Commerzbank/ Dresdner Gemeinsame Superbank mit Allianz möglich

Nach gut dreiwöchigem "Gedankenaustausch" begeben sich die beiden Geld-Konzerne auf die Zielgeraden einer möglichen Fusion. Das Ergebnis könnte eine Superbank sein, an der der Versicherungs-Riese Allianz direkt beteiligt ist.

Frankfurt am Main - Der routinemäßig tagende Aufsichtsrat der Commerzbank läßt sich zur Stunde von Vorstands-Chef Martin Kohlhaussen unterrichten. Dabei geht es um den Stand der laufenden Gespräche mit dem Vorstand der Dresdner Bank über "Möglichkeiten der Zusammenarbeit", die sich immer stärker in Richtung Fusion bewegen.

Auf ihrer Sitzung am heutigen Montag werden die Kontrolleure voraussichtlich auch das so genannte Holding-Modell diskutieren, das über das Wochenende in die Öffentlichkeit sickerte. Nach diesem Modell würde der Zusammenschluss der Commerzbank mit der Dresdner Bank zur zweitgrößten deutschen Bank in zwei Schritten ablaufen. Zunächst würden beide Finanzhäuser fusionieren.

Danach würden beide Institute eine Holding bilden und einzelne Geschäfts-Bereiche in eigene Tochter-Gesellschaften ausgliedern: von einer selbständige Privatkunden-Bank bis zu einem unabhängigen Investmenthaus. An diesen Töchtern könnten die Großaktionäre Allianz (Dresdner Bank) und Generali (Commerzbank) direkt beteiligt werden.

Am Wochenende wurden entsprechende Zeitungsberichte von beiden Großbanken vage bestätigt. "Das ist ein Denkmodell, das auf dem Tisch liegt", bestätigte ein Commerzbank-Sprecher am Sonntag. Konkretes gebe es aber noch nicht, betonte er. Berichte, wonach sich die Commerzbank bereits Mitte der Woche entscheiden wolle, ob sie die Fusionsgespräche mit der Dresdner überhaupt fortsetzt, bestätigte er nicht.

Allerdings verlautete schon vor Tagen aus beiden Frankfurter Banktürmen, dass möglichst noch im Juli erste Ergebnisse auf den Tisch sollen. "Alles andere wäre für Belegschaften, Aktionäre und Kunden auch unerträglich", hieß es.

Eine Entscheidung für eine solche Fusion steht in der Aufsichtsrats-Sitzung der Commerzbank am heutigen Montag nicht an. Vielmehr wird Commerzbank-Chef Kohlhaussen noch Überzeugungsarbeit im Aufsichtsrat über ein Zusammengehen mit der Dresdner Bank - gleich in welcher Form - zu leisten haben, heißt es in Frankfurter Bankkreisen.

Hier ist auch zu hören, so charmant die Holding-Lösung auf den ersten Blick scheine, so schwierig nachvollziehbar sei eine Einigung zwischen den Großaktionären Allianz und Generali unter einem Dach. Sind doch beide harte Konkurrenten im europäischen Versicherungsmarkt. Seitens Generali gebe es keinerlei offizielle Signale.

Skeptisch sind Beobachter auch für die schwierge Lösung für die Beteiligungsgesellschaft CoBra/Rebon, die bekanntlich 17 Prozent der Commerzbank-Aktien und -Stimmrechte gesammelt haben und mit diesen Kursgewinne in einer großen Lösung anstreben.

Hansgeorg Hofmann, CoBra-Geschäftsführer, sagte am Sonntag gegenüber dem "Wall Street Journal Europe": Er könne zu der am Wochenende in die Öffentlichkeit gesickerten Holding-Lösung keinen Kommentar abgeben, solange er nicht dazu konkrete Informationen vorliegen habe.

Der Börsenwert der Dresdner Bank liegt bei rund 42,6 Milliarden Mark. Die Commerzbank wird mit rund 38,1 Milliarden Mark taxiert. Beide Häuser zusammen würden sich hinter dem Branchenprimus Deutsche Bank (101 Milliarden Mark) klar vor die Münchner HypoVereinsbank (57,5 Milliarden Mark) schieben.