Dienstag, 12. November 2019

Rentenmarkt Bei Bundesanleihen drohen hohe Kursrisiken

Börse in Frankfurt: Viele Anleger suchen wegen volatiler Börsen die Sicherheit von Anleihen - doch auch hier steigen die Risiken

Zuspitzung auf dem Rentenmarkt: Während Bundesanleihen von einem Hoch zum nächsten eilen, verzeichnen griechische oder spanische Staatsanleihen hohe Abschläge. Viele Anleger fragen sich, wie sie jetzt reagieren sollen. Was renommierte Anlageprofis raten.

Hamburg - Mittlerweile herrschen in Deutschland fast schon japanische Verhältnisse. Die Rendite von zweijährigen Bundesanleihen erreicht die Nulllinie und bietet damit eine niedrigere Verzinsung als Papiere aus Nippon. Zehnjährige Bundesanleihen werfen gerade mal 1,17 Prozent Rendite pro Jahr ab. Auch bei langen Laufzeiten herrschen Zustände wie in Japan. Die Rendite für 30-jährige Papiere liegt gerade einmal bei 1,6 Prozent pro anno. "Die Flucht in vermeintlich sichere Anlagen trieb die Kurse deutscher Bundesanleihen in den letzten Monaten auf völlig irrationale Niveaus. Dieser Trend verstärkte sich zuletzt sogar noch durch südeuropäische Fluchtgelder", erklärt Fondsmanager und Vermögensverwalter Peter E. Huber.

Die Bankenkrise hat die Risikobereitschaft der Investoren weiter sinken lassen. Anleger ziehen Kapital aus den Aktienmärkten ab. Der deutsche Aktienindex Dax Börsen-Chart zeigen fiel zwischenzeitlich unter 6000 Punkte. Damit hat er fast die gesamten Kursgewinne seit Jahresanfang wieder abgegeben. Während die Aktienindizes in Euro-Land nachgeben, zeigt sich der Anleihenmarkt gespalten. Institutionelle Anleger stoßen spanische Staatsanleihen im großen Stil. Dagegen sind deutsche Staatsanleihen beliebt wie nie zuvor.

Anleger bezahlen für den Run und die vermeintlich hohe Sicherheit einen hohen Peis: "Bundesanleihen mit ein- bis dreijähriger Laufzeit bieten mittlerweile weder einen realen noch einen nominellen Kapitalerhalt", so Stephan Kuhnke, Leiter Portfoliomanagement des Anleihemanagers Bantleon. Viele Investoren sind verunsichert. Sollen sie Bundesanleihen verkaufen oder ihren Anteil aufstocken? Wo finden sie überhaupt noch sichere Anleihen mit einer akzeptablen Verzinsung? Eines steht fest: "Wichtig ist ein aktives Management. Buy and hold macht keinen Sinn mehr", betont Kuhnke. Vermeintlich sichere Staatsanleihen ins Depot zu legen und einfach abzuwarten, ist keine Strategie im aktuellen Umfeld.

Kursrisiken deutscher Bundesanleihen sind enorm

Euro-Land steht am Scheideweg. Wohin die Reise gehen könnte, skizziert Fondsmanager Huber: "Das Scheitern selbst zaghaftester Arbeitsmarktreformen in Italien, Spanien und Griechenland sowie die Sparunwilligkeit Deutschlands selbst in konjunkturstarken Jahren zeigt das Unvermögen Europas, die nötigen Reformen anzugehen." Er hält einen paneuropäischen Schuldenschnitt, auch in Deutschland, für wahrscheinlich. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis dieser Schritt vollzogen wird.

In jedem Fall ist Europa durch die Krise gezwungen, politisch und wirtschaftlich zusammenzurücken, um den Euro zu verteidigen. "Wir befinden uns auf dem Weg in eine Fiskal- und Transferunion mit einer Vergemeinschaftung der Schulden - auch über die Ausgabe von Euro-Bonds", so Huber. Deswegen hält er herbe Kursverluste speziell bei den Bundesanleihen aufgrund steigender Zinsen für eine zwangsläufige Konsequenz. Aber auch falls sich die Märkte in den kommenden Monaten beruhigen sollten und die Risikobereitschaft zurückkehrt, dürften die Kurse von deutschen Staatspapieren unter Druck geraten.

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