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Griechenland: Wie Unternehmer und Investoren über Hellas denken

Foto: Nikos Chrisikakis

Griechen ziehen Geld ab "Wir verbluten langsam"

Kurz vor den Neuwahlen breitet sich Panik unter Griechenlands Bankern aus: "Wir brauchen dringend eine handlungsfähige Regierung", sagt einer. Derzeit flössen bis zu 500 Millionen Euro aus dem klammen Land - und das täglich.

Athen - Vor den griechischen Neuwahlen am 17. Juni ziehen Sparer in Hellas immer mehr Geld von ihren Konten ab. Seit Anfang Juni flössen täglich zwischen 100 bis 500 Millionen Euro aus den Banken ab, sagte ein hoher Angestellter einer griechischen Privatbank.

Halte die Kapitalflucht in dem Tempo an, könnte die Summe im Juni deutlich über den fünf Milliarden Euro liegen, die Griechen im Mai ins Ausland geschickt oder in Safes deponiert hatten. "Wir verbluten langsam. Wir brauchen dringend eine handlungsfähige Regierung", sagte der Banker.

Nach offiziellen Angaben sind seit Ausbruch der Krise im Jahr 2009 rund 80 Milliarden Euro aus den Banken abgezogen worden. Lange Warteschlangen vor den Instituten wie bei einem klassischen "Bank-Run" gibt es aber nicht.

Das griechische Banksystem erhielt vergangene Woche eine dringend notwendige Finanzspritze in Höhe von 18 Milliarden Euro. Diese Gelder hatte der Staat als Teil des 130 Milliarden Euro schweren zweiten Rettungspakets für Griechenland bekommen. Nachdem Spanien Hilfe zu besseren Konditionen erhält, will Athen die Sparvorgaben neu verhandeln.

Roubinbi warnt vor Zusammenbruch der Euro-Zone

Der US-Ökonom und Ex-Präsidentenberater Nouriel Roubini warnte vor einem Kollaps der Euro-Zone für den Fall, dass Griechenland nach den Neuwahlen die Finanzhilfen verweigert würden. "Wer den Griechen den Stecker zieht, provoziert den totalen Zusammenbruch der Euro-Zone", sagte der Wirtschaftswissenschaftler der "Bild". Der weltbekannte Forscher hatte bereits im Jahr 2006 die Finanz- und Wirtschaftskrise korrekt vorausgesagt.

Kollabiere Griechenland, würden viele Anleger in Panik geraten, sagte Roubini der Zeitung. "Dann gibt es einen Run auf die Banken in Portugal, Spanien und Italien", führte er aus. Deshalb müsse das Land entweder in der Euro-Zone gehalten werden oder finanzielle Unterstützung für einen geregelten Ausstieg erhalten. "Beides ist für Deutschlands Steuerzahler billiger, als die Euro-Zone kaputtgehen zu lassen", sagte Roubini.

Griechenland befindet sich seit Jahren in der Rezession. Im Gegenzug für Milliardenkredite der EU Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) verpflichtete sich das Land zu einem drastischen Sparprogramm. Hinzu kommt eine politische Krise: Nach der Parlamentswahl am 6. Mai, bei der sparkursfeindliche Parteien großen Zuspruch erfuhren, kam keine Regierung zustande. Daher müssen die Griechen am Sonntag erneut an die Urnen.

ts/dpa-afx/afp
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