UBS Warburg "Was, bitte, ist ein WAN?"

Die Investment-Bank schickt ihre 12.000 Mitarbeiter auf die Schulbank: In einem dreistündigen Test werden ihre Web-Kenntnisse überprüft. Wer nicht besteht, muss nachsitzen. In der ersten Runde fielen 54 Prozent der Teilnehmer durch.

Hamburg - 9900 Mitarbeiter haben bislang am Internet-Test teilgenommen, berichtet Bloomberg News. Vom Praktikanten bis zum Top-Manager mussten sie die gleichen Fragen beantworten, beispielsweise: "Was ist ein WAN?" (Wide Area Network) oder: "Wieso sind Dot.com-Firmen häufig besonders hoch bewertet?"

Wer nicht mindestens 70 Prozent der Fragen richtig beantwortet, und das waren bislang 54 Prozent der Teilnehmer, wandert in eine zweite Runde. Um die bestehen zu können, müssen die Prüflinge kräftig pauken: Sie werden von UBS Warburg mit Lehrmaterialien eingedeckt, die in etwa sieben Unterrichtsstunden durchzuarbeiten sind.

Nach Angaben von Händlern ist der Test so schwierig, dass viele Teilnehmer versucht hätten, sich durchzuschummeln. Meist vergeblich: "Jeder im Unternehmen muß das Grundwissen drauf haben", erklärte Simon Bunce, der bei UBS Warburg das E-Commerce verantwortet.

Das Web-Wissen ihrer Mitarbeiter ist der Investmentbank-Tochter des Bankriesen UBS deshalb so wichtig, weil die meisten Merger und Akquisitionen zur Zeit in den Sektoren Telekommunikation, High-Tech und Medien stattfinden. Vor allem im besonders wichtigen US-Markt laufen fast alle bedeutenden Transaktionen und Börsengänge in Bereichen der "neuen Wirtschaft" ab.

UBS Warburg ist aber im US-Markt deutlich unterrepräsentiert. Weltweit stehen die Schweizer bei der Zahl der neu ausgegebenen Aktien auf Platz zwei unter den Investment-Banken (zweites Quartal 2000) - in den USA landen sie Angaben von Thomson Financial Securities Data zufolge lediglich auf Platz 16.

Paukerei ist eine der Maßnahmen, mit denen UBS Warburg die High-tech-Kompetenz speziell in den USA vergrößern will. Zusätzlich will die Bank jetzt ihre Technik-Tochter, die U.S. Technology Investment Banking Group, massiv aufrüsten. 50 neue Mitarbeiter will die Gesellschaft in diesem Jahr einstellen; vor wenigen Tagen wurde der renommierte Warburg-Manager James Feuille an die Spitze der Gruppe gesetzt.