieser lieber heute als morgen seinen Platz einnehmen würde.

Und Metro-Oberaufseher Erwin Conradi hatte Urban noch vor zwei Jahren Inkompetenz nachgesagt, als dieser frustriert von der Metro zu Schickedanz und dann zu Karstadt gewechselt war. Zudem hat die Metro-Mitbesitzerin Haniel angebliche Verkaufsabsichten wiederholt dementiert.

Immerhin werden Urban jedoch hervorragende Beziehungen zum Schickedanz-Clan und zur Metro AG nachgesagt. Und das schwierige Verhältnis zwischen Urban und Conradi soll sich inzwischen entspannt haben. Urbans Anwälte sollen mit dem Metro-Aufseher sogar schon Sondierungsgespräche geführt haben.

Die Media-Märkte und Hansa-Saturn-Läden gelten allerdings als Perlen, an denen neben KarstadtQuelle auch viele andere Unternehmen Interesse haben dürften. Billig wären die Elektronik-Ketten nicht zu haben - sofern die Kartellwächter überhaupt einen Deal mit den Essenern genehmigen würden.

Unternehmens-Sprecher dementieren sehr energisch

Die Existenz geheimer Übernahmepläne wird vom Unternehmen bestritten. Karstadt-Sprecher Elmar Kratz und KarstadtQuelle-Sprecherin Armgard von Burgsdorff bezeichnen die Informationen von manager magazin online als "frei erfunden" und "absoluten Blödsinn". Es gebe weder geheime Arbeitsgruppen noch konspirative Pläne. Und die Metro will sich "zu Gerüchten grundsätzlich nicht äußern".

Oliver Fischer

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