Metro Haniel will an Metro festhalten

Aktionärin Haniel hat eine Bereitschaft zum Verkauf ihrer Metro-Anteile dementiert. Weder Wal-Mart noch Tesco seien an sie herangetreten. Analysten bringen jetzt Toom von der Rewe als denkbaren Übernahmekandidaten für Wal-Mart ins Gespräch.

Düsseldorf - Sie stehe weiterhin zu dem Engagement an dem größten deutschen Einzelhandelskonzern, teilte die Duisburger Haniel & Cie GmbH mit. Das Unternehmen der Haniel-Familie, Otto Beisheim und die Familie Schmith-Ruthenbeck halten je ein Drittel der Anteile an der Metro Holding im schweizerischen Baar. Diese wiederum ist zu rund 60 Prozent an der Metro AG in Düsseldorf beteiligt (s. Grafik).

Eine Haniel-Sprecherin reagierte mit dem Metro-Bekenntnis auf Medienberichte, die unterstellen, dass das Unternehmen an den amerikanischen Handelsriesen Wal-Mart verkauft werden könnte. Andere Gerüchte baupteten, die britische Tesco könnte die großflächigen Real-Märkte des Düsseldorfer Handelsriesen übernehmen.

An Haniel sei niemand mit Kaufanfragen herangetreten, teilte das Unternehmen jetzt mit. Das gleiche treffe für die britische Tesco zu. Ein Sprecher des Konzerns sagte, er könne nur die Aussage des Metro-Vorstandsvorsitzenden Hans-Joachim Körber wiederholen, dass es keine konkreten Gespräche mit Wal-Mart gebe.

Dem US-Konzern wird zum einen Interesse an Metros Lebensmittelsparte nachgesagt - den SB-Warenhäusern Real und den Extra-Verbrauchermärkten, die für ein Viertel des gesamten Umsatzes stehen, aber wenig rentabel sind. Zum anderen soll Wal-Mart auch eine Komplettübernahme der Metro erwägen, die neben dem angestammten Abholgroßhandel noch Elektro- und Baumärkte (Media Markt/Satur, Praktiker) sowie die Kaufhof-Warenhäuser umfasst.

In Deutschland ist Wal-Mart bislang nur mit knapp 100 ehemaligen Wertkauf- und Intersparmärkten vertreten und hat damit einen Marktanteil von lediglich 1,5 Prozent. Den von der "Lebensmittel-Zeitung" genannten angeblichen Gesamtkaufpreis von bis zu 21 Milliarden Dollar dürfte den kapitalstarken US-Konzern vor keine Probleme stellen.

Analysten glauben nicht an baldigen Ausverkauf

Analysten wie Klaus Becker von der Commerzbank halten es für unwahrscheinlich, dass die Metro-Aktionäre das Unternehmen als Ganzes oder in Einzelteilen sehr bald verkaufen. Bei einer Veräußerung fiele ein steuerpflichtiger Gewinn an, erläutert Becker gegenüber manager magazin online; die Höhe dieser Steuern dürfte aber voraussichtlich nach der Umsetzung der Steuerrefom im Jahr 2001 oder 2002 sinken.

Dass die Metro irgendwann einzelne Bestandteile abstößt, hält aber auch Becker für sehr wahrscheinlich. Die Verkaufserlöse einzelner Vertriebstypen brächten das Unternehmen in die Lage, seine lange angekündgte Expansion voranzutreiben.

Überdies erwarteten die Metro-Aktionäre, dass der verzettelte Handelsriese sich endlich stärker auf sein ehemaliges Kerngeschäft konzentriert, das inbesondere im Bereich von Großhandelsmärkten (Cash+Carry) liegt. Einige Vertriebslinien wie Kaufhof oder Praktiker-Baumärkte passen ganz und gar nicht in dieses Konzept.

Hat Wal-Mart Interesse an Toom-Häusern der Rewe?

Die SB-Warenhäuser der Marke Real sind indes gar nicht so weit entfernt vom Metro-Kerngeschäft; ihr Verkauf dürfte, entgegen den derzeit laufenden Spekulationen, nicht ganz oben auf der Tagesordnung stehen, glaubt Becker. Für den kauffreudigen US-Riesen Wal-Mart könnte es somit angemessen sein, vorerst andere Händler auf seiner Einkaufsliste zu notieren als die SB-Verkäufer der Metro.

Wenn es denn ein SB-Händler sein soll, gelten unter Analysten die zur Rewe gehörenen 66 Toom-Häuser als interessanter Posten. Bei Rewe-Chef Hans Reischl dürfte durchaus ein Interesse am Verkauf von Toom unterstellt werden: Die großen Läden sind renovierungsbedürftig und verursachen viel Arbeit - zusätzlich zu den Läden der Rewe-Ketten Penny und Minimal. Außerdem erweckt Reischl seit einiger Zeit den Anschein, dass ihn der Ausbau des Touristikgeschäfts eher interessiert als der renditearme Einzelhandel.