Pleitewelle Dotcoms stürzen weiter ab nach Platows Todesliste

Internet-Aktien brechen am Neuen Markt erneut ein. Sie reagieren damit weiter auf die Platow-Todesliste. Diese nennt acht Web-Firmen, denen schon bald die Luft ausgehen könnte - darunter Artnet, Cybernet und Ebookers.

Frankfurt am Main - Der Börsen-Brief hatte am Freitag nach dem Vorbild des US-Anlegermagazins "Barron's" eine Liste mit acht Internet-Firmen veröffentlicht, die nach Meinung der Analysten innerhalb der nächsten 24 Monate Pleite gehen könnten.

Dem "Grad der Gefährdungsstufe" nach listet der "Platow Brief" folgende Firmen auf:

Gigabell
Cybernet
Fortunecity.com
Musicmusicmusic
Artnet.com
Ebookers.com
Ricardo.de
Buch.de


Schussfahrt geht weiter

Zu den am stärksten gefährdeten Unternehmen zählt Platow zufolge Cybernet Internet Services. Der Titel brach am Montag bis gegen 16 Uhr um minus 16,7 Prozent ein auf 3,90 Euro. Der finanzielle Garaus droht Platow zufolge auch dem Internet-Kunsthändler Artnet.com, Fortunecity und Ricardo.de: Artnet.com verloren am Montag bis gegen 16 Uhr 16,5 Prozent auf 4,05 Euro. Fortunecity sackten ab um 12,7 Prozent auf 5,50 Euro. Ricardo.de verloren um minus 6,5 Prozent auf 39 Euro (Für aktuelle Kursstände vergleichen Sie die clickbaren Charts am Ende des Textes).

Platow hatte sich eine Studie der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) zum Vorbild genommen, der zufolge acht Unternehmen am Neuen Markt der Bankrott droht. Während PwC die Namen der potenziellen Pleite-Kandidaten für sich behielt, preschte Platow mit konkreten Firmennamen vor.

Die aktuelle PwC-Studie setzt die jüngste Serie von Berichten über die sogenannte "Cash-Burn-Rate" (Rate des verbrannten Geldes) von Internet-Unternehmen fort, die zu einem schnellen Aus vieler Internet-Start-ups führen dürfte. Diese Rate gibt an, welchen Verlust ein Unternehmen bei jeder Mark Umsatz erzielt.

Nach den Berechnungen des "Platow Brief" ist bei diesem Kriterium im ersten Quartal 2000 Musicmusicmusic mit einer Kapital-Verbrennung von 7 der "Spitzenreiter" am Neuen Markt. Das bedeutet, dass das Unternehmen jede Umsatzmark in dem Zeitraum mit sieben Mark Verlust erkaufen musste.

Gigabell mit Übernahmefantasie im Aufwind

Allerdings scheine Musicmusicmusic - aufgrund vom im Vergleich zu den Liquiditätsreserven geringen Verbindlichkeiten - derzeit nicht am akutesten gefährdet. Die Aktie gewann am Montag bis gegen 16 Uhr im Xetra-Handel um 13,7 Prozent auf 2,98 Euro - nachdem allerdings im laufenden Jahr bereits bis zu 12,90 Euro für den Titel bezahlt wurden.

Am stärksten gefährdet sieht Platow den Internet-Dienstleister Gigabell, dessen Finanzmittel innerhalb der vergangenen drei Monate um 6,5 Millionen Mark auf nur noch 2,5 Millionen Mark zusammengeschmolzen seien. Dies stehe wiederum in keinem Verhältnis zu den aufgelaufenen Verbindlichkeiten von 30 Millionen Mark. Im ersten Quartal hätten dabei die Verluste mit 10 Millionen Mark nahezu das Umsatzniveau von 10,9 Millionen Mark erreicht.

Allerdings kamen bei Gigabell gleichzeitig umfangreiche Übernahme-Spekulationen auf - zuletzt wurden Tiscali oder Celia als Interessenten genannt. Bei äußerst hektischen Handel mit einer bisherigen Tagesschwankung zwischen 29,74 Euro und 24,50 notierten Gigabell im Xetra-Handel bis gegen 16 Uhr um 9,3 Prozent höher auf 27 Euro.

Buch.de und Ebookers.com: Börse ignoriert Dementis

Buch.de und Ebookers.com, die ebenfalls auf der Todesliste auftauchen, haben die von dem Börsenbrief vermuteten Liquiditäts-Probleme unterdessen dementiert. An der Börse nutzte ihnen das wenig: Buch.de verloren bis Montag nachmittag rund zehn Prozent auf 3,95 Euro. Ebookers.com brachen um 17,7 Prozent ein auf 6,20 Euro.

Die vom "Platow Brief" aufgestellte Liste sei durchaus als realistisch anzusehen und könnte der Liste von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sehr nahe stehen, kommentierte unterdessen ein Frankfurter Händler. Platow selbst hatte erklärt, vieles spreche dafür, dass die eigene Liste "exakt die Namen enthält, die auch PwC auf der 'Todesliste' hat".

Die meisten der genannten Firmen gehörten bereits seit längerem auf der Liste der Wackelkandidaten, erklärte der Händler weiter. Dabei hege er die meisten Zweifel darüber, ob die jeweiligen Geschäftsmodelle mittel- bis langfristig überhaupt Gewinne versprechen. Bei anderen Unternehmen wie Buch.de fehle einfach die kritische Größe, so der Händler. Insgesamt spiegelten allerdings die Kursverläufe der meisten Kandidaten die Marktmeinung bereits wieder: Die erwähnten Aktien seien in den vergangenen Monaten in den freien Fall übergegangen.

Zu den Charts:

Gigabell (Chart)
Cybernet (Chart)
Fortunecity.com (Chart)
Musicmusicmusic (Chart)
Artnet.com (Chart)
Ebookers.com (Chart)
Ricardo.de (Chart)
Buch.de (Chart)