EADS Was Großanleger nicht wollen, bekommen die Privaten

Die Aktie des Luft- und Raumfahrtkonzerns kostet 19 Euro - deutlich weniger, als das Unternehmen erhofft hatte. Weil Großanleger kaum orderten, erhalten Privatanleger mehr Papiere. Ab 12 Uhr startet der Börsenhandel.

München - Der weltweit drittgrößte Flugzeugbaukonzern nach den US-Giganten Boeing und Lockheed Martin startet an diesem Montag gleichzeitig an den Börsen in Frankfurt, Paris und Madrid. Der EADS-Börsengang gehört zu den größten Aktienemissionen in diesem Jahr in Europa.

Rund die Hälfte der Platzierung werde Privatanlegern in Deutschland, Frankreich und Spanien zugeteilt. Am stärksten sei die Aktie von Privatanlegern aus Frankreich nachfragt worden, die 44 Prozent der Aktien dieses Kontingents erhielten.

An deutsche Privatanleger gingen 36 Prozent und nach Spanien noch ein Fünftel.

Frühzeichner erhalten bis zu 300 Papiere

Diejenigen Privatanleger, die in der Frühzeichnungsphase bis zum 3. Juli geordert haben, erhalten eine volle Zuteilung auf bis zu 300 Aktien. Größere Aufträge werden nicht voll erfüllt, sondern nach einem bestimmten Zuteilungsschema abgedeckt.

Privatanleger wurden mit einem Preisabschlag von einem Euro gelockt. Ursprünglich sollten sie nur rund 30 Prozent von den verfügbaren Aktien erhalten statt der jetzt zugeteilten Hälfte.

Insgesamt seien 166,5 Millionen Aktien angeboten worden, teilte EADS mit. Damit belaufe sich das Emissionsvolumen auf rund drei Milliarden Euro.

Institutionelle Anleger hielten sich zurück

Der große Ansturm auf die EADS-Aktien blieb vor allem von den institutionellen Anlegern aus, obwohl der Konzern noch vor dem Börsengang den Programmstart des Super Airbus A3XX bekannt gegeben hatte, mit dem die Dominanz der Jumbos des US-Konkurrenten Boeing gebrochen werden soll. Aber anders als bei den großen Aktienemissionen von Infineon oder T-Online war bis zuletzt von Börsenfieber wenig zu spüren.

Die institutionellen Anleger hätten auch deshalb zögernder geordert, weil der EADS-Börsengang eher als Zweitplatzierung angesehen worden sei, da Aerospatiale Matra bereits an der Börse in Paris notiert ist. Die Anteile der Aerospatiale Matra-Aktionäre werden eins zu eins in EADS-Aktien umgetauscht.

EADS: "Historisches Ereignis"

EADS-Co-Chef Philippe Camus bewertete die Transaktion als erfolgreich. Trotz des schwierigen Marktumfelds sei ein gutes Ergebnis erzielt worden. Der deutsche EADS-Co-Chef Rainer Hertrich erklärte, der Börsengang markiere ein historisches Ereignis in der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie.

Insgesamt sei die Nachfrage deutlich höher gewesen als das Angebot, betonte EADS. Vom Bankenkonsortium hieß es, die Nachfrage sei ungefähr doppelt so groß ausgefallen wie das Auftragsvolumen. Das Konsortium wird von der Deutschen Bank und der niederländischen ABN Amro angeführt.

In der EADS schließen sich die DaimlerChrysler Aerospace (DASA/München), die französische Aerospatiale Matra und die spanische CASA zusammen. Der neue Konzern kommt auf fast 45 Milliarden Mark Jahresumsatz und beschäftigt 96.000 Mitarbeiter.

Mit dem Börsenstart wird der Zusammenschluss vollzogen. Dem Unternehmen fließen 1,6 Milliarden Euro aus dem Börsengang zu, die zur Stärkung der Kapitalstruktur verwendet werden sollen.

Über 30 Prozent des EADS-Kapitals sind breit gestreut. Nach dem Börsengang entfallen 30 Prozent auf DaimlerChrysler. Ebenfalls 30 Prozent teilen sich der französische Staat, die Lagardere-Gruppe und französische Finanzinstitute. 5,5 Prozent entfallen auf die spanische Staatsholding SEPI.