Hohe Zinsen Hilfe für Spanien lässt Anleihemärkte kalt

Bis zu 100 Milliarden Euro sollen Spaniens Banken aus dem Euro-Rettungsfonds erhalten. Trotzdem hat Madrid Probleme bei der Refinanzierung seiner Schulden: Der Risikoaufschlag für Spanien-Anleihen steigt wieder.
Teures Geld: Spanien muss hohe Zinsen zahlen, um sich zu refinanzieren

Teures Geld: Spanien muss hohe Zinsen zahlen, um sich zu refinanzieren

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Frankfurt am Main/Oslo - Die Lage an den Anleihemärkten der Euro-Sorgenkinder Spanien und Italien trübt sich immer mehr ein. Die Rendite für spanische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren stieg wieder über die Marke von 6,5 Prozent. In Italien kletterte der Effektivzins über die Schwelle von 6,0 Prozent.

Damit nähern sich die Renditen zumindest in Spanien wieder dem Niveau von Herbst 2011 an, als die Schuldenkrise mit dem Übergreifen auf Kernländer wie Frankreich vor der Eskalation stand. In Italien liegt das Zinsniveau indes noch deutlich tiefer als im vergangenen Herbst.

Zuletzt rentierten spanische Zehnjahrestitel mit 6,55 Prozent, italienische Papiere gleicher Laufzeit mit 6,05 Prozent. Der Risikoaufschlag zu deutschen Staatsanleihen beträgt damit etwa 520 Basispunkte (Spanien) beziehungsweise 470 Basispunkte (Italien).

Am Montag waren die Risikoaufschläge zunächst merklich gesunken, nachdem Spaniens Banken am Wochenende Hilfszahlungen in Aussicht gestellt worden waren. Die Euphorie an den Märkten war aber schon zu Wochenbeginn schnell verflogen.

Fitch: Italien in besserem Zustand als Spanien

In den kurzen Laufzeiten standen spanische und italienische Staatstitel noch stärker unter Druck. Hier erhöhten sich die Renditen etwa doppelt so stark wie im Zehnjahresbereich. Aktuell rentieren zweijährige Staatsanleihen Spaniens mit 4,65 Prozent, italienische Papiere mit 4,35 Prozent.

Zum Vergleich: Deutschland muss in dieser Laufzeit faktisch keine Zinsen zahlen. Grund ist das immer noch große Zutrauen der Investoren in die Bonität und Wirtschaftsstärke Deutschlands. In der Schweiz und Dänemark ist die zweijährige Rendite sogar negativ.

Italien befindet sich nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch in einem besseren Zustand als Spanien und braucht daher voraussichtlich auch keine Hilfe. "Italien ist viel näher an einer nachhaltigen makroökonomischen Position", sagte der Chef für die Länderanalyse bei Fitch, Ed Parker. Das Land habe nur ein kleines Haushaltsdefizit und ein viel geringeres Leistungsbilanzdefizit als Spanien. Zudem seien die italienischen Banken wesentlich robuster als die spanischen Geldhäuser.

Allerdings habe Italien einen sehr hohen staatlichen Schuldenstand. Zudem gebe es nur einen sehr geringen Spielraum, um weitere negative Schocks zu verkraften, sagte Parker. Der italienische Staat sei sehr vom Zinssatz an den Märkten abhängig, der derzeit sehr hoch sei. Dieser liege über dem nominalen Wirtschaftswachstum, so dass die Marktentwicklung die Wirkung einer selbsterfüllenden Prophezeiung auf die Kreditwürdigkeit haben könnte.

Fitch bewertet die Kreditwürdigkeit Italiens derzeit mit "A-". Die spanische Bonität wird hingegen zwei Noten schlechter mit "BBB" bewertet.

ts/dpa-afx
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