Montag, 22. April 2019

Girokonten Studie rügt hohe Zinsen für Dispokredite

Karte eines Girokontos: Für die Überziehung verlangen Banken zu hohe Zinssätze, urteilt eine Studie

Zinsen von bis zu 18 Prozent verlangen Banken für die Überziehung von Konten. Das ist zu viel, urteilen die Autoren eines Gutachtens. Auch bei niedrigeren Zinssätzen könnten die Banken profitabel arbeiten. Verbraucherschützer fordern Obergrenzen.

Berlin - Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) präsentiert heute eine Studie zur Höhe der Dispokredit-Zinsen deutscher Banken. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" kommt der 254-seitige Bericht zu dem Ergebnis, dass die Zinsen deutlich zu hoch sind.

Die Experten des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung und des Instituts für Finanzdienstleistungen schreiben in ihrem gemeinsamen Gutachten, dass "die Erträge aus dem Dispokreditgeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut für dieses einzelne Produkt entstehen, deutlich übersteigen". Das Extra-Geld werde "zur Quersubventionierung anderer Leistungen oder zur Gewinnsteigerung verwendet".

Verbraucherschützer kritisieren seit langem, dass Banken und Sparkassen von ihren Kunden hohe Dispozinsen kassieren, obwohl sie sich zu historisch günstigen Zinskonditionen Geld beschaffen können. Nach jüngsten Angaben der Stiftung Warentest werden derzeit im Schnitt zwischen 10 und 11 Prozent Zinsen für das Überziehen des Girokontos berechnet. Extrem hohe Sätze von 14 Prozent und mehr seien inzwischen nicht mehr so verbreitet wie vor einigen Zeit. Dennoch fordern Verbraucherschützer als Konsequenz gesetzliche Obergrenzen.

Von der Möglichkeit des unkomplizierten Kleinkredits machen Bankkunden in Deutschland rege Gebrauch. Fast jeder vierte Verbraucher (24 Prozent) hat in diesem Jahr laut einer Umfrage Instituts Forsa für das Bundesverbraucherministerium schon sein Girokonto überzogen, wie das "Hamburger Abendblatt" (Donnerstag) berichtet. 80 Prozent der Befragten halten die Höhe der Dispozinsen demnach insgesamt für unangemessen hoch.

Studie widerlegt Argumente der Banken

Laut einer Erhebung der Stiftung Warentest verlangen die deutschen Banken durchschnittlich 12,4 Prozent Zins für Dispokredite. Spitzenreiter bei der letzten Erhebung der Stiftung im Herbst 2011 war eine Bank mit 18,25 Prozent. Die Experten kommen in ihrem Gutachten jetzt zu dem Ergebnis, dass die Banken auch mit einem Zinssatz von höchstens zehn Prozent profitabel arbeiten könnten.

Die beiden Institute widerlegen laut "SZ" auch die Argumente der Banken. Diese rechtfertigen ihre Zinsen gerne mit hohen Kosten für die Abwicklung der zumeist kleinen Kredite - und mit dem vermeintlich großen Ausfallrisiko. Die Studie zeigt, dass beides nicht stimmt.

So belegen die Forscher, dass die Ausfallquote der Dispokredite mit durchschnittlich 0,3 Prozent außerordentlich niedrig ist, bei normalen Konsumentenkrediten liegt sie bei 2,5 Prozent. Außerdem habe sich der Bearbeitungs- und Verwaltungsaufwand für die Kredite in den vergangenen Jahren nicht erhöht, schreiben die Experten.

Laut Studie summieren sich die Dispokredite der Deutschen aktuell auf mehr als 40 Milliarden Euro, das sind 500 Euro pro Bürger.

wed/rtr/dpa

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