Rentenmarkt Bei Bundesanleihen drohen hohe Kursrisiken

Zuspitzung auf dem Rentenmarkt: Während Bundesanleihen von einem Hoch zum nächsten eilen, verzeichnen griechische oder spanische Staatsanleihen hohe Abschläge. Viele Anleger fragen sich, wie sie jetzt reagieren sollen. Was renommierte Anlageprofis raten.
Von Dirk Wohleb
Börse in Frankfurt: Viele Anleger suchen wegen volatiler Börsen die Sicherheit von Anleihen - doch auch hier steigen die Risiken

Börse in Frankfurt: Viele Anleger suchen wegen volatiler Börsen die Sicherheit von Anleihen - doch auch hier steigen die Risiken

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Hamburg - Mittlerweile herrschen in Deutschland fast schon japanische Verhältnisse. Die Rendite von zweijährigen Bundesanleihen erreicht die Nulllinie und bietet damit eine niedrigere Verzinsung als Papiere aus Nippon. Zehnjährige Bundesanleihen werfen gerade mal 1,17 Prozent Rendite pro Jahr ab. Auch bei langen Laufzeiten herrschen Zustände wie in Japan. Die Rendite für 30-jährige Papiere liegt gerade einmal bei 1,6 Prozent pro anno. "Die Flucht in vermeintlich sichere Anlagen trieb die Kurse deutscher Bundesanleihen in den letzten Monaten auf völlig irrationale Niveaus. Dieser Trend verstärkte sich zuletzt sogar noch durch südeuropäische Fluchtgelder", erklärt Fondsmanager und Vermögensverwalter Peter E. Huber.

Die Bankenkrise hat die Risikobereitschaft der Investoren weiter sinken lassen. Anleger ziehen Kapital aus den Aktienmärkten ab. Der deutsche Aktienindex Dax  fiel zwischenzeitlich unter 6000 Punkte. Damit hat er fast die gesamten Kursgewinne seit Jahresanfang wieder abgegeben. Während die Aktienindizes in Euro-Land nachgeben, zeigt sich der Anleihenmarkt gespalten. Institutionelle Anleger stoßen spanische Staatsanleihen im großen Stil. Dagegen sind deutsche Staatsanleihen beliebt wie nie zuvor.

Anleger bezahlen für den Run und die vermeintlich hohe Sicherheit einen hohen Peis: "Bundesanleihen mit ein- bis dreijähriger Laufzeit bieten mittlerweile weder einen realen noch einen nominellen Kapitalerhalt", so Stephan Kuhnke, Leiter Portfoliomanagement des Anleihemanagers Bantleon. Viele Investoren sind verunsichert. Sollen sie Bundesanleihen verkaufen oder ihren Anteil aufstocken? Wo finden sie überhaupt noch sichere Anleihen mit einer akzeptablen Verzinsung? Eines steht fest: "Wichtig ist ein aktives Management. Buy and hold macht keinen Sinn mehr", betont Kuhnke. Vermeintlich sichere Staatsanleihen ins Depot zu legen und einfach abzuwarten, ist keine Strategie im aktuellen Umfeld.

Kursrisiken deutscher Bundesanleihen sind enorm

Euro-Land steht am Scheideweg. Wohin die Reise gehen könnte, skizziert Fondsmanager Huber: "Das Scheitern selbst zaghaftester Arbeitsmarktreformen in Italien, Spanien und Griechenland sowie die Sparunwilligkeit Deutschlands selbst in konjunkturstarken Jahren zeigt das Unvermögen Europas, die nötigen Reformen anzugehen." Er hält einen paneuropäischen Schuldenschnitt, auch in Deutschland, für wahrscheinlich. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis dieser Schritt vollzogen wird.

In jedem Fall ist Europa durch die Krise gezwungen, politisch und wirtschaftlich zusammenzurücken, um den Euro zu verteidigen. "Wir befinden uns auf dem Weg in eine Fiskal- und Transferunion mit einer Vergemeinschaftung der Schulden - auch über die Ausgabe von Euro-Bonds", so Huber. Deswegen hält er herbe Kursverluste speziell bei den Bundesanleihen aufgrund steigender Zinsen für eine zwangsläufige Konsequenz. Aber auch falls sich die Märkte in den kommenden Monaten beruhigen sollten und die Risikobereitschaft zurückkehrt, dürften die Kurse von deutschen Staatspapieren unter Druck geraten.

Schwellenländer als Hoffnungsträger

"Bundesanleihen machen für deutsche Anleger derzeit keinen Sinn mehr. Aber für Spanier oder Griechen schon. Für sie ist das wie ein Krisenhedge", sagt Marco Herrmann, Geschäftsführer und Chief Investment Officer der Vermögensverwaltung Fiduka. Doch welche Rentenpapiere bieten jetzt noch Sicherheit und attraktive Rendite? "Anleger sollten stärker in Unternehmensanleihen investieren. Wir bevorzugen auf mittlere Sicht Aktien oder Anleihen von soliden Unternehmen mit Investment Grade."

Auch Fondsmanager Huber bläst ins gleiche Horn: "Der einzige Sachwert, der eine Wertschöpfung erbringt, ist eine Beteiligung an gesunden Unternehmen. Aus Unternehmensgewinnen können Dividenden ausgeschüttet und bezahlt werden. Deshalb bieten Aktien und Unternehmensanleihen langfristig auch die höchsten und sichersten Erträge. Das Ausfallrisiko erscheint uns bei vielen Unternehmen derzeit geringer als bei dem meisten Staaten."

Denn tatsächlich geht es vielen Unternehmen derzeit viel besser als den hochverschuldeten Euro-Ländern: Zahlreiche Firmen trotzen der Euro-Krise und sind bestens aufgestellt. Zu den potentiell interessanten Werten zählen zum Beispiel Gea , die  in einer angekündigten Übernahme steckenden Rhön-Kliniken  oder auch die französische Veolia Environnement. Allerdings fallen die Renditen bescheiden aus, die Kurse sind bereits deutlich gestiegen. Kuhnke hält auch einzelne Finanzwerte für nicht uninteressant: "Ausgewählte Anleihen von Banken mit vertretbarem Rating wie Royal Bank of Scotland oder ING bieten auf Sicht von zwei bis drei Jahren überdurchschnittliche Renditen."

Gibt es noch einen anderen gleichwertigen Ersatz zu den hoch gehandelten deutschen Bundesanleihen? "Eine Alternative sind Quasi-Bundesanleihen wie zum Beispiel Landesschatzanweisungen der Bundesländer oder KfW-Anleihen. Sie bieten bei kurzlaufenden Papieren einen Renditeaufschlag von bis zu 60 Basispunkten", sagt Kuhnke. Diese Papiere bieten nahezu die gleiche Sicherheit wie deutsche Bundesanleihen. Berücksichtigen Anleger allerdings noch die Kaufgebühren, bleibt unterm Strich nur ein minimaler Ertrag übrig. Auch Pfandbriefe werfen derzeit nur schwache Renditen ab.

Blieben noch die Schwellenländer als Hoffnungsträger. Viele Staaten zeichnen sich durch eine geringe Staatsverschuldung und hohes Wachstum aus. "Im Prinzip sind Schwellenländeranleihen in der Landeswährung attraktiv. Die Bonität ist oft besser, allerdings schwanken die Märkte extrem stark. Das liegt auch an der geringen Liquidität. Es fehlt die Nachfrage durch landeseigene Pensionsfonds oder Versicherungen. Langfristig ist das bestimmt das Richtige, aber kurzfristig sehr risikoreich", betont Herrmann. Allerdings haben auch diese Titel bereits kräftig zugelegt. Die besseren Wachstumsaussichten sind in oft schon eingepreist. Deswegen sollten Anleger jetzt nicht komplett in diese Papiere umschichten, sondern sie beimischen.

Das Risiko auf den Anleihenmärkten ist immens und verlässliche Prognosen nur schwer möglich. Aktiv gemanagte Fonds können schnell auf Trendbrüche reagieren und das Portfolio umschichten. Zu den bewährten Rentenfonds zählt der Starcapital Bondvalue, den Peter E. Huber verantwortet. Staatsanleihen machen in seinem Portfolio gerade einmal einen Anteil von 17 Prozent aus. Den Schwerpunkt bilden Unternehmensanleihen mit 44 Prozent. Der Fonds liefert seit Jahren überdurchschnittliche Renditen und wird von der Ratingagentur Morningstar mit der Höchstnote von fünf Sternen bewertet. Huber kann sämtliche Möglichkeiten des Anleihemarktes nutzen. Ein hohes Maß an Freiheit und Unabhängigkeit macht sich in diesen schwierigen Zeiten bezahlt.

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