BIZ-Jahresbericht Zustände wie nach dem Lehman-Kollaps

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einem Teufelskreis und bilanziellen Belastungen, die die angeheizte Jagd nach besicherten Schuldtiteln auslösen könnte. Die BIZ-Experten vergleichen die Lage mit jener nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008.
Frankfurter Skyline mit Bankenhochhäusern: Zweifel an der Risikenbewertung

Frankfurter Skyline mit Bankenhochhäusern: Zweifel an der Risikenbewertung

Foto: Fredrik Von Erichsen/ dpa

Frankfurt - Die europäischen Banken drohen wegen des mangelnden Vertrauens der Finanzmärkte in einen Teufelskreis zu geraten. Sie müssten immer größere Teile ihrer Anlagebestände als Sicherheit anbieten, um noch Käufer für neue Anleihen anzulocken, warnte die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) - die als Verwalterin von internationalen Währungsreserven auch als Bank der Zentralbanken gilt - in ihrem Jahresbericht.

Dass die Banken immer mehr ihrer Anlagebestände als Sicherheiten anbieten müssten, ginge nach Einschätzung der BIZ im Falle einer Pleite zulasten der unbesicherten Gläubiger. Und dies mache die besicherten Schuldtitel daher umso begehrter. "Und wenn sich private Mittelgeber aus den Märkten zurückziehen, setzen die Banken Sicherheiten ein, um sich verstärkt über die Zentralbank zu refinanzieren, womit sie ihre Bilanzen noch mehr belasten", beschreiben die BOZ-Experten das Dilemma.

Der "Teufelskreis" von Finanz- und Schuldenkrisen kann nach Überzeugung der führenden Zentralbanken nur durch "robuste Regulierung" der großen internationalen Finanzinstitute durchbrochen werden. Überall müssten Regierungen Banken deshalb "zur Übernahme von Geschäftsmodellen bewegen, die risikoärmer und tragfähiger sind", forderte die BIZ.

Dafür müssten Aufsichtsbehörden die schärferen Eigenkapitalregeln ("Basel III") durchsetzen, heißt es im Jahresbericht der BIZ, der an ihrem Hauptsitz in Basel vorgelegt wurde. "Weltweit muss die Aufsicht die konsequente und rasche Umsetzung der vereinbarten Basel-III-Standards abschließen", mahnte die BIZ. "Die Banken werden das Vertrauen der Märkte nur zurückgewinnen, wenn sie ihre Eigenkapitalausstattung und ihre Liquiditätsposition weiter stärken."

Zustände wie nach der Lehman-Pleite 2008

Auf die "Basel III"-Vereinbarungen hatten sich die in der BIZ vertreten Zentralbanken als Reaktion auf die Schockwellen nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 verständigt. Im Kern müssen Banken von 2013 an deutlich dickere Puffer für Krisenzeiten aufbauen. Unter dem Strich addieren sich die Eigenkapitalanforderungen auf 10,5 Prozent. Die EU-Staaten wollen zulassen, dass einzelne Länder noch höhere Quoten festlegen.

Von der aktuellen Lage der Finanzinstitute malen die Experten ein düsteres Bild. In diesem Jahr ähnele der Zustand des Sektors "wieder demjenigen nach dem Kollaps von Lehman Brothers" 2008, heißt es in dem Bericht. Viele Banken hingen am Tropf der Zentralbanken.

Auch die Märkte gingen nicht davon aus, dass die Krise überstanden sei. Trotz der doppelten Geldspritze der seien die Kreditausfallversicherungen (CDS) für Banken im Euro-Raum im Frühjahr so teuer oder noch teurer gewesen als im Herbst 2008.

Und "die Banken selbst vertrauen einander nicht mehr, insbesondere im Euro-Raum", schlägt die BIZ Alarm. In ihren Bilanzen steckten immer noch belastende Bestände an faulen Aktiva, vor allem riskante Staatsanleihen aus den Ländern am Rand der Euro-Zone schürten das Misstrauen. Bei vielen Instituten, die dort ihren Sitz hätten, seien diese Bestände sogar höher als das Kernkapital.

krk/rtr

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